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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 20:49 Uhr

Vortrag : Wie die Nazis den Landtag dominierten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Vortrag von dem Historiker Prof. Uwe Danker traf auf reges Interesse.

Neumünster | Mehr als 90 Gäste kamen am Freitag ins Museum Tuch + Technik, um mehr über ehemalige Nazi-Parteigänger, die nach 1945 in Parlament und Regierung in Kiel saßen und Nachkriegspolitik verantworteten, zu erfahren. Der Runde Tisch für Toleranz und Demokratie hatte dazu den Historiker Prof. Uwe Danker von der Uni Flensburg eingeladen, der über einen Forschungsauftrag des Landtages zu diesem Thema berichtete.

Eine Kernaussage seines Vortages: Ehemalige Nationalsozialisten haben die schleswig-holsteinische Landespolitik bis in die 80er-Jahre hinein mitgeprägt, „und zwar stärker als bisher angenommen“. Dazu untersuchte das Forscherteam die Lebensläufe der bis 1928 geborenen Abgeordneten: 115 der 342 Männer und Frauen waren Mitglieder der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei). In der Regierung lag die Quote sogar bei 75 Prozent. Damit, so Danker, sei Schleswig-Holstein (SH) ein „Extremfall“. In keinem anderen Bundesland hätten es so viele Ex-Nazis in hohe politische Ämter geschafft. Auffällig, so die Forscher, dass im ersten Landtag (1946 bis 1947) die Verfolgten und Regimekritiker dominierten, weil die britische Besatzungsmacht sie einsetzte. Mit der Wahl 1950 trat die Wende ein: Der Anteil der NSDAP-Parteigänger schnellte von 8 auf 40 Prozent hoch. In der Wahlperiode 1958 bis 1962 waren es 51 Prozent der Abgeordneten. Bei hohen Beamten wie Staatssekretäre lag die Zahl sogar bei über 85 Prozent. „Es war eine beispiellose Re-Integration von NSDAP-Mitgliedern“, so Danker.

Nach Vortrag und Diskussion moderierte Carsten Janz ein Podiumsgespräch mit der Landtagsabgeordneten Angelika Beer (Piraten) und Anschar-Pastor Stefan Bemmé. Angesichts aktueller Probleme wie Flüchtlinge oder AFD betonte Bemmé in Bezug auf die Studie: „Wir brauchen historischen Tiefgang, um in die Zukunft zu steuern.“

Die Studie wurde bereits im Landtag vorgestellt, soll dort noch einmal im Dezember diskutiert werden und im kommenden Jahr als Buch erscheinen.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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