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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 16:43 Uhr

Nach Umzug von Rantrum nach Witzwort : Abgeschnitten von der Welt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Ehepaar kann seinen Telefon- und Internet-Anschluss nicht ummelden – und der Anbieter ist nicht erreichbar. Über die Hotline gibt es keinen Anschluss, der lokale Shop kann nicht helfen.

Es ist kein guter Kunden-Service, den Dirk und Angelika Bergeest beim Mobilfunkanbieter O2 erfahren: Das Ehepaar, das vor vier Wochen von Rantrum nach Witzwort umgezogen ist und dort einen kleinen Hofladen namens „Zum Schafstall“ eröffnet hat, sitzt seitdem ohne Festnetz- und Internetverbindung im neuen Domizil. Nur das Handy funktioniert noch.

„Wir sind im Februar nach 15-jährigem Aufenthalt in Frankreich zurück nach Deutschland gekommen und haben in Rantrum mit O2 einen Vertrag geschlossen. Doch die Umstellung nach Witzwort funktioniert nicht“, klagt Angelika Bergeest. Im Husumer O2-Shop in der Großstraße sei dem Rentner-Ehepaar beschieden worden, dass eine solche Ummeldung nur per Internet möglich sei und man da leider nicht helfen könne, so die 63-Jährige. Sie und ihr 72-jähriger Mann hätten das ja auch versucht. „Aber es klappte nicht – und Hilfe gab es keine, denn über die Kunden-Hotline war niemand erreichbar.“ 45 Minuten Wartezeit seien ihr in der Hotline angekündigt worden. „Ich habe das Telefon auf laut gestellt und neben mich gelegt – und bin nach 45 Minuten aus der Leitung geworfen worden“, sagt sie erbost.

Auch danach habe es keine Hilfe vom O2- Shop gegeben. Sie seien nicht die einzigen mit derartigen Problemen bei ihrem neuerlichen Besuch dort gewesen. „Aber da schien schon eine Abwehrhaltung zu bestehen – jedenfalls wurde uns in keiner Weise zur Seite gestanden.“ Was wohl nicht zuletzt daran gelegen haben dürfte, dass die Mitarbeiter im Shop nach eigenen Angaben „genau die selben Probleme mit den überlasteten Leitungen hätten, wie uns gesagt wurde“.

Vom O2-Shop in Husum war denn auch keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten. Stattdessen wurde auf die Presse-Abteilung des Mutterkonzerns Telefonica Deutschland verwiesen, der mit diesem Problem schon lange kämpft. „Aufgrund eines erhöhten Rückfrage- und Informationsbedarfs“ könne es im Zuge der Integration von Telefonica Deutschland und E-Plus zu längeren Wartezeiten kommen, hatte ein Telefonica-Sprecher schon vor Wochen gesagt. 2014 waren beide Unternehmen fusioniert und O2 so zum größten Mobilfunkanbieter Deutschlands geworden. Allerdings scheint die Überführung von E-Plus- und Base-Kunden sowie der Zusammenschluss der Netze den Konzern vor große Schwierigkeiten zu stellen – so groß, dass sich im Oktober sogar die Bundesnetzagentur zur Prüfung der Angelegenheit genötigt sah.

„Es gibt aber keinen Rechtsanspruch auf eine Hotline, das Angebot der schriftlichen Kommunikation zur Unterstützung der Kunden reicht aus“, so deren Pressesprecher Michael Reifenberg. Jedoch helfe die Bundesnetzagentur auf Anfrage in jedem Einzelfall, berate und betreue bei Anschluss- und Rechnungsproblemen bis hin zum Anbieterwechsel. „Wir haben derzeit aber so viele Anfragen, dass wir die nur langsam abarbeiten können.“

Das wäre wohl auch der letzte Rettungsanker für Dirk und Angelika Bergeest. „Wir brauchen doch Festnetz und Internet für unser Geschäft.“ Das Ehepaar hat den kleinen Laden zur Beschäftigung im Ruhestand aufgemacht und verkauft dort unter anderem Schafswolle-Produkte, antikes Geschirr, selbst gemachte Marmelade und Gemüse vom Bio-Bauern. Wobei die beiden neben dem Telefon-Horror noch weiteres Pech hatten: „In der Nacht zu Sonntag sind unsere neben der Straße angebrachten Werbeschilder und der Fahrradständer abmontiert und gestohlen worden“, sagt Angelika Bergeest traurig. Derzeit steht der „Schafstall“ unter keinem guten Stern.“

Der Verbraucher-Service der Bundesnetzagentur ist unter Telefon 030/22480500 zu erreichen. Auf der Internet-Seite www.bundesnetzagentur.de gibt es zudem ein Kontaktformular für Probleme im Bereich der Telekommunikation.

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