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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 01:38 Uhr

Austauschschüler : Wie ein Chinese Neumünster sieht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Austauschschüler Ying Zhuo Tang (16) gefällt das Wetter, dass Menschen sich umarmen und einen Fehler nicht gleich persönlich nehmen.

Neumünster | Ying Zhuo Tang (16) lebt seit ein paar Wochen in Neumünster, und natürlich hat er Unterschiede zu seiner Heimatstadt festgestellt. Das gilt aber nicht für die Größe: „Eigentlich ist Neumünster gar nicht so viel kleiner als Shanghai“, sagt der chinesische Austauschschüler, der aus der Multi-Millionen-Stadt Shanghai stammt. Von Neumünster hat er ein ganz eigenes Bild.

Über die Organisation Youth for Understanding (YFU) nimmt er an einem Schuljahr in Deutschland teil, wohnt in Neumünster und besucht die Waldorfschule. „Mir gefällt vor allem das Wetter in Neumünster. Die durchschnittliche Temperatur ist viel geringer als zu Hause. Da ist es oft zu heiß“, sagt er. Mit dem Essen hat er sich noch nicht so angefreundet. „Es ist ungewohnt, dass ich hier nichts mit Stäbchen essen kann. Am wenigsten gefällt mir Buttermilch“, erzählt Ying Zhuo Tang, dessen Spitzname Tom ist.

Die angeblich so rauhen Norddeutschen empfindet er aber als freundlich und offen. „In China würden wir uns nie die Hand geben zur Begrüßung, geschweige denn uns umarmen, nicht mal unter Freunden. Hier machen das alle, das finde ich sehr schön“, sagt Tom. Was ihm am besten gefällt, sei der faire Umgang miteinander. „Wenn man einen Fehler macht, spricht man anschließend über den Fehler und nicht über die Person. In China ist das anders. Wenn du einen Fehler machst, wird direkt deine Persönlichkeit kritisiert“, erklärt er.

In Neumünster hat der Schüler bereits Freunde gefunden, vor allem beim Judo im TS Einfeld. Sprachlich sieht er keine Probleme, denn in seiner Heimat hat er bereits ein Jahr lang Deutsch gelernt. „Mit den Freunden in der Schule und im Verein unterhalte ich mich auf Deutsch und Englisch. Nur ein Mal gab es ein Missverständnis. Wir spielten Basketball, und ich rief die ganze Zeit ,I’m here‘. Mein Mitspieler hat aber nicht verstanden, dass das auf Englisch ,Ich bin hier‘ bedeutet, und so bekam ich den Ball nicht zugeworfen“, berichtet der Austauschschüler lachend.

Neben Judo und Basketball beschäftigt er sich am liebsten mit dem Zauberwürfel. Um das Drehpuzzle aus den 80er-Jahren zu lösen, braucht er nur 13 Sekunden. Stolz verkündet er: „Sobald ich es in 10 Sekunden schaffe, bewerbe ich mich für Meisterschaften.“

Sein Lieblingsfach in der Schule ist Mathematik, aber an der Waldorfschule ist es ihm zu einfach. „Er muss richtig gefordert werden. Ich denke, an einer öffentlichen Schule wäre er besser aufgehoben“, sagt seine Betreuerin Andrea Plautz. Im Rahmen des YFU-Programms entscheiden die Gasteltern, welche Schule ihr Gastkind besucht. Bei seiner aktuellen Familie in Einfeld kann Tom aber nur noch bis etwa November bleiben; das war von Anfang an so abgesprochen. Deshalb sucht er nun eine neue Familie. „Am liebsten würde ich in Neumünster bleiben. Mir gefällt es gut hier“, sagt er.

Wenn eine Familie Interesse an einem interkulturellen Austausch hat und den chinesischen Schüler gerne aufnehmen möchte, kann sie sich bei der YFU unter Tel. 040 / 2 27 00 27 78 melden. Tom wird noch etwa zehn Monate in Deutschland bleiben.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 18:28 Uhr

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