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Husumer Nachrichten

29. September 2016 | 10:25 Uhr

Sammelplätze vor dem Aus : Ärger um den grünen Abfall

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vielen kommunalen Sammelplätzen für Grünabfälle droht das Aus. Grund ist eine Verordnung des Bundes, die mächtig für Ärger sorgt. Gefordert wird eine teure Aufbereitung des Materials.

„Das kann ja wohl nicht wahr sein!“, ertönt es lautstark aus dem „Drelsdörper Krog“, in dem sich die Mitglieder des nordfriesischen Gemeindetages zusammengefunden haben. Fast alle der rund 60 Anwesenden schütteln verständnislos den Kopf. Grund für diese Reaktion ist eine (nicht ganz neue) Bestimmung des Bundes, die nun auch in Nordfriesland greifen soll: die novellierte Bioabfallverordnung von 2012.

Deren Umsetzung hätte weitreichende Konsequenzen für alle Gemeinden, die ihren Bürgern Sammelstellen zur Verfügung stellen, auf denen Grünabfälle wie Schnittgut entsorgt werden können. Das wird dann gehäckselt und zur Düngung auf land- und forstwirtschaftliche Flächen ausgebracht. Wollen die Kommunen ihre Kompostplätze weiter betreiben, müssen sie diese laut Verordnung komplett umstrukturieren. Sie müssen dann nicht nur zum Schutz vor Sickerwasser befestigt und mit Zäunen vor illegaler Entsorgung geschützt, sondern auch von Mitarbeitern betreut werden, die kontrollieren und dokumentieren. Hinzu kommt, dass die Grünabfälle thermisch aufbereitet werden sollen. Werden sie zuvor nicht in einem festen Behälter auf eine Temperatur von rund 70 Grad erhitzt, dürfen sie nicht mehr auf die Felder. Eine Herausforderung, denn meist lagert der Kompost über mehrere Tage. Mit dieser Maßnahme sollen vor allem giftige Pflanzen wie das Jacobskreuzkraut oder Ambrosia unschädlich gemacht werden. Aktionen wie diese sind nicht nur aufwendig, sondern auch teuer.

„Das stößt bei uns auf Unverständnis“, erklärt Gemeindetags-Vorsitzender Hans-Jakob Paulsen. „Ich denke, dass dann viele Gemeinden ihre Plätze schließen“, fügt er hinzu und wirft einen Blick auf Burkhard Jansen, der beim Kreis für den Fachbereich Umwelt zuständig ist. „Das ist nicht unsere Verordnung“, erwidert dieser. „Wir sind als untere Abfallbehörde jedoch weisungsgebunden.“ Auch der Kreis halte sehr wenig von der Neuerung und habe seinen Unmut bereits gegenüber dem Land geäußert, so Jansen. Er ist fest davon überzeugt, dass sich in den kommenden Monaten auch die Ausschüsse mit dem Thema auseinandersetzen.

Paulsen kann die Aufregung um das Jacobskreuzkraut nicht nachvollziehen. „Bislang hatten wir eine gut funktionierende Praxis, um mit den Grünabfällen umzugehen. Und es ist ja nicht so, dass das Zeug hier in riesigen Mengen auf den Feldern wuchert. Ich sehe da überhaupt keine Probleme“, erklärt er. Im Gegenteil – die Verordnung schaffe welche. Wird sie umgesetzt, haben die Gemeinden kaum noch die Möglichkeit, die Entsorgung kostenfrei anzubieten. Das könnte zur Folge haben, dass die sogenannte Wildentladung in Straßengräben und Waldstücken deutlich zunimmt. „Und das kommt dann auf den Kreis zurück“, wirft jemand aus dem Gremium ein. „Ja, ich glaube auch, dass das passiert“, sagt Heinz Maurus. „Und das ist erst der Anfang, denn es gibt ja auch eine neue Düngemittelverordnung.“ Dem Kreispräsidenten zufolge seien nun die Verbände gefordert, tätig zu werden.

Doch warum wird die Debatte um die Verordnung erst jetzt in Nordfriesland losgetreten? „Das kann daran liegen, dass die Hinweise zum Vollzug erst 2014 von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe erarbeitet wurden“, vermutet Jansen. Darauf kam das Land auf die Landkreise zu und habe eine Bestandsaufnahme gefordert. So startete der Kreis Nordfriesland eine Umfrage unter den Gemeinden. Geantwortet habe allerdings nicht einmal die Hälfte der insgesamt 130 Kommunen. Wieviele Sammelstellen es im Kreis überhaupt gibt, kann Jansen nicht beziffern. Doch von den Gemeinden, die sich zurückgemeldet haben, stellen allein 19 Kompostplätze zur Verfügung.

Wann Nägel mit Köpfen gemacht werden, ist unklar. „Eigentlich ja schon 2012“, sagt Jansen lächelnd auf Anfrage unserer Zeitung. Er gehe davon aus, dass es nun auf 2017 hinausläuft. „Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass Nordfriesland damit steht und fällt. Wir haben mit Sicherheit größere Probleme, als das zu betreuen.“

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erstellt am 15.Sep.2016 | 15:30 Uhr

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