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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:27 Uhr

Am 12. November : Aktionstag: Kastanienbäume retten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bundesweiter Aktionstag: Kastanien-Laub zusammenfegen, professionell entsorgen – und so der schädlichen Miniermotte den Garaus machen.

Der Herbst ist da, die Bäume werfen ihre Blätter ab. Auch die Rosskastanien. Deren herabfallendes Laub birgt allerdings eine gefährliche Fracht: die Puppen der Rosskastanien-Miniermotte. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) weist darauf hin, dass viele Kastanienbäume im Land durch die Fraßschäden dieser Motte stark in Mitleidenschaft gezogen sind. „Das eingewanderte Insekt verursacht die frühen Blatt-Färbungen und ließ diese schönen Bäume bereits im Sommer an vielen Orten vertrocknet erscheinen“, erklärt SDW-Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Mewes. Der Kleinschmetterling macht die Bäume krank – und sie dann zum leichten Opfer für tödliche Pilze und Bakterien.

Wie etwa in Schleswig, wo man sich besonders um die prächtige Kastanienallee auf Schloss Gottorf in Richtung Barockgarten sorgt. Dort stehen noch 56 der 120 Schleswiger Kastanien. Stadtwerke-Mitarbeiter Arne Kähler und Mathias Frahm entdeckten kürzlich erneut zwei kranke Kastanienbäume. Der Stamm sieht aus, als würden – laienhaft gesagt – dunkle Tränen aus seiner aufgebrochenen Rinde hervortreten. „Die Bäume müssen bald weg, bevor das morsch werdende Geäst zur Gefahr für Passanten wird“, so die Umwelt-Experten. In der Allee ist das aggressive Pseudomonas-Bakterium, das erstmals 2007 in Deutschland nachgewiesen wurde, am Werk. Es infiziert die Kastanienbäume und bereitet damit den Weg für den Befall mit holzzersetzenden Pilzen. Die führen dann das dramatische Ende der Kastanie herbei – ausgerechnet einer Baumart, die seit Jahrhunderten vor allem städtische Grünanlagen prägt.

Um diese Gefahr zumindest in Nordfriesland einzudämmen, rät SDW-Mann Mewes dazu, jetzt das natürliche Gleichgewicht positiv zu beeinflussen. „Die Puppen der letzten Generation aus dem Jahr 2016 überwintern im Laub“, führt er aus. Da die Rosskastanien-Miniermotte in Europa nicht heimisch sei, habe sie keine natürlichen Feinde. „Der Mensch kann sehr leicht helfen, die massenhafte Vermehrung zu verhindern.“

Wer den Kastanien also Gutes tun und sich im kommenden Sommer an grünen Bäumen bis in den Herbst hinein erfreuen will, sollte nun zum Laubbesen greifen und das Kastanien-Laub entfernen. Am zuverlässigsten ist dann, es bei einer professionellen Kompostierung anzuliefern, rät die SDW. Auch über die Biotonne sei die Entsorgung möglich. „Wegen der nicht ausreichend hohen Temperaturen ist die Kompostierung im heimischen Garten nicht ausreichend, um die Puppen abzutöten“, so Mewes. Alternativ könne das Laub auch verbrannt, mindestens 30 Zentimeter tief eingegraben oder einer Biogasanlage zugeführt werden. Die SDW ruft denn auch alle Kommunen dazu auf, sich am Sonnabend, 12. November, am bundesweiten Aktionstag „Rettet die Kastanien“ zu beteiligen. Denn je flächendeckender das Laub entfernt wird, desto durchschlagender ist der Erfolg.

Wie viele Bäume in Schleswig-Holstein betroffen sind, lässt sich laut Waldbau-Experte Jens-Birger Bosse von den Landesforsten nicht beziffern. „Ich rechne nicht mit einem apokalyptischen Szenario, wie einige es an die Wand malen. Aber trotzdem ist die Situation bedenklich“, sagt er. In Gefahr sind laut Bosse vor allem Bäume, die an „suboptimalen Standorten“ stehen. „Aus ökologischer Sicht könnte man sagen: Willkommen in der Wirklichkeit.“ Nur sehr starke Bäume können sich erfolgreich zur Wehr setzen. Der Forstexperte hofft, dass sich die Lage mittelfristig beruhigt und dann „auf niedrigem Niveau einpendelt“ – davon, dass Schleswig-Holstein komplett kastanienfrei wird, geht er nicht aus. „Es wird jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit weiter Verluste geben.“


Näheres: www.sdw.de/projekte/rettet-die-kastanie/

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erstellt am 14.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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