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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Wasbek : Wie aus Hundefell eine kuschelige Wintermütze wird

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Reni Hamann aus Wasbek produziert ganz besondere Wolle.

Mancu ist ziemlich groß, sehr gemütlich und außerordentlich flauschig. Und deshalb dient der Samojeden-Rüde seinem Frauchen Reni Hamann auch als Wolllieferant, zumindest indirekt. Die Wasbekerin spinnt aus dem Unterfell ihres Hundes nämlich Wolle.

Zu dem ungewöhnlichen Hobby ist die 57-Jährige vor etwa fünf Jahren gekommen: „Nach dem Bürsten hatte ich immer jede Menge Unterwolle, die sehr weich ist. Da habe ich mir gedacht, dass man daraus doch etwas machen könnte.“ Die erste Wolle aus Mancus’ Haar hat Hamann von einer Spinnerin in Berlin herstellen lassen. „Als das Paket mit dem fertigen Produkt kam, war ich ganz hibbelig. Und es war sehr beeindruckend, Mancus’ Wolle in Händen zu halten. Danach habe ich mir gleich ein eigenes Spinnrad besorgt.“ Das Handwerk hat Hamann dann beim Spinnkreis Tungendorf in Neumünster gelernt. „Für Anfänger ist es besonders schwierig, einen gleichmäßigen Auszug hinzubekommen. Das bedeutet, einen möglichst gleichmäßig dicken Faden zu spinnen“, erklärt die Hundehalterin. Doch auch das klappte mit etwas Übung relativ schnell.

„Aus der fertigen Wolle habe ich anfangs vor allem Mützen und Pullis gestrickt. Und als der private Bedarf dann gedeckt war, hatte sich schon herumgesprochen, was ich mache“, sagt Reni Hamann. Mittlerweile schicken ihr Hundehalter aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz und Norwegen die Unterwolle ihrer Tiere. „Sogar aus den USA habe ich welche bekommen“, berichtet die 57-Jährige. Das Rohmaterial wird ihr meistens gespendet. Die fertige Wolle und auch die daraus erstellten Strickwaren verkauft Hamann vor allem auf Märkten, den Erlös spendet sie. „Wir haben Mancu über den Verein ‚Samojede in Not‘ bekommen. Viele Wollspenden stammen von Hunden, die ebenfalls über den Verein vermittelt wurden. Dorthin spende ich das Geld, das ich einnehme“, erzählt Reni Hamann. Genauso verhält es sich, wenn ein Hundehalter das Unterfell nicht spenden, sondern die fertige Wolle selbst verwenden möchte: „Dann bekommt der Verein das Geld, das ich für die Wolle erhalte.“

Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass sich Reni Hamann Unterstützung geholt hat: In Thüringen lebt Andrea Schmidt, die ihr beim Spinnen hilft, und in Baden-Württemberg Karin Dambach, deren Leidenschaft das Stricken ist. „Wir könnten Tag und Nacht spinnen und stricken, so groß ist die Nachfrage. Kaum ist eine Mütze fertig, ist sie im Grunde auch schon verkauft“, freut sich Hamann. „Wenn ich einen guten Lauf habe, kann ich aber auch stundenlang spinnen. Mittlerweile mache ich das sogar während des Fernsehens.“ Meistens sitzt sie dabei aber auf einer breiten Fensterbank, unter sich ein kuscheliges Fell. „Es gibt zwar Elektrospinner, ich betreibe meines aber mit Muskelkraft, indem ich mit den Füßen zwei Pedale in Bewegung halte.“ Wenn es ganz heiß ist, setzt sie sich nicht ans Spinnrad. Ansonsten genießt sie es. „Man lauscht dem Schnurren den Spinnrades und kommt zur Ruhe.“ Ihr Hobby bedeutet für sie Entspannung, mit dem sie gleichzeitig Gutes tun kann. „Professionell soll es nicht werden.“

Weil das Hundefell aus Hohlfasern besteht, sagt man ihm nach, wärmer zu sein als Schafwolle – und zwar „drei bis sieben Mal“. Pullover aus dem Material seien deshalb in hiesigen Gefilden oft zu warm. „Am meisten gekauft werden Mützen und Stulpen. Aber auch Ponchos, Dreieckstücher und Boleros sind gefragt“, weiß Reni Hamann. Die Wolle verkauft sie für zwölf Euro pro 100 Gramm. Dafür sind aber auch alle benötigten Arbeitsschritte besonders zeitintensiv: Für 500 Gramm Wolle braucht sie etwa eine Woche – vom gerade ausgebürsteten Unterfell bis hin zum gewaschenen Wollknäuel vergehen neun Arbeitsschritte. Dass Reni Hamann ihres Hobbys überdrüssig wird, ist aber nicht zu erwarten: Mittlerweile hat sie sogar schon Enkelin Catharina Göttsche dafür begeistern können. „Ich finde es ganz toll, etwas aus der Wolle zu machen“, sagt die Zwölfjährige. Und so wird es wohl noch lange Hundewolle aus Wasbek geben.


> Wer sich für die Hundewolle oder Produkte daraus interessiert, kann einen ersten Kontakt zu Reni Hamann per E-Mail aufnehmen. Die Adresse lautet bernd-hamann@foni.net.

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