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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 00:55 Uhr

Kriminalität in Husum : Abzocke am Geldautomaten?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Husumer erstattet Anzeige wegen Diebstahls und ärgert sich, dass das anschließende Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird.

Es gibt Abzock-Maschen, auf die würde der Durchschnittsbürger gar nicht kommen: So wie die, von der ein 70-jähriger Husumer glaubt, dass sie ihm im vergangenen Januar widerfahren ist. Ihn ärgert im Nachhinein weniger der Schaden von 50 Euro, der ihm dadurch entstanden ist, als das Verhalten der Staatsanwaltschaft.

Aber von Anfang an: Der Mann, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, wollte an einem Geldautomaten im Osterende 50 Euro abheben. In dem Moment, als er auf die Auszahlung des Scheines wartete und der Automat noch ratterte, hörte er draußen vor der Bankfiliale einen lauten Schrei. Er nahm seine Bankkarte und ging nachsehen – doch auf der Straße war niemand in Not. Als er zum Bankautomaten zurückkehrte, stand dort eine Frau, das Geld war weg. „Ich war mir natürlich nicht sicher, ob sie es nun eingesteckt hat, oder ob der Automat es wieder eingezogen hat“, erklärt der Pensionär.

Beim Blick auf seinen Kontostand stellte sich dann heraus, dass Ersteres der Fall war. Er teilte seinem Geldinstitut den Sachverhalt mit, man riet ihm zur Anzeige. Außerdem erfuhr er, dass die Frau anschließend ihre eigene Bankkarte am videoüberwachten Automaten genutzt hatte, der Bank war ihre Identität also bekannt. Mitteilen kann sie diese dem Geschädigten aber nicht, sondern nur der Polizei.

Letztere fragte bei dem Kreditinstitut allerdings offenbar gar nicht nach. So zumindest deutet der Husumer ein Schreiben, das er zwei Monate später von der Staatsanwaltschaft Flensburg erhielt. Inhalt: Das Verfahren sei eingestellt worden, man habe keinen Täter ermitteln können. „Weitere Nachforschungen versprechen zurzeit keinen Erfolg.“ Angesichts der Videoüberwachung und der Auskunft seines Kreditinstitutes überraschte diese Auskunft den Geschädigten: „Man hat den Eindruck, der Staat verabschiedet sich langsam.“ Es gehe ihm nicht um die 50 Euro, er habe angesichts des Stellenabbaus bei der Polizei auch durchaus Verständnis dafür, dass man sich dort nicht um alles kümmern könne, betont er, aber ein bisschen mehr Engagement in seiner Sache hätte er sich doch gewünscht. Er legte also Beschwerde gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ein.

Daraufhin bekam er im August ein weiteres Schreiben der Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren eingestellt worden sei, weil die Schuld der Täterin als gering anzusehen wäre, sie nicht vorbestraft sei und der „Gang des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens“ als Warnung ausreiche. Der Husumer wertet dies als laxen Umgang mit Straftätern.

Der Flensburger Oberstaatsanwalt Staatsanwalt Rüdiger Meienburg dagegen kann am Verlauf des Verfahrens nichts Ungewöhnliches erkennen: Dass ein Verfahren nach Paragraf 153 aufgrund von Geringfügigkeit eingestellt werde, sei in diesem Fall, soweit er ihn kenne, nachvollziehbar. Offenbar aber geht man bei der Staatsanwaltschaft auch davon aus, dass der Diebstahl keine geplante Abzock-Masche gewesen ist, sondern die Frau spontan eine günstige Situation am verlassenen Geldautomaten genutzt habe. Wäre nachgewiesen worden, dass es sich um Trickdiebstahl handelt, die Frau also mit einem Komplizen den Ablauf geplant hätte, wäre das Verfahren wohl nicht eingestellt worden, so Meienburg. Auf Nachfrage der Husumer Nachrichten erklärte eine Sprecherin, der Kripo Niebüll und der Kripo Husum seien keine Fälle einer derartigen Abzock-Masche im Verlauf des zurückliegenden Jahres in Erinnerung.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 06:30 Uhr

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