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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 01:39 Uhr

Gelder sind noch nicht bewilligt : Trauma-Hilfe für Flüchtlinge vor dem Aus?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Psychosozialen Anlaufstelle für Geflüchtete (PSA) droht Ende des Jahres die Schließung.

Neumünster | Der Psychosozialen Anlaufstelle für Geflüchtete (PSA) droht das Aus. Grund sind Bundesmittel, die für das kommende Jahr auf der Kippe stehen.

Erst am 1. Juni wurde die Anlaufstelle, die Teil der Arbeit der Beratungsstelle Mittelholstein der Diakonie Altholstein und am Alten Kirchhof angesiedelt ist, ins Leben gerufen. Dafür wurden aus Bundesmitteln für das laufende Jahr 85  000 Euro bewilligt. Doch für 2017 wurden die erforderlichen Mittel bisher nicht in den Bundeshaushalt eingestellt. „Erst im November soll entschieden werden, ob die Arbeit weitergehen kann“, erklärt Heinrich Deicke, Geschäftsführer der Diakonie Altholstein.

Der Bedarf für die Hilfe ist ungebrochen. Zurzeit werden 15 Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 65 Jahren betreut. Sie kommen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Serbien und Tschetschenien. Die meisten sind Männer. Die PSA leistet für die traumatisierten Flüchtlinge doppelte Unterstützung: Sie können dort sowohl psychologische als auch sozialpädagogische Beratung erhalten. Die Gespräche finden mit Hilfe von Dolmetschern statt. Meist sind es wöchentliche Termine. Alle Hilfesuchenden haben in ihrer Heimat oder auf der Flucht traumatisierende Erfahrungen gemacht, wurden oft Opfer von Gewalt oder Folter. Viele leiden in den Unterkünften unter mangelnden Rückzugsmöglichkeiten. Unsicherheiten im Asylverfahren und die Isolation verstärken die seelische Belastung, wissen Cornelia Sohlich, die als Soziologin die Klienten sozialpädagogisch betreut, und der Psychologe Milan Goetze. Beide teilen sich seit Sommer die bis Ende des Jahres finanzierte Stelle. Die betroffenen Flüchtlinge werden meist von Betreuungskräften in den Flüchtlingsunterkünften geschickt. Sie kommen aus Neumünster, Boostedt und Kiel. Neben der PSA in Neumünster gibt es im Land nur noch eine weitere in Kiel.

Die Schließung würde die langfristig angelegte Begleitung der Betroffenen gefährden und alles, was die Fachleute in Weiterbildung investiert haben, ad absurdum führen, so die Beteiligten. „Die Zahl der Klienten wird steigen“, warnt Gundula Deicke, Leiterin des Beratungszentrums. Denn ab 2017 werden Flüchtlinge dauerhaft in Neumünster wohnen. Und ein Trauma bricht oft erst nach Jahren auf.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 11:00 Uhr

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