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Husumer Nachrichten

06. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Aus dem Husumer Amtsgericht : Aktendiebstahl: Maler verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Weil er sich mit seiner Anwältin überworfen hatte, soll ein 60-jähriger Nordfriese in ihre Kanzlei eingebrochen sein. Dort hinterließ er eine Blutspur.

Ein 60 Jahre alter Malermeister aus Nordfriesland ist vor dem Husumer Amtsgericht wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung und zur Zahlung von 1500 Euro an eine gemeinnützige Organisation verurteilt worden. Der Angeklagte, dessen Verteidiger das Mandat niedergelegt hatte, vertrat sich vor Gericht selbst und kündigte Berufung an, bevor überhaupt das Urteil gesprochen war.

Der vorbestrafte Mann hatte sich mit seiner früheren Rechtsanwältin überworfen, schuldete ihr noch 25 Euro und wollte aus deren Kanzlei Akten zurückhaben, die er ihr zuvor überlassen hatte. Diese Akten waren an einem Montag im Januar vor zwei Jahren nach einem Einbruch in die Husumer Anwaltskanzlei verschwunden, ebenso ein PC-Monitor.

In der Kanzlei fanden sich innen am eingeschlagenen Fenster und an einer Wand großflächige Blutspuren, die es laut Beweisaufnahme noch am Sonntagnachmittag zuvor nicht gegeben hatte. Damals wurde nicht umgehend überprüft, ob der sofort in Tatverdacht geratene Mann Schnittverletzungen hatte. Monate später kam ein Gutachten zu dem Ergebnis, dass die am Tatort sichergestellten Blutanhaftungen zu 99,99 Prozent von dem Angeklagten stammten. Diesen Beweis versuchte der Malermeister damit zu entkräften, dass man ihm „eins auswischen“ wolle, denn: „Ich habe in Husum viele Feinde.“ Der Angeklagte forderte deshalb ein Obergutachten, was das Gericht ablehnte.

Obwohl bereits seit zwei Jahren gegen den Angeklagten ermittelt worden war, benannte er erst im Prozess einen Zeugen, der bestätigen könne, dass er von Sonntag, 16 Uhr, bis Montag, 8 oder 9 Uhr, in Wobbenbüll gemeinsam mit dem Angeklagten die Ferienwohnung der geschiedenen Frau des Malermeisters renoviert habe. Das Gericht wollte diesen so spät benannten Zeugen zunächst sofort hören. Dazu kam es dann doch nicht, weil der Angeklagte angab, er kenne die Telefonnummer des Zeugen nicht, und es zudem das Gericht für unglaubwürdig hielt, dass solche Renovierungsarbeiten ununterbrochen und ausgerechnet von Sonntagnachmittag bis Montagvormittag stattgefunden hätten. Als Zeuge war in dem Prozess auch jener Glasermeister gehört worden, der die eingeschlagene Scheibe in der Kanzlei ersetzt hatte. Nach dessen Angaben hatte der Malermeister ihm Monate später gesagt, den Glasschaden in der Kanzlei habe er verursacht und deshalb habe er wissen wollen, wie teuer die Reparatur gewesen sei und ob bei der Reparatur Blutspuren aufgefallen seien.

Neben diesem Tatvorwurf, für den der Mann schlussendlich verurteilt wurde, ging es vor Gericht noch um zwei weitere Verfahren. Eines wurde allerdings sofort eingestellt, nachdem der einzige Zeuge lediglich drei Sätze gesagt hatte: Der Malermeister hatte im April vorigen Jahres auf einem Parkplatz vor dem Kurhaus Nordstrand einen großen Farbfleck mit einer Nitroverdünnung entfernt. Weil dabei mehrere Liter dieser Chemikalie ins Erdreich eingedrungen seien, wurde dem Angeklagten „vorsätzliche Bodenverunreinigung“ vorgeworfen. Nach Angaben des Zeugen war es an diesem Tag allerdings derart heiß, dass die Flüssigkeit, mit der der Angeklagte „herumgepanscht“ habe, „sofort verdampft“ sei. Da somit keine nennenswerte Flüssigkeitsmenge im Erdreich versickert sein konnte, konnte es aus Sicht des Gerichts keine vorsätzliche Bodenverunreinigung gegeben haben.

Auch bei dem dritten Vorwurf – Nötigung – wurde das Verfahren eingestellt. Der Malermeister aus Nordfriesland soll nach Renovierungsarbeiten in einer Ferienwohnung auf Nordstrand dem Eigentümer, dessen Angaben zufolge, den Wohnungsschlüssel nicht zurückgegeben haben. Damit habe der Angeklagte erreichen wollen, dass er für seine Malerarbeiten mehr Geld erhält. Der Auftrag war mündlich erteilt worden und offenbar gab es keine schriftliche Vereinbarung über die Höhe der Kosten.

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erstellt am 03.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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