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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 06:57 Uhr

Mehrfach ausgezeichnet : Zwei Preise für einen mutigen Film

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwölf Schüler der Walther-Lehmkuhl-Schule aus sechs Ländern haben einen Kurzfilm gedreht. Auch Ministerin Britta Ernst sah das Werk.

Neumünster | Freundschaft und Drogen sind die Themen eines ganz besonderen Films von ganz besonderen Filmemachern: Zwölf Daz-Schüler (Deutsch als Zweitsprache) der Walther-Lehmkuhl-Schule haben im Rahmen eines Projekts den Film „Der 32. Tag“ gedreht, der bereits zwei Mal ausgezeichnet wurde. Die zwölf Schüler stammen aus dem Iran, dem Irak, aus Kroatien, Syrien, Afghanistan und Palästina. Sie sind nach Deutschland geflüchtet und lernen hier nun Deutsch als Zweitsprache, während sie zur Schule gehen. Es werden verschiedene Kurse in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro angeboten, wo Daz-Schüler teilnehmen können und im außerschulischen Bereich besser Deutsch lernen können. Gefördert werden diese Kurse vom Bildungsministerium.

Navid Ganjian (17) kommt aus dem Iran und hatte viel Spaß bei dem Projekt. „Wir haben alle zusammengearbeitet und das Drehbuch selbst geschrieben, selber gedreht und auch geschauspielert. Natürlich auf Deutsch“, sagte er. Die Schüler wurden dabei unterstützt vom Gruppenleiter und Filmemacher Claus Oppermann. „Ich hatte das große Glück, mit diesen Menschen zu arbeiten. Man meint vielleicht, dass es schwer war, weil viele aus einem traurigen Grund hier sind, aber ich bin offenen und fröhlichen Menschen begegnet, die viel Motivation haben“, sagte der 46-Jährige.

„Der 32. Tag“ handelt von drei Freunden. Sie zerstreiten sich, nachdem sie einen Drogendealer kennengelernt haben. Am Ende wird einem Freund ein Tag geschenkt, und so entscheidet er sich gegen die Drogen und für seine Freunde. „Die Idee dahinter ist, dass jeder eine zweite Chance hat“, erklärte Oppermann. Fünf Tage lang wurde seit Juli jeden Nachmittag nach der Schule gedreht, im Falderapark und auf dem Schulhof entstand so der fünf Minuten lange Streifen. „Es hat viel Spaß gemacht und wir haben besser Deutsch gelernt“, sagte Faruk Naif Milko (21). Dass ihr Film auch außerschulisch eine solche Anerkennung findet, hat die Jugendlichen und Claus Oppermann freudig überrascht. „Wir haben uns beim Kinder- und Jugendfilmwettbewerb ‚Ein geschenkter Tag‘ im Rahmen des Kunstfleckens 2016 beworben, und der Film hat den Jury-Preis gewonnen“, sagte der Gruppenleiter. Der Gewinn für diese Auszeichnung war die Teilnahme am Jugend-Film-Fest, einem landesweiten Filmwettbewerb. Dort gewann die Gruppe mit ihrem Film den Publikumspreis. „Da haben wir überhaupt nicht mit gerechnet“, erzählte Ahmad Mousa (17) aus Syrien.

Claus Oppermann ist begeistert: „Ein krönender Abschluss und eine tolle Auszeichnung für den Mut der Jugendlichen. Ich weiß nicht, ob ich mich getraut hätte, in einem fremden Land mit fremder Sprache vor der Kamera zu stehen“.

Am Freitagnachmittag wurde der Film gezeigt, auch die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst machte sich ein Bild von der Arbeit der Daz-Schüler. „Wir möchten erreichen, dass Sie gut Deutsch lernen und so später einen qualifizierten Beruf finden können“, sagte sie. Ein Hip-Hop-Kursus mit Daz-Schülern führte einen Tanz vor und erntete ebenfalls Beifall.

Daz-Unterricht  in Zahlen

In Neumünster gibt es zurzeit 395 Daz-Schüler (Deutsch als Zweitsprache) in allgemeinbildenden Schulen, Berufssschulen ausgenommen. Im letzten Schuljahr waren es 299. Es gibt zehn Daz-Zentren, davon acht Grundschulen und zwei Gemeinschaftsschulen. Viele der Schüler sprechen bei ihrer Ankunft kein Deutsch und kennen die lateinische Schrift nicht.

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erstellt am 27.Nov.2016 | 11:00 Uhr

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