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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 07:16 Uhr

Engagement : Als Wildhüterin nach Afrika

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Heike Thomsen will sich im Krüger-Nationalpark zum Ranger ausbilden lassen, die 41-jährige Viölerin arbeitete bereits als Freiwillige.

31 Jahre lang lebte Heike Thomsen in Lürschau inmitten von Tieren. Als jüngste von vier Geschwistern wuchs die 41-Jährige auf dem Bauernhof ihrer Eltern auf und hegte dabei immer schon einen besonderen Wunsch: Wildtiere in freier Natur sehen zu können. Und das abseits der Touristenstrecken. Mittlerweile lebt sie in Viöl. Ihre Affinität zu Afrika begann mit einer Fernsehreportage, die sie 2012 auf die Idee brachte, den Wunsch „einfach mal umzusetzen“. Was bietet sich da besser an, als die Urlaubszeit zu nutzen? Überstunden und zusätzliche, unbezahlte Urlaubstage nahm die Kauffrau ebenfalls dafür in Kauf und reiste ihrem Traum entgegen. Jetzt will sie sich in Afrika zur Wildhüterin ausbilden lassen.

An diesem Tag herrscht schon auf der heimischen Terrasse Busch-Stimmung. Heike Thomsen hat ihr blondes Haar zusammengebunden, und ihre silberne Kette glitzert im Sonnenlicht. Der Anhänger in Form von Afrika zeigt ihre Liebe zu dem Kontinent. Darüber erzählt die unternehmungslustige Powerfrau gerne und kommt ins Schwärmen. „Die Besuche in Afrika sind wie ein Nachhause-Kommen“, versucht sie, ihre Begeisterung zu erklären. Dennoch: „Dort zu leben, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Thomsen. „Dort ist es viel zu gefährlich“, fügt sie hinzu. Aber nicht der Tiere wegen. Bis auf den Büffel seien alle Tiere berechenbar, und man befinde sich nicht permanent in Gefahr. Dabei kreuzten Nilpferde, Nashörner, Hyänen, Löwen und andere Raubkatzen bereits die Wege der gebürtigen Lürschauerin im fernen Land.

„Man lernt, die Sprache der Tiere zu lesen. Die Nähe der Tiere kann man riechen“, erzählt sie weiter. Das oberste Gebot im Dschungel sei: „Schnauze halten, cool bleiben und nicht weglaufen.“ Beispielsweise, wenn ein Elefanten-„Teenie“ (Jungbulle) mit lautem Getöse und Drohgebärden zeigt, dass Elefanten in der Wildnis Vorfahrt haben. Andernfalls werde man zum chancenlosen Opfer.

Zweimal war Thomsen bereits als sogenannte Volontärin im Krüger-Nationalpark in Südafrika und kam den wilden Tieren näher als jeder Tourist. „Ich durfte dabei sein, als sechs Spitzmaul-Nashörner mit einem Sender ausgestattet wurden“, erzählt sie stolz von ihrer Arbeit, bei der sie zudem die gefährdeten afrikanischen Wildhunde überwachte und für Forschungsarbeiten das Aufkommen von Leoparden dokumentierte. Touren durch die Savanne waren auch Teil der drei- und vierwöchigen Aufenthalte.

In diesem Jahr folgte eine weitere Herausforderung für die 41-Jährige, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich bei der Feuerwehr engagiert. Mit dem Reiseziel Uganda startete sie vor einigen Wochen zum Gorilla-Tracking in den Regenwald. Während ugandische Straßen sie teils an heimische Zustände erinnerte, stellte sie sich die Äquatorüberquerung spektakulärer vor. Die Eindrücke im Dschungel selbst muss sie noch heute verarbeiten. „Man ist ständig mit Klettern beschäftigt. Man muss nach dem Weg gucken, sich durchkämpfen und die hohe Luftfeuchtigkeit macht einem zu schaffen“, beschreibt sie den Weg durch das Dickicht im afrikanischen Dschungel inmitten des Bwindi-Nationalparks.

Dichtes Geäst und stachelige Lianen machten die 200 Höhenmeter, die zu überwinden waren, beschwerlich. Drei Stunden dauerte der Aufstieg, den sie mit vier weiteren Touristen und mithilfe ihrer Guides bezwingen konnte. Zwei Wildhüter (Ranger) schlugen mit ihrer Machete den Weg zu den Berggorillas frei. Drei Spurensucher gaben über Funk die Route durch. Zu Beginn der Reise konnte man Gepäckträger (Porter) buchen: Für wenig Geld trugen Einheimische den Rucksack und halfen beim Aufstieg. „Die schoben und zogen uns teilweise die Wege hinauf“, zeigte sich Thomsen noch immer von deren Stärke beeindruckt. Sie selber wollte es alleine schaffen, verzichtete auf die Unterstützung. Einzig ein Stock als Hilfsmittel musste jeder bei sich tragen.

„Der Schweiß tropfte die Schläfen entlang, die Hosenbeine waren nass, die Hände aufgerissen“, berichtet sie. Aber die Mühe sollte sich lohnen. Als einer der Ranger zu grunzen begann und abwinkte, stießen sie auf eine Gruppe Berggorillas: Fünf Weibchen und ihre Jungtiere sowie ein stattlicher Silberrücken. Lediglich drei Meter trennte die Gruppe von den beharrten Riesen. Ein ausgewachsener Berggorilla kann 1,80 Meter groß und bis zu 200 Kilo schwer werden, weiß Thomsen. Eine Stunde etwa durften die Dschungelgäste in die Welt der bedrohten Lebewesen eintauchen. Sie sahen zu, wie ein Gorillababy von Ast zu Ast kletterte, die Mutter es für seinen Übermut maßregelte oder die Tiere an frischen Trieben knabberten. „Unvergessliche Momente“, ist Thomsen überzeugt, die die Artenvielfalt in Afrika bewundert.

Sie weiß ganz genau, wie sie ihren nächsten Urlaub verbringen wird. Im Krüger-Nationalpark will sie den ersten Schritt zur Wildhüterin machen. „Ich habe einfach Bock, mir das Wissen anzueignen“, sagt sie und nimmt die anstehenden Aufgabenstellungen zur Tier- und Pflanzenkunde gelassen. Auch vor dem Umgang mit Waffen scheut sie sich nicht. „Mit der Orientierung könnte es allerdings etwas schwierig werden. Und damit, das Verdauungssystem der Giraffe auf Englisch zu erklären.“ Cool genug, um sich diesen Problemen zu stellen, scheint die 41-Jährige jedenfalls zu sein.



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