zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Jahresbilanz : SWN setzen auf Telekommunikation

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadtwerke steigern den Gewinn nach Steuern auf 4,4 Millionen Euro. Die „Dividende“ an die Stadt soll künftig wieder gewinnabhängig sein

Neumünster | Die Stadtwerke (SWN) bewegen sich weiter auf Wachstumskurs: Erstmals überstieg der Umsatz des stadteigenen Versorgungsunternehmens 2015 die 200-Millionen-Grenze: Er stieg um 14,2 Prozent auf 218 Millionen Euro. Der Gewinn nach Steuern kletterte von 1,75 Millionen (2014 ) auf 4,45 Millionen Euro. Diese Zahlen stellte der scheidende Geschäftsführer der SWN, Matthias Trunk, gestern in seiner letzten Jahresbilanz vor. Er verlässt das Haus zum 31. August und geht als Vertriebsvorstand zu den Berliner Gaswerken (wie berichtet).

Trotz des starken Gewinnsprungs wird sich die Stadt als 100-prozentige Eigentümerin ihrer GmbH künftig wieder auf schwankende Gewinnüberweisungen einstellen müssen. Zum letzten Mal wird in diesem Jahr die vor fünf Jahren festgelegte Gewinnabgabe von 2,02 Millionen (netto 1,7 Millionen) Euro an die Stadtkasse überwiesen. Künftig soll die „Dividende“ wieder gewinnabhängig gezahlt werden.

„Die SWN sind kein Dax-Unternehmen, auch wenn das mancher so empfinden mag“, sagte Trunk. Gerade in jüngster Vergangenheit habe sich gezeigt, dass auch Stadtwerke in Schieflage geraten könnten, erläuterte der SWN-Chef und verwies auf das Beispiel Lübeck. In der Folge schauten die Banken verstärkt auf eine gesunde Eigenkapitalquote der Versorger. Andererseits stünden die Versorgungsunternehmen vor großen Investitionen, müssten also mehr Fremdkapital aufnehmen. Das zwinge wiederum dazu, das Eigenkapital anzupassen, erklärte Trunk.

Auch die Stadtwerke investieren weiterhin kräftig: 27,5 Millionen Euro flossen 2015 vor allem in den Ausbau des Breitbandnetzes (10,9 Millionen), in neue Fernwärmeleitungen (7,3 Millionen) oder weitere SWN-Gesellschaften (6,8 Millionen Euro), etwa zur Anschaffung neuer Busse für den Linienverkehr.

Vor allem das Strom- und Gasgeschäft hat laut Trunk zum Gewinn beigetragen: Der Stromabsatz kletterte 2015 gegenüber dem Vorjahr um 8,9 Prozent, der Gasabsatz sogar um 14,5 Prozent – bei weiter steigendem Trend: Vergleicht man nur das 1. Halbjahr 2016 mit den ersten sechs Monaten 2015 liegt der Zuwachs sogar bei 16,1 Prozent (Strom) und 19,2 Prozent (Gas). Trunk führt das vor allem auf die Anwerbung wichtiger Großkunden zurück, aber auch in der Region eroberten die SWN mehr und mehr Kunden. Aus SWN-Sicht dabei besonders erfreulich: Einer Kundenumfrage (aus 2014) zufolge wollen drei von vier Kunden (Stromkunden 75 Prozent, Gaskunden 78 Prozent) den SWN auf jeden Fall treu bleiben. Jeder zweite Kunde würde die SWN als Versorger weiterempfehlen.

„Die Zahlen belegen, dass wir in den klassischen Sparten der Energieversorgung gut aufgestellt sind“, unterstreicht Trunk. Das sei umso wichtiger, da der stark regulierte Energiemarkt mit politischen Unsicherheiten bei zunehmendem Wettbewerb zu kämpfen habe. Der bereits vor Jahren eingeleitete Kurs der Stadtwerke, sich strategisch breiter aufzustellen, sei deshalb richtig gewesen, sagte Trunk.

Tatsächlich entwickeln die Stadtwerke die Telekommunikation zu einem immer wichtigeren Standbein. „Der Ausbau des Glasfasernetzes und der Betrieb der Dienstleistungen Internet, Telefon und TV sind mehr und mehr eine wichtige Säule unseres Geschäfts“, stellte der SWN-Chef klar.

Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Der Umsatz in diesem Geschäftsfeld stieg von 2014 auf 2015 von 10 auf 23,9 Millionen Euro. Zu einem Großteil ist das auf die starke Bautätigkeit zurückzuführen, zugleich steigt aber die Zahl der Kunden rasant. Allein 2015 schlossen die Stadtwerke über 5400 Kunden an ihr schnelles Netz an, so dass jetzt 13 300 Kunden das SWN-Glasfasernetz nutzen. Mit 21 400 Verträgen haben die SWN mittlerweile mehr Glasfaser- als Gaskunden. Geplant ist, die Zahl der Anschlussnehmer bis 2020 auf 68 000 zu steigern. Matthias Trunk wagt eine kühne Prognose: „In fünf Jahren werden die SWN 50 Prozent ihrer Gewinne aus dem Bereich Telekommunikation schöpfen.“

 

STANDPUNKT

Von Jens Bluhm

Es  gab Zeiten, da waren Stadtwerke  für Wasser, Strom und  Wärme ihrer Kommune zuständig – und eigentlich konnten sie  nicht  viel  falsch machen, weil ihnen niemand dieses Geschäft streitig machte. Diese Zeiten kommen nicht wieder. Der Wettbewerb  auch in der Grundversorgung macht den Verbraucher ein Stück mündiger, aber  klassischen Stadtwerken, die die  Zeichen der Zeit verkannt haben, das Leben schwer. Die SWN gehören nicht zu dieser Gruppe, ein Glück für die Neumünsteraner.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 20.Jul.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen