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Holsteinischer Courier

25. März 2017 | 22:58 Uhr

Weniger Besucher : Tierpark kratzt an den eisernen Reserven

vom

Durch Bauschäden und weniger Besucher sank die Liquidität um über 100 000 Euro auf nur noch 77.000 Euro.

Neumünster | Das Vermögen des Tierparks ist im vergangenen Jahr um fast 60 Prozent auf nur noch gut 77000 Euro zurückgegangen. Und es könnte, wenn sich die Einschätzungen des Vorstands bestätigen, dieses Jahr um weitere 20 000 Euro schrumpfen. Diese Zahlen präsentierte Schatzmeister Henning Wannagat den 77 Mitgliedern und 16 Gästen am Montagabend bei der Jahreshauptversammlung der Tierparkvereinigung im Bistrorant.

Grund für das schlechte Ergebnis ist laut dem einstimmig wiedergewählten Vorsitzenden Dr. Klaus-Joachim Poweleit vor allem „eine erhebliche Vernachlässigung“ der Gebäude in den vergangenen Jahren. „Uns bricht hier einiges unter den Händen weg“, sagte er. Daher werde auch in diesem Jahr ausschließlich renoviert und saniert. Neubauten stünden nicht an.

Spontan handeln musste der Tierpark etwa, als im Sommer vergangenen Jahres Schäden am sogenannten Eulengang hinter dem Mähnenwolf-Gehege entdeckt wurden. „Die  Dachbalken waren morsch, das Dach drohte einzustürzen. Die Tierpfleger begaben sich jedes Mal in Lebensgefahr“, sagte Poweleit. Trotz Unterstützung von vielen Neumünsteraner Firmen und Privatleuten musste der Tierpark zunächst knapp 40 000 Euro auf den Tisch legen. Bezahlt ist der komplette Neubau damit aber laut Wannagat noch nicht. Weitere Rechnungen werden in diesem Jahr fällig. Belastet wurde der Etat des vergangenen Jahres zudem durch eine alte Baulast. Die 2013 erfolgten Pflasterarbeiten vor dem neuen Eingangsgebäude waren noch nicht vollständig beglichen. Hier flossen 13 000 Euro an eine Firma. 

Zudem gingen die Besucherzahlen wie berichtet auf ein neues Zehn-Jahres-Tief zurück (siehe Grafik). Von den rund 135 000 Gästen im Stadtwald zahlten knapp 108 000 Eintritt. Die Einnahmen in diesem Bereich sanken trotz einer Preiserhöhung damit um gut 9000 Euro. „Das lag eindeutig am Wetter. Ostern und Pfingsten waren verregnet und kalt. Dann kommt eben keiner“, erklärte Poweleit, der eine Statistik zur Sonnenscheindauer für das vergangene Jahr präsentierte. „Mir sind daher zehn Liter Regen an einem Tag lieber, als ein Liter Regen an zehn Tagen“, erklärte er.  Auch Sonderveranstaltungen wie zwei Pokémon-Abende (der Courier berichtete) retteten die  Zahlen nicht mehr.

Weniger Besucher bedeuteten auch weniger Umsätze im Zoo-Shop. Die Erlöse durch den Verkauf von Teddys, Biberstämmen und Postkarten sanken um knapp 10 000  auf etwa 44 500 Euro.

Richtige Einbrüche von gut 30 Prozent gab es zudem sowohl beim Absatz von Jahreskarten und bei den Kindergeburtstagen, gab Viola Effenberger, Verwaltungschefin des Tierparks,  bekannt.  Statt  1146 Kinder in 2015 wollten nur noch  721 mit Pinguinen, Affen und Elchen feiern. „Das ist vielleicht mittlerweile nicht mehr in Mode“, spekulierte sie. Die Einnahmen durch Spenden und Erbschaften gingen um fast 24 Prozent auf knapp 155 000 Euro zurück. Kleiner Lichtblick: Nachdem bereits 2015 knapp 300 Mitglieder neu in den Verein eintraten, waren es im vergangenen Jahr noch einmal 200. Die Mitgliederzahl liegt jetzt bei knapp 2900.

Insgesamt gingen die Einnahmen des Tierparks 2016 im Vergleich zu 2015 um gut 61 000 Euro  auf  fast genau eine Million Euro zurück.  Die Ausgaben stiegen in diesem Zeitraum um gut 6000 Euro auf 1,03 Millionen Euro. Während die Betriebskosten erstmals seit Jahren gedrosselt werden konnten, schnellten die Personalkosten um fast 50 000 Euro in die Höhe. Drei zusätzliche befristete Arbeitsstellen sowie drei neue Auszubildende wurden eingestellt. „Hier wollen wir in diesem Jahr aber wieder auf das Niveau von 2015 zurück“, sagte Klaus-Joachim Poweleit.

Erfreuliches konnte die zoologische Leiterin, Verena Kaspari, vermelden. Mit den Mähnenwölfen, den Eurasischen Zwergmäusen und den Kaiserschnurrbarttamarinen  eroberten drei neue Arten das Gelände. Zwei Elchkühe, ein Wisent-Bulle, ein Rentier-Hirsch und ein weiblicher Seehund kamen aus anderen Zoos. Insgesamt erblickten über 50 Jungtiere das Licht der Welt. Auf die Auswilderung von Wisent-Bulle Hokan in Rumänien ging Verena Kaspari noch einmal gesondert ein. „Das war ein tolles Erlebnis, bei dem ich dabei war. Wir werden an diesem Auswilderungsprojekt auch weiterhin teilnehmen.“

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erstellt am 15.Mär.2017 | 08:15 Uhr

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