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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 03:21 Uhr

Was sich in Husum verändert – und was nicht : Als der Marktplatz Parkplatz war

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Bereich rund um den Tine-Brunnen ist heute ein Anziehungspunkt für Touristen – aber bis zu diesem Zustand war es ein langer Weg. Früher war er nicht gerade eine Zierde der Stadt.

Was sich in Husum verändert – und was nicht. In loser Folge beschäftigen sich die Husumer Nachrichten in dieser Serie damit, wo sich in der Storm-Stadt etwas tut und mit welchen Baustellen sich die Husumer seit Jahren beschäftigen. Diesmal werfen wir einen Blick auf den Marktplatz – früher und heute.

Der Marktplatz ist für gewöhnlich der zentrale Platz einer jeden Kleinstadt – und das gilt auch für Husum. Die Besonderheit hier: Auf ihm ist auch das Wahrzeichen der Stadt zu finden, nämlich das Asmussen-Woldsen-Denkmal, besser bekannt als Tine-Brunnen oder auch einfach nur als „die Tine“. Seit 1902 wacht die vom Bildhauer Adolf Brütt geschaffene Bronzeskulptur, die eine junge Fischersfrau mit Kopftuch, in Holzschuhen und mit Ruder in der rechten Hand darstellt, über den Markt, der auf der Ostseite von der Marienkirche begrenzt wird und heute einen beliebten Treffpunkt für Touristen darstellt. Von hier aus sind es nur wenige Schritte durch die Krämerstraße bis zum Hafen und in Ost-/West-Richtung erstrecken sich Norderstraße, Markt und Großstraße und damit die Einkaufsmeilen der Innenstadt. Abgeschirmt vom Auto-Verkehr flanieren Gäste und Einheimische über den mit Kopfsteinpflaster gedeckten Platz oder sitzen am Rand des Brunnens und essen Eis.

Dass Menschen am Brunnenrand sitzen, ist seit Jahrzehnten ein gewohntes Bild, und auch das Kopfsteinpflaster gibt es schon sehr lange. Aber der Rest des Marktplatzes hat sein Gesicht in der Vergangenheit doch stark verändert. Konstant war über all die Zeit eigentlich nur der Wochenmarkt, der hier schon stattfand, bevor der Brunnen gebaut wurde. Denn auch die Tine steht nicht mehr an derselben Stelle wie 1902: Im Rahmen der Umgestaltung des Marktplatzes wurde das gesamte Denkmal 1965 um drei Meter nach Westen versetzt.

Bis dahin war der Marktplatz ein Opfer des zunehmenden Individualverkehrs geworden. Prägten in den ersten Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch Pferdedroschken das Bild auf den Straßen, nutzten mit der zunehmenden Zahl an Kraftfahrzeugen immer mehr Fahrer diesen zentralen Innenstadtbereich zum Parken. Schon aus den 1930er Jahren gibt es kaum mehr ein Foto ohne Auto. Mit der zunehmenden Motorisierung der Bevölkerung im Nachkriegsdeutschland der Wirtschaftswunderzeit wuchs auch der Parkplatzbedarf, und Mitte der 1960er Jahre blickte die Tine rund um den Brunnen nur noch auf ein Meer von Blechkarossen, die dicht an dicht standen.

Kein wirkliches Schmuckstück für die Innenstadt. Das dachten sich auch die Verantwortlichen und zogen die Notbremse. Der Marktplatz bekam ein neues Gesicht, die Parkplätze wurden weniger und die Tine stand wieder frei. Auch die beiden schmiedeeisernen Kandelaber, die den Brunnen flankierten, fielen der Umgestaltung des Bereichs zum Opfer. Drumherum fahren konnte man allerdings weiterhin: Zwischen Kirche und Marktplatz führte eine Straße entlang, als Verbindung der Süderstraße und Roten Pforte, an der sich damals noch der ZOB befand, mit Norderstraße und Markt – aufgrund dieser Funktion eine kurze, aber ziemlich stark frequentierte Strecke, der den Marktbereich von der Kirche abkoppelte.

Die fiel dann der nächsten Umgestaltung in den 1980er Jahren zum Opfer, die die Autos ganz verbannte und zum heutigen Erscheinungsbild führte – mit der Tine als Mittelpunkt, die nun wieder mit freiem Blick über den Bereich wacht. Außer am Markttag, wenn sich die Verkaufsstände um den Brunnen drängen. Aber dafür ist ein Marktplatz ja auch schließlich gedacht.

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erstellt am 28.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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