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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 21:12 Uhr

Holstenschule : Überpinselter Ikarus wird restauriert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Künstler Hilmar Friedrich bringt sein 2011 an der Holstenschule übergestrichenes Großwerk wieder zum Vorschein.

Neumünster | Als Hilmar Friedrich (77) vor fünf Jahren erfuhr, dass sein Kunstwerk „Sturz des Ikarus“ bei Renovierungsarbeiten an der Holstenschule übermalt wurde, war er erschüttert. Doch jetzt wird die 40 Jahre alte Wandmalerei mit Hilfe der Restauratorenwerkstatt Böddeker und Schlichting aus Paderborn Zentimeter um Zentimeter wieder freigelegt. Bei den notwendigen Ergänzungen legt der Künstler selbst Hand an.

Zumindest von den schieren Ausmaßen ist der Ikarus mit acht Quadratmetern eines von Hilmar Friedrichs größten Werken. „Im oberen Teil ist vom Ikarus noch erstaunlich viel erhalten, unten muss er fast neu gemalt werden“, sagt Friedrich, der 1976 von der Stadt den Auftrag für die Wandmalerei im Physikgebäude des Gymnasiums erhielt. 6000 Mark war damals das Honorar für den Kunsterzieher, der 38 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung an der Holstenschule wirkte. Die Wiederherstellung kostet jetzt laut Voranschlag 5500 Euro. 3500 Euro kamen durch Spenden von Volksbank, DOC und Danfoss zusammen. „Wer den Rest bezahlt, ist mir egal“, sagt Friedrich.

Seit knapp zwei Wochen sind der Künstler und die Firma dabei, das Werk mit einem scharfen Skalpell erst unter der angefeuchteten Schicht aus Kunstharzbinderfarbe freizulegen und, falls nötig, dann mit Temperafarbe behutsam zu ergänzen oder ganz neu zu malen. „Das Gemälde hat eine Geschichte, und die soll man ruhig sehen“, sagt Friedrich. Die „schrundigen Stellen“ sollen daher durchaus erhalten bleiben, die Schäden nicht vertuscht werden.

Auf die Firma Böddeker und Schlichting kam Hilmar Friedrich, weil die Paderborner auch die Wand- und Deckenmalereien in der katholischen Kirche St. Vicelin restaurierten und dabei, so Friedrich, „Hervorragendes geleistet haben“. Im unteren Teil des Wandgemäldes wird die Restaurierung seines Ikarus allerdings schwierig. Hier hat die Malerfirma seinerzeit mit einer beige-braunen Ölfarbe gearbeitet.

Der Handwerksfirma gibt Hilmar Friedrich keine Schuld an dem Kunstfrevel. Sie arbeitete auftragsgemäß. „Die Ratsversammlung stellte fest, dass es dafür keinen Schuldigen gibt“, sagt Friedrich süffisant. Möglicherweise sei es zu der „Fehleinschätzung“ gekommen, weil es in der Schule mehrere von Schülern gestaltete Wandmalereien gegeben habe, die allerdings „künstlerisch nicht mit der Arbeit von Herrn Friedrich vergleichbar seien“, hatte die Verwaltung 2012 kleinlaut eingeräumt.

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erstellt am 06.Aug.2016 | 14:00 Uhr

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