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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 23:19 Uhr

Hilfsaktion in SH : Wie die Kastration gegen das Katzen-Elend abläuft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ab Montag werden wilde Katzen eingefangen, um sie zu kastrieren. Tierhilfe befürchtet zu wenige finanzielle Mittel.

Neumünster | Wenn am Montag die vierte landesweite Katzenkastrations-Aktion startet, stehen Susanne Eckmann, Vorsitzende der Tierhilfe in Neumünster, und ihre Mitstreiter parat. Sie kennen die Brennpunkte in Neumünster, in denen besonders viele verwilderte Katzen leben – zum Beispiel in der Heinrich-Förster-Kleingarten-Kolonie. Susanne Eckmann ist voller Tatendrang: „Wir würden das Problem gerne in den Griff kriegen, denn das ist unser oberster Vereinszweck. Doch diese Aktionen sind bisher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die finanziellen Mittel waren bislang zu schnell verbraucht, teilweise blieben die Tierärzte auf ihren Kosten sitzen.“

Das kostenlose Kastrieren von streunenden Katzen ist eine landesweite Aktion in SH. Herrenlose Tiere können sowohl von Tierschutzvereinen als auch anderen Überbringern zu Ärzten in ihrer Nähe gebracht werden. Die übernehmen dann 25 Euro für die Kastration. Den Rest der Kosten trägt ein Fonds, der von der Tierärztekammer verwaltet wird. Das Projekt gegen Katzenelend ist bis 11. November geplant - geht dem Fond das Geld aus, wird es vorzeitig beendet.

Sie hat ein Team zusammengestellt und sich Urlaub genommen. „Wann immer wir Zeit haben – nach Feierabend oder am Wochenende – gehen wir los, fangen die Katzen ein, bringen sie zum Tierarzt und zurück“, sagt sie. Denn in diesen Kolonien leben Tiere, die Menschen sichtlich scheuen. Das ist auch am Wernershagener Weg so: Als sie und Beate Beifuß-Osterkamp Käfige mit Lockfutter in eine verlassene Parzelle stellen, nähern sich die Katzen sehr vorsichtig. Mit Blick aufs Smartphone prüft Susanne Eckmann die gefangenen Tiere, denn alle werden dokumentiert. „Die meisten können nicht mehr vermittelt werden, bei manchen Jungen könnte man es versuchen“, sagt Susanne Eckmann. Sie lobt den Zustand der Tiere: „Viele Kleingärtner füttern, das Fell ist okay, und sie haben keine Flöhe. Eigentlich wäre alles in Ordnung, aber es sind so fürchterlich viele.“ Eine Kastration kostet im Durchschnitt 90 Euro. „Wir sind ein kleiner Verein, der solche Summen nicht ohne Spenden wuppen kann.“

Erwischt: Susanne Eckmann (rechts), Vorsitzende der Tierhilfe, und ihre Helferin Beate Beifuß-Osterkamp fangen in den Garten-Kolonien wilde Katzen ein, um sie zu kastrieren.
Erwischt: Susanne Eckmann (rechts), Vorsitzende der Tierhilfe, und ihre Helferin Beate Beifuß-Osterkamp fangen in den Garten-Kolonien wilde Katzen ein, um sie zu kastrieren. Foto: Gabriele Vaquette
 

Denn es gibt noch weitere Brennpunkte im Industriegebiet an der Rendsburger Straße, im Vicelinviertel, in Gadeland an der Kummerfelder Straße und in der Gartenkolonie an den Holstenhallen. Susanne Eckmann bittet nachdrücklich alle Katzenbesitzer, ihre Tiere chippen und registrieren zu lassen. „Nur so können Fundtiere schnell wieder zurück.

Neben finanzieller Hilfe kann die Tierhilfe auch personelle Unterstützung gebrauchen – für das Einfangen, das Überprüfen der Fallen, Fahrten zum Tierarzt oder die Beförderung von Fundtieren ins Kieler Tierheim. Auch Nassfutter-Spenden und Flohpräparate sind willkommen.

In puncto Tierheim sieht die Stadt zurzeit keinen Handlungsbedarf. „Der Tierschutzverein muss sich bei uns melden, wenn er die Mängel beseitigt hat und erneut den Antrag auf das Betreiben des Tierheims stellt. Das ist bislang nicht passiert. Unser Vertrag mit dem Kieler Tierheim läuft bis Jahresende. Und zurzeit klappt die Zusammenarbeit mit Kiel und der Tierhilfe ja gut“, sagt Stadtsprecher Stephan Beitz.


Kommentar von Gabriele Vaquette

Wer jemals kleine Katzenkinder mit vom Katzenschnupfen verklebten Augen gesehen hat, vergisst diesen Anblick nicht, vor allem, wenn sie zwei Tage später tot sind. Die Aktion gegen das Katzenelend geht jetzt landesweit in die vierte Runde, und das ist gut so. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer, die ihre Freizeit für die Sache opfern, wird dem wachsenden Problem verwilderter Katzen entgegengetreten. Aber: Tierärzte warnen schon vor Beginn der Aktion im Internet davor, dass das Geld „vielleicht nur ein paar Tage“ reicht.

Auch die Tierhilfe in Neumünster hat Erfahrungen gemacht, dass Tierärzte auf ihren Kosten sitzen blieben. Sie befürchtet, dass die Helfer zwar da und willens sind, den Katzen hinterherzupirschen, aber kein Geld mehr da ist. Doch der Bedarf ist größer als von den Planern gedacht: Laut Tierschutzverband wurden in drei Zeiträumen in 2014 und 2015 7428 Katzen kastriert. Das Ziel beim Start waren 5000 Tiere. Es muss erste Priorität haben, den Mittelfonds gegebenenfalls aufzustocken. Damit keine Katzenbabys mehr sterben müssen.

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erstellt am 16.Okt.2016 | 08:45 Uhr

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