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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Serie Zeitsprünge : Als der König in Bredstedt nächtigte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Alte Apotheke ist das zweitälteste Gebäude der Stadt. Nicht nur der König hat dort übernachtet, es sollen später auch Hexenverbrennungen am Markt 28 geplant worden sein.

Der Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege hat etwa 20 Gebäude und Stätten in der Stadt mit Erläuterungstafeln versehen, die auf deren stadtgeschichtliche Bedeutung hinweisen. In unserer Serie „Zeitsprünge“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen einige davon vor, zeigen ein historisches und ein aktuelles Foto. Heute: Die Alte Apotheke.

Im Haus am Markt 28 soll nicht nur König Christian IV. von Dänemark bei einem seiner Besuche mit seinem Schwert auf den Überbringer einer schlechten Nachricht geworfen haben – später sollen von dort aus auch Hexenverbrennungen geplant worden sein. Das zweitälteste noch heue existierende Haus der Stadt hat eine lange und abwechslungsreiche Geschichte.

Nur die Kirche ist älter, als die im Jahr 1611 errichtete spätere Apotheke. Wie das Haus ursprünglich ausgesehen hat, ist nicht eindeutig belegbar. 1626 baute es der gebürtige Bredstedter und Hardesvogt Urban Pauls wahrscheinlich „auf einer gedoppelten Hausstätte“ zum Wohnhaus um. Noch heute sind seine Initialen „U.P. 1626“ in den Granitstelen vor dem Eingang zu lesen. Es war damals wohl das erste große Wohnhaus im Ort mit zwei Etagen.

Als der Bau fertiggestellt wurde, war Bredstedt noch Teil der Nordergoesharde und gehörte zum Kirchspiel Breklum. Regiert wurde es von Christian IV. von Dänemark. Der König (1588 bis 1648) soll auch regelmäßig über längere Zeiträume beim Hardesvogt in Bredstedt zu Gast gewesen sein, um sich ein Bild von den Deichbaumaßnahmen vor dem Bredstedter Koog zu machen.

Bei einem dieser Besuche – so die Legende – soll er nach einer Sturmflut über eine Überschwemmung in den neugewonnen Köge informiert worden sein. Seine Majestät geriet daraufhin dermaßen in Rage, dass sie ihr Schwert nach dem Boten warf – das diesen allerdings verfehlte und stattdessen im Dachbalken stecken blieb. Noch Jahre danach soll eine Kerbe Zeugnis dieses Wortgefechts gewesen sein. Bei einem heutigen Besuch im Obergeschoss des Gebäudes kann Eigentümer Karsten Werner diese allerdings nicht mehr vorweisen.

Auch nach Urban Pauls wohnten noch einige Hardes- und Landvögte im Gebäude. Bis etwa zum Ende des 17. Jahrhunderts soll beispielsweise der Landschreiber und spätere Landvogt Hinrich Hey dort gewohnt haben. Unter ihm seien laut Chronik „Hexen und Unholde“ verfolgt – und drei davon verbrannt worden. 1797 kaufte es der Apotheker Johann Gottlieb Krause. Seitdem werden am Markt 28 Arzneimittel verkauft – durchgehend bis heute. Das Gesicht des Hauses hat sich dabei im Laufe der Jahre häufig verändert.

Als Karl Adolf Walther Wolf, Namensgeber der heutigen Apotheke, das Gebäude nach zahlreichen Eigentümerwechseln kaufte, soll es einen verwahrlosten Eindruck gemacht haben. Der als „Apotheker im schwarzen Kittel“ bekannte Wolf baute es um und legte unter anderem einen großen Ziergarten dahinter an. Der große Mast für ein Storchennest steht noch heute dort.

1969 übernahm Rolf Werner, Vater des heutigen Apothekers, das Haus und gestaltete es zwei Jahre später erneut vollständig um. Dabei kamen teilweise 80 Zentimeter dicke und mit Ziegelsteinen im Klosterformat errichtete Mauern zum Vorschein.

Unter anderem wurde die komplette Front des Hauses neu verklinkert und die Schaufenster bis auf den Boden gezogen. Doch die beiden durch eiserne Bögen mit dem Gebäude verbundenen Granitstelen zeugen weiter von vergangen Zeiten. Noch heute läuft jeder Besucher, der seine Medikamente am Markt 28 kauft, an den Initialen von Urban Pauls vorbei.

Hier geht es zum ersten Teil der Serie: „Die Zierde des Fleckens“ – Das Rathaus in Bredstedt.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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