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Holsteinischer Courier

26. März 2017 | 11:24 Uhr

Aukrug : Tivoli-Wirt wird bedroht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Frauke Petry (AFD) tritt heute Abend in Aukrug auf.

Aukrug | In Aukrug leben knapp 3800 Menschen. Ein beschaulicher Ort, der heute Abend Schauplatz von Tumulten und Ausschreitungen werden könnte. Der Grund: Die Alternative für Deutschland (AFD) stattet dem nördlichsten Bundesland zum Auftakt des Wahlkampfes einen Besuch ab und macht Halt in Aukrug. Die Autonome Antifa-Koordination Kiel hat auf ihrer Internetseite zur „antifaschistischen Gegenmobilisierung“ aufgerufen. Der „Tivoli“-Wirt, in dessen Gaststätte die Versammlung stattfindet, soll bereits von Unbekannten massiv bedroht worden sein.

Eigentlich wollte die Partei-Vorsitzende Frauke Petry heute Abend im Kieler Schloss das Wort ergreifen – von dort gab es jedoch kurzfristig eine Absage. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt. Die Organisatoren wurden bei der Suche nach einer Alternative schließlich in Aukrug fündig: Die Wahlkampfveranstaltung, für die man sich im Internet anmelden muss, findet im Dorfzentrum in der Gaststätte Tivoli statt.

„Ich bekam am Mittwoch einen Anruf. Anschließend haben sich einige Parteimitglieder die Räumlichkeiten angesehen“, berichtet Sven Lohse, Pächter des „Tivoli“. Er habe kein Problem damit, der AFD seinen Saal zu vermieten, so der Gastronom. „Die AFD ist eine demokratische Partei, die nicht verboten ist. Das muss man respektieren.“ Nachdem bekannt wurde, dass die Wahlkampfveranstaltung in seiner Gaststätte stattfindet, sieht er sich mit massiven Bedrohungen konfrontiert. „Es wird damit gedroht, dass der Saal gestürmt wird, Farbbeutel und Molotow-Cocktails fliegen oder ein Güllewagen über den Gästen ausgekippt wird“, berichtet Lohse. Er hat die Kripo deswegen eingeschaltet. „Und das alles nur, weil ich einen Raum an eine Partei vermietet habe“, so der Gastwirt. „Ich möchte mir meine Meinung selbst bilden, aber das geht nicht, wenn ich bedroht werde“, sagt der Aukruger, der selbst in keiner Partei ist.

Von einer „ganz problematischen Geschichte für das Dorf“ spricht Nils Kuhnke, Bürgermeister von Aukrug. Das Amt habe jedoch keine Einwirkungsmöglichkeiten, ihm seien die Hände gebunden. „Wir leben in einer Demokratie, da müssen Menschen ihre Meinung äußern dürfen.“ Ihm liege es sehr am Herzen, dass die Veranstaltung „ordentlich, vernünftig, demokratisch und vor allem gewaltfrei“ über die Bühne gehe.

Dafür will die Polizei Sorge tragen. „Noch sind wir in der Vorbereitungsphase, weil uns die Information sehr kurzfristig erreicht hat, dass die Versammlung in Aukrug stattfindet“, berichtete gestern Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Es würden aber „ausreichend“ viele Polizeikräfte abgestellt, um ihren Aufgaben nachzukommen. „Dazu gehört der Schutz des Versammlungsrechts, die Abwehr von Gefahren und die Verfolgung von Straftaten, sollte es dazu kommen“, so Hinrichs. Die ausgesprochenen Drohungen nehmen die Beamten ernst. „Wir werden mit starken Kräften präsent sein. Da steht nicht nur ein Streifenwagen“, kündigte er an.

Obwohl Sven Lohse damit rechnet, dass zumindest sein Gebäude Schäden davontragen wird, will er die Versammlung nicht absagen. „Auf die Idee würde ich nicht kommen. Immerhin habe ich einen Vertrag unterzeichnet, und daran halte ich mich.“

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erstellt am 03.Mär.2017 | 07:05 Uhr

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