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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 01:13 Uhr

Bombendrohung in Niebüll : „16 Uhr, Bombe!“: Diese Drohung schreckte Nordfriesland auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach einer telefonischen Drohung wurden die Filialen der VR Bank Niebüll von der Polizei abgeriegelt. Erst Stunden später gab es Entwarnung.

Niebüll | Zuerst ist es nur ein Gerücht: „Bombendrohung bei der VR Bank!“ Mitarbeiter sollen aus einer Filiale geholt worden sein. Tatsächlich wirkt am Freitag kurz nach 15 Uhr noch alles normal vor dem Hauptsitz der VR Bank Niebüll in der Hauptstraße. Nur ein hastig mit Klebestreifen am Eingang der Filiale befestigtes A4-Blatt weist darauf hin, dass etwas nicht stimmt: „Liebe Mitglieder und Kunden, aufgrund technischer Probleme bleibt diese Geschäftsstelle bis auf weiteres geschlossen!“ Zwei Männer stehen vor der Bank und schicken Kunden weg: „Tut mir leid, wir haben geschlossen.“

Ein Schild am Eingang der Niebüller Bank spricht von „technischen Problemen“.

Ein Schild am Eingang der Niebüller Bank spricht von „technischen Problemen“.

Foto: Lars Friedrich
 

Auf dem Parkplatz der Bank treffen unterdessen immer mehr zivile Fahrzeuge mit Blaulicht, Polizei-, Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeuge ein. Nach und nach werden die umliegenden Straßen von Polizisten abgeriegelt. Autofahrer werden aufgefordert, zu wenden. „Ich wollte nur schnell zur Bank“, sagt einer. „Da kommen Sie jetzt eh nicht rein“, antwortet ein Polizist mit umgehängter Maschinenpistole. – „Ich brauch aber Geld.“ – „Das brauchen wir alle.“ Die Polizisten sind freundlich, aber bestimmt. Kein Zivilist kommt mehr in die Nähe der Bank. Auch Fußgänger müssen umdrehen.

Ein Polizist sperrt die Straße ab.
Ein Polizist sperrt die Straße ab. Foto: Lars Friedrich
 

„Wir hatten einen Stadtbummel geplant“, sagt Michael Schröder. Er komme aus Bayern und sei gerade mit seiner Frau in Niebüll im Urlaub, erklärt er weiter. „Auf der Messe waren wir schon, also probieren wir es jetzt mal von der anderen Seite, um noch ein bisschen was von der Innenstadt zu sehen.“

Auch Lars Höntze steht vor einer Absperrung. Der Niebüller wollte eigentlich mit seiner Tochter und deren Freundin ins Kino, das direkt neben der Bank liegt. „Den Film werden wir verpassen“, sagt Höntze. Dafür geht es an der Absperrung fast wie auf der Leinwand zu. Leute und Fahrzeuge treffen ein und werden angehalten. Nur ein großer Polizeiwagen darf durch.

Passanten beobachten den Einsatz.
Passanten beobachten den Einsatz. Foto: Lars Friedrich
 

Unterdessen teilt die Polizei mit, dass auch die anderen Geschäftsstellen der Bank von der Bombendrohung betroffen sind. Alle 13 Filialen in Nordfriesland wurden abgeriegelt. Betroffen waren die Banken in Achtrup, Bordelum, Bredstedt, Breklum, Drelsdorf, Joldelund, Ladelund, Langenhorn, Leck, Neukirchen, Niebüll, Risum-Lindholm und Süderlügum. Die Bombendrohung erreichte die Niebüller Filiale telefonisch mit den Worten: „16 Uhr, Bombe!“

Davon wissen die meisten Menschen in der Innenstadt zu diesem Zeitpunkt noch nichts. „Technische Störung“, antworten Polizisten jedem, der fragt, was los sei. Die Menschen bleiben ruhig. Nur wenige bleiben an den Absperrungen stehen. „An sich ist alles ruhig“, sagt ein Polizist an der Böhmerstraße, die vom ZOB zur VR Bank führt. „Einige motzen natürlich“, aber die Mehrheit reagiere verständnisvoll.

Eine Querstraße weiter, im Westersteig, sitzt der Hospizverein. Direkt davor stehen zwei Polizisten und riegeln ebenfalls den Zugang zur Böhmerstraße ab. Natürlich sei auch jemand aus dem Hospiz gekommen und habe besorgt gefragt, ob das Gebäude evakuiert werden müsse. „Aber da konnten wir beruhigen“, sagt ein Polizist, während bei seinem Kollegen das Telefon klingelt. „Oh, da muss ich rangehen. Das ist meine Frau, das erkenne ich am Klingelton.“ Noch während der Polizist mit seiner Frau spricht, kommt der erlösende Funkspruch: Um 16.15 Uhr werden die Straßensperrungen aufgehoben.

Als um 16.25 Uhr noch ein Sprengstoffspürhund in die Filiale geschickt wird, läuft draußen Lars Höntze mit seiner Tochter und deren Freundin vorbei. „Jetzt müssen wir erst mal zu einer anderen Bank. Ich habe kein Geld.“ 18 Uhr wolle er dann wieder am Kino sein – um wenigstens den nächsten Filmstart zu erwischen. Die Chancen dafür stehen gut: Gegen 17.10 Uhr gibt die Polizei offiziell Entwarnung.

<p>Ein Spürhund sucht in der Bank nach Sprengstoff.</p>

Ein Spürhund sucht in der Bank nach Sprengstoff.

Foto: Lars Friedrich
 

Erleichtert reagierte man auch auf der Niebüll-Messe, die am Mittag eröffnet worden war und auf der neben mehr als hundert weiteren Ausstellern auch die VR Bank vertreten ist. „Wir haben Krisensitzungen mit Leuten von der Bank und der Polizei abgehalten“, sagte Carsten Kock, bekannt vom Radiosender R.SH und Mitglied im Messe-Team, nach der Entwarnung. „Dann haben wir auch noch eine allein stehende schwarze Tasche auf dem Messe-Gelände gesehen.“ Diese habe sich aber als harmlos entpuppt. Die Polizei habe zudem signalisiert, dass die Messe von der Drohung wahrscheinlich nicht betroffen sei. „Die Drohung richtete sich wohl gegen ein Bankgebäude. Es gab bei uns eine hohe Empfindlichkeit zum Schutz der Leute, aber wir wollten natürlich keine Panik erzeugen. Die Messe geht jetzt normal weiter“, sagte Kock, der am Abend die Aussteller über den Stand informieren wollte.

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erstellt am 21.Okt.2016 | 19:35 Uhr

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