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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 10:53 Uhr

Gerichtsbericht : Zähes Ringen im Hundezüchter-Prozess

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit mehr als vier Monaten werden im Verfahren vor dem Schöffengericht Zeugen gehört. Gestern sagte ein Kripo-Ermittler aus.

Neumünster | Seit mehr als vier Monaten muss sich ein Hundezüchterpaar aus Padenstedt vor dem Schöffengericht in Neumünster verantworten. Und ein Ende des zähen Ringens um die Fakten ist derzeit noch nicht abzusehen. Der Ton in den zahlreichen Diskussionen um Details zur Hundezucht und -aufzucht bleibt bei vielen Prozessbeteiligten oft scharf. Gestern sagte über Stunden ein Beamter der Kriminalpolizei Neumünster aus, der seit September 2014 mit den Ermittlungen in dieser Sache betraut war.

Laut Staatsanwaltschaft sollen das angeklagte Paar (44 und 60) über Jahre unheilbar kranke Labradore gezüchtet und verkauft haben. Demnach erkrankten über 35 Welpen an dem Gelenk-Leiden Hüft- (HD) beziehungsweise Ellenbogendysplasie (ED). Für die Welpen sollen die Züchter zwischen 650 und 1100 Euro bekommen haben (der Courier berichtete).

Insbesondere eine Durchsuchung auf dem Gelände des Paares in Padenstedt Ende Oktober 2014, Durchsuchungen bei Zuchtverbänden in der Nähe von Rostock und in Soltau sowie beim Tierarzt der Angeklagten im Kreis Plön interessierten die Juristen gestern, als der Kripobeamte aussagte. Ausführlich schilderte der Ermittler, wie er und seine Kollegen sich einst einen Überblick in dem „recht komplexen Verfahren“ verschafften. „In einem Büro hingen rund herum lauter Flipcharts an den Wänden. Dort wurden alle Würfe und Zuchthunde aufgelistet – für den Gesamtüberblick“, erklärte der Zeuge.

Bei der Durchsuchung des Anwesens ging es vor allem um fehlende Unterlagen. Weil auch Röntgenaufnahmen von einigen Tieren nicht vorhanden waren, wurden die Hunde zu einem Tierarzt gebracht, der nach Erkenntnis der Kripo mit dieser Technik Erfahrung hatte. Ein weiterer spezialisierter Tierarzt begutachtete später die Aufnahmen.

Das Züchterpaar selbst hatte einst zum Nachweis für eine HD/ED-freie Zucht einen Veterinär aus dem Kreis Plön regelmäßig hinzugezogen. Der hatte die Tiere offenbar auch geröntgt, war aber zu anderen Ergebnissen gekommen, als später die von den Ermittlern beauftragten Kollegen. Nach Auskunft des Polizeibeamten lag das wohl in erster Linien „an der schlechten Qualität der Röntgenbilder“. „Ich denke, er war technisch nicht in der Lage, korrekt zu röntgen. Die Bilder waren verwackelt, über- oder unterbelichtet. Manchmal war noch eine Hand zu sehen, die das Tier festhielt“, so der Zeuge. Im Laufe des Ermittlungsverfahrens war der Tierarzt der Angeklagten als möglicher Mittäter ebenfalls ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft geraten. Was genau aus diesem Verfahren geworden ist, ließ ich gestern ad hoc nicht klären. Die Verteidigung beantragte deshalb unter anderem, dass die Resultate ihr zur Verfügung gestellt werden. Denn nur so kann sie klären, ob dem Veterinär ein Aussageverweigerungsrecht zusteht.Das hatte er nämlich bisher stets geltend gemacht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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erstellt am 19.Jun.2016 | 11:00 Uhr

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