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Husumer Nachrichten

26. März 2017 | 09:30 Uhr

Marodes Gotteshaus : Achtung Baustelle

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schwamm, Rost und Mauerschäden haben der Christophoruskirche in Friedrichstadt zugesetzt. Die Sanierung wird Monate dauern.

Orgel und Kanzel sind verpackt, die Kirchenbänke beiseite geräumt, Bilder und Gestühl haben Baugerüsten, Stützbalken und Farbeimern Platz gemacht. Wo sonst Gottes Wort gepredigt wird, geben jetzt Handwerker den Ton an: Die Christophoruskirche in Friedrichstadt ist Großbaustelle.

Hausschwamm, rostende Maueranker, massive Feuchtigkeitsschäden im Gebälk und Wasserblasen im Mauerwerk haben dem ältesten Sakralbau der Grachtenstadt schwere Schäden zugefügt. Zwar sind an der nach niederländischem Vorbild in den Jahren 1643 bis 1649 errichteten Saalkirche wiederholt Renovierungsarbeiten vorgenommen worden. Doch immer wieder gab es böse Überraschungen. So erfüllte sich die Hoffnung der Sanierungsplaner nicht, die Arbeiten an der Kirchendecke vom Dachboden aus bewerkstelligen zu können.

„Ohne Abstützungen im Kirchenschiff geht es nicht“, erklärt Pastor Christoph Sassenhagen: „Manche Balkenköpfe sind so marode, dass sie bis zu eineinhalb Meter hinein ins Kirchenschiff abgeschnitten und ersetzt werden müssen.“ Dazu ist auch die Entfernung der Balkenverkleidungen und Verzierungen notwendig. Auf dem Dachboden werden die Sanierungsarbeiten durch Altlasten aus den 1970er-Jahren erschwert: „Damals kamen dort giftige Holzschutzmittel gegen Insektenbefall zum Einsatz“, sagt Steffen Meißner von der Zimmerei Wrobel aus Jübek: „Ohne Maske und Schutzanzug können wir dort nicht arbeiten.“ Das Kirchenschiff sei zum Glück nicht betroffen.

Geschätzte Kosten für die Sanierungsmaßnahmen: 120.000 Euro. Den Löwenanteil trägt der Kirchenkreis Nordfriesland, der die Decken- und Dachstuhlsanierung der Christophoruskirche als Notfall eingestuft hat. 20.000 Euro kommen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 10.000 Euro von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa). Von den 10.000 Euro Eigenanteil, den die Gemeinde durch Spenden aufbringen muss, ist bisher die Hälfte zusammengekommen. „Aber jeder Euro hilft“, ist Sassenhagen zuversichtlich und hofft, dass es bei diesem ersten Bauabschnitt bleibt. Seine Vision: „Wenn sich die Baufortschritte finanzieren lassen und entsprechend den Plänen durchgeführt werden können, haben wir bis zum Jahresende 2018 eine vollständig sanierte Kirche.“ Schon für den Kirchenbasar zur „Grachten-Weihnacht“ im Advent soll zumindest das Kirchenschiff wieder nutzbar sein.

Bis dahin ist noch viel zu tun. „Fußpfetten, Sparrenfüße und Sparrenköpfe der Dachkonstruktion sind rott“, listet Steffen Meißner fachmännisch auf. Soll heißen? „Alles, was faul und morsch an den Holzbalken ist, muss erneuert werden“, erklärt der Zimmerer. Und das geht nicht ohne Abstützungen und Baugerüste. Unterdessen kümmert sich Arne Prohn von der Schmiede Almdorf um die Maueranker, die als statische Verbindung zwischen Balkenlagen und Mauerwerk dienen und verrostet, das heißt funktionslos, sind: „Sie müssen aufgearbeitet und teilweise nach historischem Vorbild neu ersetzt werden“, führt er aus. Rund 40 Maueranker wird Prohn austauschen.

Nach der Sanierung der Mauern im Ostchor und der Sicherung des Dachstuhls müssen im Kirchenschiff die Verkleidungen der Trägerbalken wieder hergestellt werden. Abschließend wird der Verputz angepasst und die Bemalung erneuert. Und auch das wertvolle Altargemälde von Rembrandt-Schüler Jürgen Ovens wartet noch auf seine Restaurierung. „Danach können wir wieder Gottesdienst in unserer schönen Kirche feiern“, freut sich Sassenhagen und ist dankbar, dass die mit 1400 Mitgliedern größte Glaubensgemeinschaft im Holländerstädtchen fest zur ihrer Kirche steht: „Die Bereitschaft, das alles zu tragen, ist groß.“ Ihm sei schon das Herz schwer, über Wochen und Monate auf das Gotteshaus verzichten zu müssen: „Aber wir rücken zusammen in dieser Situation.“



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