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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 13:01 Uhr

Schnellere Urteile : Tätern wird kurzer Prozess gemacht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Beschleunigte Verfahren am Amtsgericht sollen erweitert werden / Einbrecher nach drei Tagen verurteilt

Neumünster | Am Mittwoch hatte er sich gegenüber Amtsgerichtsdirektor Andreas Martins noch lautstark beschwert: In Deutschland komme man nicht für einen Diebstahl in Haft, sondern müsse nur eine Geldstrafe bezahlen. Gestern im Gerichtssaal und nach einer Nacht im Gefängnis zeigte sich der Rumäne dann äußerst kleinlaut. Er wisse, dass Deutschland harte Gesetze habe, sein Handeln täte ihm leid, er bitte um Gnade.

Erst am Montag war der 32-Jährige gemeinsam mit einem noch flüchtigen Komplizen im Orient-Markt an der Christianstraße eingestiegen und hatte 250 Euro in Münzen erbeutet. Ein Mitarbeiter des Geschäftes hatte den Einbruch bemerkt und die Polizei gerufen, die den Mann nach kurzer Flucht festnahm (der Courier berichtete). Schon gestern verurteilte ihn das Amtsgericht nach einem knapp einstündigen Prozess nun zu vier Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. „Hätten wir Sie nicht in Haft genommen, wären Sie längst über alle Berge und nicht hier“, begründete Martins das beschleunigte Verfahren.

Es war das zwölfte, seit im April das Sonderdezernat Schnellverfahren unter seiner Führung eingerichtet wurde. Mit im Boot sitzen Dr. Christian Mohr und Birgit Preuß von der Kieler Staatsanwaltschaft sowie die Mitarbeiter beim Amtsgericht. „Wir nutzen damit die rechtlichen Möglichkeiten, bei einfachen Sachverhalten die Täter schnell verurteilen zu können“, erklärte Martins nach der Verhandlung. Der Prozess könne im Extremfall sogar am Tag der Tat abgehalten werden. Die Strafe folge also „auf dem Fuß“. Und diese kurzen Prozesse will das Sonderdezernat nun erweitern. „Die Zusammenarbeit klappt hier in Neumünster hervorragend. Wir wollen das Procedere nicht nur bei Diebstählen, sondern auch bei Verkehrsverstößen oder auch bei einfachen Körperverletzungen anwenden“, erklärte Christian Mohr, der als Staatsanwalt fünf Monate für den rumänischen Dieb gefordert hatte.

Weder er noch Martins nahmen dem Angeklagten dessen Version ab, dass er erst am Sonntag aus Rumänien nach Neumünster gekommen sei, um seine Tante zu besuchen. Ein Bekannter habe ihn dann spontan zu dem Einbruch überredet. Vorher habe er Drogen konsumiert, hatte der schmächtige Mann erklärt. Noch in Handschellen in den Gerichtssaal geführt, konnte er diesen zwar als freier Mann verlassen, dennoch gab ihm Martins mit auf dem Weg: „Werden Sie hier in der Stadt nochmal geschnappt, gehen Sie wieder hinter Gitter.“

Er setze mit den beschleunigten Verfahren auf die abschreckende Wirkung, sagte Martins, fügte aber auch hinzu: „Wir sind in Neumünster so etwas wie ein gallisches Dorf. Die Täter werden wohl ins Umland und auf andere Städte ausweichen.“

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erstellt am 04.Nov.2016 | 07:00 Uhr

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