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Holsteinischer Courier

23. Januar 2017 | 17:52 Uhr

Stadt in der Kritik : Unmut über Werbung für Stadtplanverlag

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rechtsamt verteidigt Dienstleistungsvertrag und Begleitschreiben als korrekt. Stadt gibt keine Daten von Firmen oder Gewerbetreibenden heraus

Neumünster | Steuerberater Peter Schleifer ärgert sich über ein Schreiben der Stadt, in dem diese auf ihr neues „interaktives Informationssystem für Neumünster“ hinweist. Schleifer kritisiert, dass hier mit offiziellem Briefpapier der Stadt die Verlinkungsangebote eines gewerblichen Adressbuchverlags protegiert würden. Kostenpunkt: 750 Euro pro Eintrag. Das sei eine Verletzung des Neutralitätsgebots der Stadt und könne das Vertrauen der Bürger nachhaltig stören.

„Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Es ist wichtig für die Stadt, für sich zu werben und sich ins rechte Licht zu rücken“, sagt Schleifer. Aber das müsse neutral erfolgen. „Meine Kritik zielt nicht auf die Web-Präsenz und den interaktiven Stadtplan, sondern auf die Vermarktung. Das hier ist eindeutig Verkaufsförderung“, so Schleifer.

Stadtsprecher Stephan Beitz nennt das Vorgehen dagegen „gängige Praxis“. Die Stadt habe ganz offiziell einen Vertrag mit dem Anbieter, dem Bender-Verlag, geschlossen und dabei habe man sich einen seriösen Verlag als Partner ausgesucht. Bender erstelle den Plan auf eigenes Risiko. „Finanziert wird das durch Werbeeinnahmen“, so Beitz. Bei den gedruckten Stadtplänen, die es bei der Tourist-Info gibt, der Hochzeitsbroschüre „Heiraten in der Pferdestadt Neumünster“ oder bei den Stadtplänen auf großen Tafeln an Ausfallstraßen sei das genauso. Alle würden durch Werbung finanziert.

Das Rechtsamt der Stadt habe den Vertrag noch einmal geprüft. Danach spreche nichts gegen einen solchen Dienstleistungsvertrag und das Begleitschreiben. Nur wenn die Werbeeinnahmen des Verlags aus dem Projekt 5,25 Millionen Euro überschreiten würden, wäre eine EU-weite Ausschreibung nötig. Daten von Firmen gebe die Stadt nicht heraus.

Frank Bartels ist Projektleiter beim Bender-Verlag und spricht von einer „normalen Vorgehensweise“. Der Brief der Stadt sei eine Information und nicht als Empfehlung für den Bender-Verlag zu verstehen. „Für uns ist es eine Legitimation unserer Arbeit“, sagt Bender. Die Kunden akquiriere der Verlag selbst, etwa 1500 bis 1700 Firmen und Gewerbetreibende sollen angeschrieben werden. Bartels: „Das haben wir 2013 und 2010 schon so gemacht.“ Der Bender-Verlag gestalte solche interaktiven Stadtpläne für mehr als 1000 Städte und Gemeinden im ganzen Bundesgebiet.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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