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Holsteinischer Courier

25. September 2016 | 19:22 Uhr

Gefährlicher Trend : Viele Kinder können nicht schwimmen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Neumünster versuchen Schulen, Stadt und Vereine, dem entgegenzuwirken / Kooperation mit den Stadtwerken macht das möglich

Neumünster | Die Zahlen sind erschreckend: Jedes zweite Kind in Schleswig-Holstein kann am Ende der Grundschulzeit nicht schwimmen. In Neumünster hat man diese gefährliche Entwicklung jedoch schon lange im Blick. Seit zehn Jahren wird von Seiten der Stadt, der Schwimmvereine und Schulen deshalb mit vielen gezielten Trainingsangeboten gegengesteuert.

Fakt ist allerdings auch in Neumünster: Viele Kinder lernen nicht mehr mit Hilfe ihrer Eltern schwimmen. Damit liegt die Stadt in einem bundesweiten Trend. Das bestätigt auch Schulrat Jan Stargardt. „Insgesamt gibt es eine zunehmende Zahl der Kinder, die den Schwimmunterricht in der dritten Klasse ohne jegliche Wassererfahrung beginnen“, bedauert er. Trotzdem stehen die Schulen in der Verantwortung, allen Kindern gleichermaßen das Schwimmen beizubringen. Im laufenden Schuljahr könne an allen Schulen der planmäßige Schwimmunterricht erteilt werden, so Stargardt. In der Regel findet dieser ein Mal pro Woche eine Schulstunde lang statt. „Das Ziel ist immer, den Kindern das Bronzeabzeichen zu ermöglichen“, so der Schulrat.

Thies Wolfhagen von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Schleswig-Holstein nennt Gründe für die schwindende Schwimmkompetenz der Kleinsten: „An vielen Orten findet kein Schwimmunterricht statt, weil die Kinder einfach keine Möglichkeit haben, die Schwimmhallen zu erreichen.“

An dieser Stelle setzt das Hilfspaket der Stadt Neumünster an. Mit den sogenannten Schwimmbussen werden die Schulkinder zum Bad am Stadtwald gebracht. Darüber hinaus werden die Kosten der Hallenzeiten von der Stadt komplett getragen. „Das Bad am Stadtwald hat ein funktionierendes System und schafft es, den Schulen und Vereinen ausreichend Trainingszeiten zur Verfügung zu stellen“, lobt Marcus Schmahl von der DLRG Neumünster. Deshalb sei die Zahl der Nichtschwimmer hier niedriger als im Rest des Landes. Schmahl empfiehlt trotzdem, Kindern vor dem verpflichtenden Schulschwimmsport das Schwimmen beizubringen. „Das optimale Alter liegt hierfür bei sechs Jahren“, weiß er.

Auch Sabine Behrens und Susanne Wolfsen, Schwimmlehrerinnen im Bad am Stadtwald, halten den frühen Einstieg für sinnvoll. „Die Schwimmzeiten in den Schulen sind dafür einfach zu kurz, um sicher das Schwimmen zu lernen. Außerdem ist die Hemmschwelle in der dritten Klasse mit neun Jahren oft zu groß. Jüngere Kinder trauen sich eher ins Wasser“, so Sabine Behrens. Die Kosten der privaten Kurse liegen bei neun Euro pro Übungseinheit. Susanne Wolfsen betont aber, dass es durch die Bildungskarte der Stadt Vergünstigungen gibt. Leider gehe der Trend dennoch immer mehr dahin, dass es mehr Nichtschwimmer gebe.

Das liegt laut Marcus Schmahl vor allem an fehlenden Wasserflächen. Die Schwimmkurse in Neumünsters Vereinen haben laut DLRG Wartezeiten von bis zu einem Jahr.

Kommentar

von Frieda Schifner

Ein lebensrettender Weitblick

Gerade im Sommer häuften sich die Schreckensmeldungen: Immer wieder  ertranken Menschen an  Stränden, Seen oder sogar in  Freibädern im Land. Darunter waren auch viele Kinder und Jugendliche. Schuld waren leider oft mangelhafte Schwimmfähigkeiten.   Zwar gab es in Neumünster keine Badeunfälle zu beklagen, doch auch hier ist die zunehmende Zahl der Nichtschwimmer ein großes Problem. Allerdings haben  Stadt, Schulen und Vereine längst gehandelt und einiges in den Schwimmunterricht investiert. Dabei haben die Verantwortlichen nicht nur die  Kinder im Blick.  Weil viele Flüchtlinge ebenfalls nicht schwimmen können, wurde mittlerweile sogar ein Kursus für Flüchtlinge  ins Leben gerufen. Dieser Weitblick kann Leben retten.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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