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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 06:46 Uhr

Beteiligung : Viele Wünsche für die neue Schule

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Zukunftswerkstatt für den Neubau der Schule an der Schwale äußerten sich Kinder: Räume für Musik und Lese-Ecken, Sport und Snacks

Neumünster | „Bleiben alle Lehrer dieselben – und auch die Sachen in den Klassenzimmern?“ Als gestern acht junge Zuhörer von Mirko Nitschmann, Sacharbeiter in der Schulentwicklungsplanung, erfuhren, dass ihre Schule am Uker Platz nach dem Sommer 2017 abgerissen wird, kamen erstmal sorgenvolle Fragen. Nitschmann beruhigte sie: „Die Lehrer bleiben, und die Sachen werden besser.“ Danach ging es weiter: Im Beteiligungsverfahren für Kinder und Jugendliche beim Neubau der Grundschule an der Schwale wurden gestern eine Menge Kritik und Wünsche geäußert.

Mit viel Liebe zum Detail hatten Antje Leimbach und ihre Kollegin Delia Hemprich vom Projekthaus, der Einrichtung des Fachdienstes Kinder- und Jugendarbeit, einen Klassenraum zum Raumschiff-Cockpit umdekoriert. Hier durften die Kinder und Jugendlichen im Alter von acht bis 18 Jahren ihre Wünsche für ein schönes Raumschiff beschreiben – als Symbol für die Schule: ein Raum zum Musikhören und Basteln, eine gemütliche Lese-Ecke, Fitnessgeräte, Einräder und Sportmöglichkeiten, aber auch günstige Snacks und ein Nachmittagsangebot für alle.

Davor gab es eine „Aufwärmrunde“: Die Kinder markierten auf einer Karte des Stadtteils Faldera, wo sie sich gerne aufhalten, wo weniger gerne und was sie sich neu vorstellen könnten. Einige beliebte Treffer lauteten „Hier wohnt meine beste Freundin“ (oder Oma) oder „Hier wohnt mein Lehrer“. Dann hatte Mirko Nitschmann die Pläne für den Neubau der Schule erläutert: „Es lohnt nicht, die Schule zu renovieren. Sie ist zu alt, stammt aus den 1960er-Jahren. Zuerst entsteht zwischen der alten Schule und dem Jugendfreizeitheim der erste Neubau. Da könnt Ihr von hier aus gucken, wie er fleißig wächst.“ Die Kinder drängten sich anschließend um die Pläne, um zu sehen, wo die je sechs Klassenräume je Geschoss hinkommen, wo Lehrerzimmer, Computer-, Musik- und Mehrzweckräume eingeplant sind. Mit Nitschmann war auch Gabriele Bartelheimer, Leiterin des Fachdienst Schule, Jugend, Kultur und Sport, dabei.

Zwischen dem Vorstellen der Pläne und den Zukunftswünschen wurde eine „Mecker-Phase“ eingeschoben. Was sie an der Schule nicht gut fanden, kam recht fix: unsaubere Toiletten oder zu wenig Toilettenpapier, kalte Flure, keine Schließfächer, zu stark beheizte Klassenzimmer, zu viele Tafeln oder dass nicht alle Spiele auf dem Schulhof gespielt werden könnten, kam es aus der Runde. Die „Klagemauer“ mit den Kritikzetteln wurde anschließend jubelnd „eingerissen“ – die Pädagogen hatten sich viel Mühe gegeben, zwischen den Denkphasen Bewegung einzubauen.

Die „Wünsch Dir was!“-Zukunftswerkstatt ist nur ein Teil des Beteiligungsprozesses. Die Planer waren bereits auf der Schulkonferenz und in Kitas und werden noch im Stadtteilbeirat informieren. Die Schüler waren außerdem über Projekte im Unterricht aufgefordert, ihre Vorstellungen zu konkretisieren.

Kommentar

Viel Aufwand für die Demokratie

von Gabriele Vaquette

In anderen Ländern der Welt würden die Planer vielleicht ein bisschen den Kopf schütteln: Eine Schule wird neu gebaut, und nicht nur Gremien mit Erwachsenen, sondern auch die Schüler und Kinder aus dem Stadtteil werden nach ihren Wünschen und Vorstellungen gefragt – und sogar Kita-Kinder. Eine Abteilungsleiterin, ein leitender Sachbearbeiter, zwei Lehrer und zwei Pädagogen opfern ihre Zeit, um Kindern die Beteiligung an einem Schul-Bauprojekt zu ermöglichen.

 In anderen Ländern kann man vielleicht froh sein, wenn Pädagogen  ein Wort mitreden können und einige kindliche Anforderungen mit ins Spiel bringen. Eine viel größere Rolle in Brasilien, China oder irgendwo anders auf der Welt wären bauliche Aspekte – ob das Dach in der Regenzeit hält, es einigermaßen erdbebensicher ist oder ein Brunnen in der Nähe ist. In Deutschland und eben auch in Neumünster wird sehr viel Aufwand betrieben, um den demokratischen Beteiligungsprozess zu garantieren.

Das ist sehr lobenswert. Doch was können Kinder für die Zukunft  äußern? Immerhin, die Baupläne stehen ja schon – und Kinderwünsche werden diese nicht umwerfen.  Ihre Wünsche sind als „Sahnehäubchen“ gedacht. Aber ab welchem Alter sind Kinder demokratiefähig? Und wie viel Aufwand darf das eine Verwaltung kosten? Im Rahmen des Unterrichts Schüler zu befragen, ist gut. Aber der Aufwand für Kinder außerhalb der Schule ist schon enorm.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 08:30 Uhr

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