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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 19:35 Uhr

Stadtwerke : Umlagen und Netzkosten treiben den Strompreis hoch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadtwerke kündigen eine kräftige Preiserhöhung zum Jahresbeginn 2017 an

Neumünster | Keine guten Nachrichten für die Stadtwerke-Kunden hat SWN-Vertriebsleiter Mathias Stolten: Die Strompreise steigen zum Jahresbeginn – und das kräftig. Der Arbeitspreis für eine Kilowattstunde (kWh) steigt in allen Tarifen um 1,8 Cent. Der meistverkaufte Tarif Premium kostet statt 27,75 Cent/kWh künftig 29,55 Cent/kWh. Das ist eine Erhöhung um 6,5 Prozent. Bezieht man den unveränderten Grundpreis von 9,87 Euro im Monat in die Betrachtung mit ein, steigt der Strompreis im Premium-Tarif um 5,8 Prozent.

Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh macht das eine Mehrbelastung von 63 Euro pro Jahr. Stolten weiß, dass „diese Strompreissteigerungen für viele Haushalte nur schwer zu verkraften“ seien, wendet aber ein: „Wir sind nur die Überbringer der bösen Botschaft.“ Grund für die Strompreiserhöhung seien die deutlich gestiegenen Netzentgelte. So verlangen große Übertragungsnetzbetreiber wie Tennet 2017 rund 80 Prozent höhere Netzentgelte, der regionale Verteilnetzbetreiber SH Netz AG um 14 Prozent höhere Entgelte. Auch die staatlichen Lasten, Abgaben und Umlagen kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben.

Eine Aufstellung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zeigt das Ausmaß. So kletterte der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen seit 1998 von umgerechnet damals 4,07 Cent/KWH auf 15,51 Cent/kWh in diesem Jahr. Darin enthalten ist die EEG-Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, die von 0,08 auf 6,35 Cent/kWh steigt und im kommenden Jahr nochmals um gut 8 Prozent auf 6,88 Cent/kWh erhöht wird.

Bisher konnten die Stadtwerke, die etwa 60  000 Stromkunden in Neumünster und im Umland haben, die Preiserhöhungen durch den lange fallenden Trend bei den Beschaffungskosten abpuffern. „Aber auch hier geht der Trend wieder zu steigenden Preisen“, sagte Stolten. Die Stadtwerke erzeugen nur rund ein Viertel des Stroms selbst im eigenen Kraftwerk. Der Rest wird an der Börse zugekauft.

Inzwischen hat der vom Staat beeinflusste Anteil am Strompreis mit 80 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Und der Anteil der Versorgungsunternehmen wie der Stadtwerke wird 2017 weiter schrumpfen auf dann 17,3 Prozent für Energiebeschaffung und Vertrieb. Die Netzentgelte liegen dann bei 32,3 Prozent, die Steuern und Abgaben bei 50,4 Prozent. „Mit einem Anteil von unter 20 Prozent, der von uns beeinflusst wird, werden wir mehr und mehr zu einem Inkassounternehmen für den Staat“, so Stolten. Denn die Abgaben und Umlagen für den von den Stadtwerken eingekauften Strom müssten natürlich bezahlt werden. „Die Belastung aber für den Kunden wird immer höher. Das Risiko des Zahlungsausfalls liegt zu 100 Prozent bei uns“, so Stolten. Die Stadtwerke würden damit in eine Sandwich-Position zwischen Staat und Kunde gezwängt, die es zunehmend schwieriger mache, steigende Kosten der Öffentlichkeit plausibel zu machen.

Schwacher Trost: Obwohl auch hier die Netzentgelte steigen, bleiben die Preise der Stadtwerke für Gas und Fernwärme konstant.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 08:15 Uhr

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