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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 13:07 Uhr

Vor 15 Jahren : 9/11/01 – Der Tag, an dem die Welt stillstand

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

15 Jahre danach erinnert sich Oberstabsfeldwebel Johann Sievers an die Anschläge auf das World Trade Center. Der Husumer lebte damals mit seiner Familie in den Vereinigten Staaten.

Es ist 15 Jahre her: Am 11. September 2001 erschütterten vier Selbstmord-Anschläge in den USA mit entführten Verkehrsflugzeugen auf wichtige zivile und militärische Gebäude die Welt. El-Kaida-Terroristen lenkten zwei Jets in die Türme des World Trade Centers (WTC) in New York City und eines in das Pentagon in Arlington im Bundesstaat Virginia. Das vierte Flugzeug, das wahrscheinlich ein Regierungsgebäude in Washington, D.C., treffen sollte, stürzte nach Kämpfen zwischen Passagieren und Entführern bei Shanksville / Pennsylvania ab. Der Terror kostete insgesamt 3000 Menschenleben.

Wie beim Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy 38 Jahre zuvor weiß wohl jeder, der diesen Tag bewusst erlebt hat, wo er war und wie er sich bei diesen Nachrichten gefühlt hat. Wie zum Beispiel Johann Sievers.

Der heute 50-jährige Oberstabsfeldwebel vom Flugabwehrraketengeschwader 1 lebte damals mit seiner Frau und dem fünfjährigen Sohn in den USA und war Ausbilder in der Raketenschule der Luftwaffe in Fort Bliss  /  Texas. „Als die erste Meldung vormittags im Radio kam, wusste ja noch niemand, ob es sich um einen Unfall oder Anschlag handelt“, erzählt er. Als sich aber herauskristallisiert habe, dass es Selbstmordattentate waren, reagierte der Hausherr in Fort Bliss, die US Army: „Die Kaserne wurde komplett abgeriegelt, keiner kam mehr raus oder rein“, so Sievers. „Es gab auch keine Telefonverbindung mehr nach außerhalb, nicht in die Stadt zur Familie und schon gar nicht nach Deutschland.“

Auch sein kleiner Sohn sei sofort aus dem Kindergarten nach Hause geschickt worden. „Meine Frau musste ihn dort abholen“, sagt Sievers.

Auf dem Flughafen von El Paso, der in Sichtweite der Kaserne lag, sei ein Airliner nach dem anderen gelandet: „Der gesamte zivile Flugverkehr wurde ja sofort an den Boden gebracht.“ Erst am späten Nachmittag habe man wieder mit den Angehörigen telefonieren können und am Abend sei auch die Abriegelung der Kaserne aufgehoben worden. Aber die Straßen der Stadt seien menschenleer gewesen: „Alle saßen vor ihren Fernsehgeräten.“ Die Amerikaner seien in eine Art Schockstarre verfallen, erinnert sich Sievers. „Die konnten gar nicht verarbeiten, dass sie auf ihrem eigenen Territorium angegriffen worden waren. Die Welt hatte sich verändert.“

Auch die deutschen Soldaten in der Raketenschule verbrachten den Tag vor dem Fernseher. „Die Ausbildung wurde sofort eingestellt.“ Am nächsten Tag sei der Schulbetrieb allerdings wieder aufgenommen worden. „Aber die Absicherung der Kaserne wurde von den Amerikanern massiv verschärft.“

„Wo waren Sie, als die Türme fielen?“

 

Vor dem Radio oder Fernseher, beim Training, im Garten oder bei der Arbeit – die Nachricht vom Anschlag auf das World Trade Center hat die Menschen überall erreicht. Die Husumer Nachrichten haben Einheimische und Urlauber nach ihren Erinnerungen an den 11. September 2001 gefragt.

Der Tag war so einschneidend, dass ihn selbst Menschen, die damals noch im Kindesalter waren, präsent haben. Wie die heute 25-jährige Jamila Marheinecke aus Hamburg: „Damals war ich gerade mal zehn Jahre alt. Ich war mit einer Freundin bei meiner Patentante zu Hause. Wir saßen am Küchentisch und haben gemalt. Dabei lief das Radio. Meine Patentante war total schockiert von der Nachricht. Ich erinnere mich, wie meine Mutter früher von der Arbeit nach Hause kam und aufgebracht war. Wir Kinder haben das Ganze nicht verstanden. Wir fanden die Vorstellung sogar lustig, dass ein Pilot so blöd ist und in ein Hochhaus fliegt.“

Auch für die Erwachsenen waren die Bilder von den brennenden und einbrechenden Zwillingstürmen kaum zu fassen. Dr. Helmut Edelmann, Vorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Husum, war ein Jahr zuvor noch in New York auf dem World Trade Center gewesen. Am Tag des Anschlags kam der 66-Jährige von der Arbeit nach Hause. „Meine Frau zeigte nur auf den Fernseher und wir saßen stundenlang sprachlos davor“, erinnert sich der damalige nordfriesische Propst. „Man sah diese großen Staubwolken sich wie Walzen durch die Straßen und Avenues vorarbeiten. Panisches Geschrei der Menschen, sich aus den Gebäuden herabstürzende Leute. Dann das Warten, bis alles in sich zusammenbrach und die nicht bekannte Zahl der vielen Tausend Menschen unter sich begrub.“

Den heute 39-jährigen Tobias Thorbeck aus Elmshorn holte das Ereignis beim Sport ein. „Ich war beim Kung-Fu-Training in Schwerin. Wir hatten ein kleines Radio, das nebenher lief. Mein Meister kam schließlich in die Halle und sagte: Habt ihr das gehört? Jetzt gibt es bestimmt Krieg!“

Seine Mutter Brigitte Thorbeck hatte damals Urlaub. „Wir waren nachmittags im Garten am Werkeln. Ein Nachbar kam schließlich zu uns: Ihr habt vielleicht Humor! Die Welt geht unter und Ihr seid bei der Gartenarbeit. Daraufhin haben wir uns vor den Fernseher gesetzt und diese schrecklichen Bilder gesehen. Vom Sofa sind wir an diesem Tag nicht mehr weggekommen.“

Der Husumer Marcus Veit hat als Hörgeräte-Akustiker einen Job, bei dem er tagsüber weder etwas von der Umwelt sieht noch hört. „Ich habe von dem Ereignis erst erfahren, als ein Kollege hereinkam. Wir haben dann gemeinsam im Internet recherchiert, um mehr Informationen zu bekommen. Da war etwas passiert, das gar nicht passieren konnte – einfach unvorstellbar.“


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erstellt am 11.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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