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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 09:19 Uhr

Poetry-Slam : Wortkünstler regten zum Nachdenken an

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rund 50 Besucher kamen zum Poetry-Slam ins Saldern-Haus. Die Texte der Teilnehmer befassten sich mit dem Thema Flucht.

Neumünster | „Auch wenn die Zahlen in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Boostedt und am Haart zurückgegangen sind, das Thema Flucht wird uns weiter beschäftigen, denn der Stadt werden in Zukunft Flüchtlinge zugewiesen“, sagte Manja Yalçin von der Koordinierungsstelle „Integrationsorientierte Aufnahme von Flüchtlingen“. Damit das Thema nicht aus den Augen verloren werde, und um sich ihm auf eine „leichte“ Art zu nähern, hätten sie und ihr Team einen Poetry-Slam   organisiert, sagte die Mitarbeiterin der Stadt.

Im Rahmen der Interkulturellen Woche fand der Dichterwettstreit am Freitagabend im Casper-von-Saldern-Haus statt. Rund 50 Besucher waren gekommen, um ab 19 Uhr den selbstverfassten Texten der fünf jungen Wortakrobaten aus Kiel und Hamburg zum Thema Flucht zu lauschen. Ein langer Stau auf der A7 machte den Organisatoren einen Strich durch ihren zeitlichen Ablaufplan, und so begann die Veranstaltung mit 20-minütiger Verspätung.

Obwohl ihre drei Mitstreiter aus Kiel noch nicht da waren, kamen Zara Zerbe und Lennart Hamann auf die Bühne, um ihre Texte vorzutragen. „Ich habe Lust, mich über Nazis lustig zu machen“, erklärte der Hamburger Lennart Hamann. Sein Beitrag „Wetterwutbürger-Jahresuhr“ befasste sich mit unkontrolliertem Pollenflug in Anspielung auf den von CSU-Anhängern bemängelten„unkontrollierten Zuzug von Flüchtlingen“. „Ich hab echt nichts gegen Samen“, hieß es in Hamanns Text, „aber was fällt den scheiß Bäumen ein, in meiner Nase zu poppen?“. Einen ungenauen Wetterbericht kommentierte er lautstark mit einer Schimpftirade: „Lügenpresse!“ Das Publikum amüsierte sich prächtig.

Zara Zerbe schlug leisere Töne an. „Brandstifter-Blues“ hieß ihr Text, den sie am Freitag erstmals vor Publikum vortrug. „Deutschland, was hat dich nur so ruiniert? Es ist die Kälte, die brennt. Es ist längst Nacht im Abendland!“ Bei diesen Einschätzungen der 27-Jährigen wurde es ganz still im Publikum.

Nach ihrem Vortrag trafen die übrigen Slammer und Moderator Michel Kühn aus Kiel ein. Wegen der Verzögerung beschloss man, auf einen Wettstreit zu verzichten und die Wortkünstler ohne Besucher-Wertung nacheinander auf die Bühne zu schicken. Stefan Schwarck versuchte sich „im Dschungel der Paragrafen“ zurechtzufinden, Hille Norden beschrieb auf persönliche Weise Heimat als „das, wo man ein leichtes Herz hat“, und Constantin Koch gab Einblicke in seinen schrägen Tagebuchtext „Faustpfand“.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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