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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 15:11 Uhr

Opferhilfe : Weißer Ring: Seit 40 Jahren Hilfe für die Opfer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Aktionstag am Sonnabend, 17. September, zum Thema Prävention: Polizei und andere Experten geben praktische Tipps und stehen für individuelle Fragen parat.

Neumünster | Wenn ein Mensch Opfer von Gewalt wird, eine Frau vergewaltigt wird, ein Einbruch passiert, jemand verletzt wird, ist das für die Betroffenen ein schlimmer Schock. Die Polizei nimmt die Spuren auf und ermittelt – aber was ist mit den Opfern, die ihr „normales Leben“ danach weiterleben? „Mir taten diese Menschen leid, ich wollte ihnen helfen“, sagt Wilhelm Dittjen. Der 73-jährige pensionierte Kriminalkommissar engagiert sich seit Jahrzehnten beim Weißen Ring – und anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Organisation veranstaltet die Außenstelle Neumünster am Sonnabend, 17. September, einen Aktionstag.

Betreut wurden im vergangenen Jahr 106 Betroffene. „Das Opfer steht trotz der Arbeit der Polizei nach der Straftat erst einmal alleine da. Da wollte ich helfen“, sagt er. Wie Opfer reagieren, ist unterschiedlich: „Manche scheinen es gut wegzustecken, andere erleiden einen Schock fürs Leben, fühlen sich nach einem Einbruch in ihren eigenen Wänden nicht mehr sicher, isolieren sich und brauchen dann eine Person ihres Vertrauens. Die Beratung und ein persönliches Gespräch sind daher ganz wichtig“, sagt Dittjen, der zunächst die Außenstelle des Weißen Rings allein betreute.

Der Weiße Ring vermittelt beispielsweise eine Beratung durch einen Rechtsanwalt und finanziert diese auch, ebenso Gespräche mit Psychologen. Auch finanzielle Hilfen werden organisiert, denn in manchen Fällen zahlt auch keine Versicherung; das Geld unterstützt die Betroffenen beim Überbrücken von Notlagen – nach genauer Prüfung und Rücksprache mit der Polizei.

Besonders bei sexuellen Straftaten ist die seelische Lage für die Opfer heikel. Die Helfer des Weißen Rings stehen den Betroffenen zur Seite. Oft gehen die Fälle nicht sofort vor Gericht, es gibt Wartezeiten. „Es ist gut, wenn bei Befragungen eine Person des Vertrauens dabei ist“, sagt Dittjen. Auch ein Erholungsurlaub, Distanz von der Stadt, in der die Straftat passiert ist, kann sinnvoll sein – auch hier hilft der Weiße Ring.

Ein weiteres großes Feld der Tätigkeit des Teams ist die Prävention: „Wir weisen die Menschen auf verschiedene Verhaltensweisen hin, damit sie keine Opfer werden und sich nicht unnötig in Gefahr bringen. Das bedeutet vor allem Einbruchsschutz, da vermitteln wir an die Polizei und Experten, aber auch zum Beispiel Selbstverteidigungskurse bei Vereinen“, sagt Dittjen. Er und seine Mitstreiter halten auch viele Vorträge bei Vereinen und Verbänden, geben Präventionskurse in Kindergärten und Schulklassen. „Wir klären auf, wie man sich verhält, wenn zum Beispiel jemand geschlagen wird, klären Schüler über die Gefahr von K.o.-Tropfen auf Partys oder in der Disko auf.“

Zurzeit gehören sieben ehrenamtliche Mitarbeiter der Außenstelle an. Wer mitmachen möchte, muss in den Kreis passen, macht Dittjen klar. „Man braucht Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen, man muss bereit sein, zuzuhören und Zeit zu opfern. Wir werden durch Experten geschult.“

Am Sonnabend, 17. September, stellt sich der Weiße Ring in der Holsten-Galerie von 8 bis 18 Uhr vor. Außerdem geben Polizei, Tischler und Elektriker Sicherheit-Tipps zum Schutz vor Diebstahl, für den Alltag, sprechen über ihre Arbeit mit den Opfern und stehen auch für Fragen zur Verfügung.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 07:45 Uhr

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