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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Tierauffangstelle in Neumünster : Tierwohl gefährdet: Stadt schließt Heim, Tiere müssen umziehen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zu viele Mängel, fehlende Qualifikation, keine Reaktion auf Auflagen. Die Fundtiere ziehen alle ins Kieler Tierheim um.

Neumünster | Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hat die Stadt am Mittwoch durchgegriffen: Die Veterinäraufsicht hat dem Tierschutzverein den Betrieb der Tierauffangstelle im Stadtwald untersagt. Fundtiere dürfen dort nicht mehr angenommen werden. „Diese Maßnahme geschieht im Sinne des Tierwohls“, teilte die Stadt dazu mit.

Seit etwa zwei Jahren hat die Veterinäraufsicht mehrfach Mängel in der Einrichtung festgestellt und deren Leitung sowie den Tierschutzverein aufgefordert, sie abzustellen. Das sei nicht geschehen, sagten Amtstierärztin Dr. Bettina Kohnen-Gaupp und Holger Schwark, Abteilungsleiter im Fachdienst Ordnung. Die Mängel beziehen sich demnach auf „die vorhandenen Räumlichkeiten, deren Einrichtungen, die Hygiene und das Tiergesundheitsmanagement“.

Beispielsweise ist der vorgeschriebene Quarantäneraum nicht vorschriftsmäßig. „Dort ist die falsche Ausstattung, es fehlt an Schutzkleidung und entsprechenden Desinfektionsmitteln“, sagte Bettina Kohnen-Gaupp. Dort könne man kranke Tiere nicht ordnungsgemäß aufnehmen und überwachen, ohne eine Ansteckung anderer Tiere zu riskieren.

Am schwersten wiegt für die Stadt, dass das Tierheim keine qualifizierte Leitung hat. Seit dem Frühjahr arbeitet sich dort Christina Adamek ein. Sie hat zwar viel Erfahrung in der Arbeit mit Tieren, aber formal nicht die erforderliche Qualifikation. „Damit ist die Tierauffangstelle nicht im Besitz einer Erlaubnis für das Halten von Tieren nach dem Tierschutzgesetz“, sagte die Amtstierärztin vor der Presse. Und es sei im Verein auch kein Plan zu erkennen, wie das Problem gelöst werden könne. „Eine neue Erlaubnis kann derzeit nicht erteilt werden“, teilte die Stadt mit.

Gab es konkrete Fälle von vernachlässigten, kranken oder gequälten Tieren? Darüber wollten die Amtstierärztin und der Ordnungsamtschef am Mittwoch vor der Presse aus Datenschutzgründen keine Angaben machen. Nur so viel: „Dass es in der Tierauffangstelle keine vernünftige Struktur und keine Organisation gibt, geht zu Lasten der Tiere“, sagte Holger Schwark.

Es hat in den vergangenen zwei Jahren offenbar viele Gespräche zwischen dem Verein und der Stadt gegeben. Auch Vermittlungsversuche des damaligen Stadtrats Günter Humpe-Waßmuth und selbst die Einschaltung von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras haben nicht zu Lösungen geführt. Hilfsangebote bei Umbauten, für die Einrichtung einer EDV oder auch finanzieller Art seien von der Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Gisela Bünz, abgelehnt worden, so die Vertreter der Stadt.

Der Tierschutzverein betreibt die Tierauffangstelle seit Jahrzehnten. Im Auftrag der Stadt kümmert er sich dort um Fundtiere und bekommt dafür 31.000 Euro im Jahr vergütet. Im vergangenen Jahr waren es etwa 180 dieser herrenlosen Tiere. Außerdem kümmert sich der Verein um viele andere Tiere, die aus schlechter Haltung kommen, gerettet oder freiwillig dort abgegeben werden. Das Grundstück im Stadtwald gehört der Stadt und ist mit einem Erbpachtvertrag langfristig und zweckgebunden an den Verein vergeben.

Die Schließung ist laut Stadt ausdrücklich vorübergehend. „Wir hoffen, dass der Verein seine Hausaufgaben macht. Wir haben ja ein Interesse daran, hier eine Tierauffangstelle zu haben“, sagte Holger Schwark.

Der Verein ist aufgefordert worden, der Stadt zügig eine Liste der Fundtiere im Heim zu übermitteln. Die werden dann in das Kieler Tierheim gebracht. Über die Tiere, die in Umlandgemeinden aufgegriffen und nach Neumünster gebracht wurden, müssen sich die jeweiligen Bürgermeister jetzt Gedanken machen. Sie haben dafür sechs Wochen Zeit – ebenso wie der Tierschutzverein selber, der alle übrigen Tiere woanders unterbringen muss.

Ab sofort können herrenlose Tiere nach telefonischer Absprache (Tel. 0151-54 86 37 59, montags bis sonnabends von 17 bis 19 Uhr) beim Verein „Tierhilfe Neumünster e.V.“ an der Plöner Straße 141 abgegeben werden. Alternativ nimmt das Tierheim Kiel, Uhlenkrog 190 (Tel. 0431/52 54 64), Fundtiere aus Neumünster an.

Wie der Tierschutzverein auf die Schließung reagiert, lesen Sie hier.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 08:00 Uhr

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