zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 01:36 Uhr

Professor vergass sein Konzert : Zwei Schüler vertraten ihren Meister trefflich

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwei junge Italiener spielten Sonaten von Brahms und Beethoven in der Großenasper Katharinenkirche.

Grossenaspe | Wo bleibt er? Kommt er? Und was wird er spielen? Am Sonnabendnachmittag hatte sich Professor Niklas Schmidt mit Meisterschülern aus seiner International Summer School in der Großenasper Katharinenkirche angekündigt. Im Rahmen der Konzertreihe Klassik in Großenaspe sollte er hier sein Cello erklingen lassen. Noch zehn Minuten vor Konzertbeginn, die Kirche war mit 75 Besuchern gut besetzt, war kein Musiker in Sicht.

Draußen vor dem Eingang sah man Rosemarie von Kameke telefonieren. Die Frau von Professor Ernst-Ulrich von Kameke, der vor zehn Jahren den hochkarätigen Großenasper Orgelzyklus ins Leben rief und maßgeblich an der klassischen Konzertreihe beteiligt ist, versuchte Niklas Schmidt zu erreichen. Vergeblich. Inzwischen waren zwei junge Musiker eingetroffen. Nach einem kurzen Gespräch mit Organisator Michael Stenzel kündigte dieser an, dass Angelo Morelato und Alberto Tecchiati zwei Sonaten von Brahms und Beethoven spielen werden. „Professor Schmidt hat den Termin vergessen. Frei nach Udo Lindenberg: ,Er spielt Cello, aber leider in einer anderen Stadt‘“, sagte Stenzel etwas zerknirscht.

Der 20-jährige Alberto Tecchiati hatte inzwischen vorne mit seinem Cello Platz genommen, Pianist Angelo Morelato (26) setzte sich ans Keyboard. Brahms’ Cellosonate e-Moll, op. 38 und Beethovens Cellosonate C-Dur, op. 102,1 gelten als Meilensteine ihrer Gattung. In ihren komplexen Strukturen weisen sie Bezüge zu Werken von Mozart und Bach auf. Sowohl bei Brahms als auch bei Beethoven müssen die Instrumentalisten in einen gleichberechtigten Dialog treten, um komplexe, kontrapunktische Strukturen entwickeln zu können. Wie soll ein feinsinniger Pianist, der Angelo Morelato zweifelsohne ist, das mit einem mittelmäßigen Keyboard gestalten? Dem Cellisten Alberto Tecchiati blieb nichts weiter übrig, als sein leises Spiel zu erklären: „I have to play piano, because of the keyboard“, (wegen des Keyboards muss ich leise spielen). Trotz dieser großen Widrigkeiten ließen sich die beiden Meisterkursteilnehmer aus Italien nicht entmutigen. An ihrem exzellenten Spiel ließ sich erahnen, welch eine Musik die Gäste am Sonnabend in der Katharinenkirche versäumt haben. Nach 45 Minuten belohnte das Publikum die
beiden Ausnahmemusiker mit dankbarem Applaus.


zur Startseite

von
erstellt am 26.Sep.2016 | 09:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen