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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Post vom Kreis Nordfriesland : 50 Friedrichstädter zur Pflichtfeuerwehr einberufen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die „Einberufungen“ kamen mit Boten des Amtes Nordsee-Treene. Viele Bürger bedauern diesen Schritt.

50 Bürger in Friedrichstadt haben seit gestern (22. April) die Verpflichtungserklärungen für die „Einberufung“ zur Pflichtfeuerwehr auf dem Tisch - zugestellt durch Boten des Amtes Nordsee-Treene im Auftrag des Kreises Nordfriesland. „Das funktionierte ähnlich wie die Zustellung eines Dokuments durch die Post mit Empfangsbestätigung“, erklärte Sandra Rohde vom Amt. Vorrangig sollten wohl ehemals aktive Wehrmitglieder gewählt werden, die noch nicht das 50. Lebensjahr erreicht haben.

Feuerwehren klagen immer wieder über eine mangelnde Teilnahme. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Es wohnen immer weniger junge Menschen in ländlichen Räumen - bedingt durch den demografischen Wandel und die Arbeitsplatzsituation. In Burg und List gibt es bereits Pflichtwehren.

Bereits im November 2014 stand es schlecht um die Stadtfeuerwehr. Damals gab es nur noch 28 Aktive statt der nach dem Feuerwehrbedarfsplan vorgesehenen 53 Brandbekämpfer. Um die geforderte Mannschaftsstärke in Friedrichstadt zu erreichen, hatte die Stadt damals 800 Bürger im Alter zwischen 20 und 50 Jahren angeschrieben, denn diese Altersgruppe kommt für den Dienst in der Feuerwehr in Betracht. Zusätzlich wurde zur Mitgliederwerbung ein Tag der offenen Tür veranstaltet.

Über die Einführung einer Pflichtfeuerwehr ist Bürgermeister Eggert Vogt nicht glücklich, denn damit ist die Stadt nicht mehr Herr der Feuerwehr – sondern der Kreis. „Das ist das Letzte, was ich mir in meiner Amtszeit gewünscht habe“, sagt er. Allerdings bleibt die Stadt auf zusätzlichen Kosten sitzen. Die klamme Stadtkasse muss nämlich für die Zwangsrekrutierten für jeden Einsatz und Übungsabend einen Obolus entrichten.

Nicht alle Neumitglieder verfügen über Erfahrungen in der Brandbekämpfung. Sie müssen zunächst die sogenannte Truppmann-Ausbildung durchlaufen. Die dafür erforderlichen Übungsabende enthalten theoretische und praktische Teile und erstrecken sich über mehrere Wochen. Den Brandschutz in Friedrichstadt garantieren jetzt die Freiwilligen Feuerwehren aus Koldenbüttel, Seeth und Drage, die ohnehin einem engen Verbund mit der Friedrichstädter Stadtwehr zusammen gearbeitet haben.

Auf dem gestrigen Wochenmarkt fingen die Husumer Nachrichten die Stimmen einiger Bürger zum Thema Pflichtfeuerwehr ein, doch viele Bürger wollten sich nicht äußern, da sie in irgendeiner Form mit der Feuerwehr verbunden sind. „Ja, ich habe darüber in der Zeitung gelesen“, sagt Wolfgang Dorendorf aus Koldenbüttel, der mit seinem Fahrrad zum Wochenmarkt nach Friedrichstadt gekommen ist. „Unsere Feuerwehr ist ja nun eine der besten in der ganzen Region. Ich verstehe nicht, warum die Friedrichstädter das nicht auf die Reihe bringen. Da muss man doch auch mal über seinen Schatten springen und sich zusammenraufen. Es ist traurig, dass es zur Einführung einer Pflichtwehr kommen musste“, sagt Dorendorf. Gleichzeitig weist er daraufhin, dass es ja schon seit langem in der Friedrichstädter Feuerwehr gärt.

Obwohl der Stadtfeuerwehr mittlerweile die Anerkennung durch den Kreis entzogen wurde, macht sich Lore Christians keine Sorgen um ihre Sicherheit. „Wenn es brennt, dann kommen ja die Nachbarwehren, und die sind fast genauso schnell vor Ort. Ich bin da ganz ruhig“, sagt Lore Christians. Sie findet es bedauerlich, dass es soweit hat kommen müssen. „Die Gründe kenne ich nicht, aber schade ist das“, sagt sie. „Die Zwangsverpflichteten werden bestimmt schnell merken, dass die Feuerwehr ganz toll ist, denn es gibt dort ja auch eine gute Kameradschaft.“

Yvonne Mohr findet die Einführung der Pflichtfeuerwehr in Ordnung, damit der Brandschutz gesichert ist. Allerdings würde sie nicht verstehen, wenn sie oder ihr Mann davon betroffen sein würden, „denn wir sind beide berufstätig. Wir haben in der Stadt doch genug Unterstützungsempfänger, die sollte man zuerst heranziehen“, sagt sie.

„Das ist doch ein Armutszeugnis“, ist der Kommentar von Hermann Woltering. „Bei Frauen nennt man das glaube ich Stutenbeißerei. Da muss es doch Lösungen geben. Was genau vorgefallen ist, weiß ich nicht, aber es ist schon traurig. In den Gemeinden rundherum klappt es doch auch mit der Feuerwehr, nur hier in Friedrichstadt nicht. Das scheint mir aber typisch zu sein“, unterstreicht Woltering. Sorgen um die Sicherheit macht er sich nicht, obwohl es bereits einmal bei ihm persönlich und zweimal in der Nachbarschaft gebrannt hat.

Ingrid Michaelsen hält die Feuerwehr für eine ganz wichtige Einrichtung und findet die Entwicklung „traurig“. Allerdings glaubt sie daran, dass sich das auch wieder normalisieren wird. „Es sind wohl zu viele Querelen, da muss einfach eine Lösung gefunden werden. Ich weiß ja nicht, was sich wirklich ereignet hat, aber alle sollten jetzt nach einer Lösung suchen“, sagt sie.

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erstellt am 23.Apr.2016 | 08:00 Uhr

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