zur Navigation springen

Dr.-Hans-Hoch-Strasse : Streit um freien Blick auf die Schwale

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt will einen alten Knick an der Dr.-Hans-Hoch-Straße neu bepflanzen. Die Anlieger fühlen sich getäuscht und drohen mit Klage.

Neumünster | Der Blick durch die Panoramascheibe des Wohnzimmers hat etwas: Besonders am frühen Morgen und in der Abenddämmerung trauen sich die Rehe auf die offenen Wiesen vor der Schwale, die in eleganter Schleife durch die Niederung fließt. Über den naturbelassenen Uferzonen kreisen Vogelschwärme, manchmal auch Reiher oder Kormorane. Nicht zuletzt wegen dieser Ausblicke auf die Natur inmitten der Stadt hat Dr. Ismail Yildiz sich gerade für dieses Fleckchen entschieden, als er 2009 nach einem passenden Baugrundstück in Neumünster suchte. Gezielt wählte der Kinderarzt ein Grundstück auf dem ehemaligen Gelände der Vereinigten Aluminium-Werke (VAW), das einen beeindruckenden Blick ins Schwaletal bot. Dafür war der Chefarzt der FEK-Kinderklinik auch bereit, einen „etwas höheren Grundstückspreis“ zu zahlen. Yildiz vertraute damals auf die im Bebauungsplan enthaltene Beschreibung einer „freien Sichtschneise zur Schwaleniederung“ – und sieht sich heute bitter getäuscht.

Denn setzen sich die Grünflächenplaner der Stadt durch, dürfte es mit dem freien Blick von seinem Wohnzimmer bald vorbei sein. Die Stadt will acht Jahre nach der Entwicklung des Baugebietes einen alten Knick wieder herstellen, der das ehemalige VAW-Gelände einst zur Schwaleniederung abgrenzte. Das hatte die Stadt zwar auch im B-Plan angekündigt, aber dass damit auch – im Widerspruch zum Bebauungsplan – die Sicht auf die Schwaleniederung verdeckt würde, davon sei nie die Rede gewesen, so Yildiz.

Er will daher nur kleinere Gehölze wie Hundsrose oder Brombeere als Knickpflanzen akzeptieren, nicht aber wesentlich höher wachsende Flieder- oder Weißdornbüsche, wie von der Stadt vorgesehen. Dass die sich darauf nicht einlassen will, hat sie inzwischen durch Fakten deutlich gemacht: Eine Brombeerhecke, die sich auf dem Knickstreifen entwickelt hatte, wurde kürzlich gerodet, weil die Brombeere eben nicht zu den knicktypischen Gehölzen gehöre.

Heiner Feilke, bei der Stadt für die Grünflächenplanung verantwortlich, hält die Neubepflanzung gleichwohl für unerlässlich, um Natur und Landschaftsschutz sicherzustellen, aber auch um die Gleichbehandlung der Bürger zu gewährleisten. Die Knicks hätten eine wichtige ökologische Bedeutung, ihre Vernetzung werde daher auch innerorts soweit wie möglich erhalten. Die Stadt habe bei der Aufstellung des Bebauungsplanes ganz bewusst auf die Wiederherstellung des Knicks bestanden, zumal die Schwaleniederung ein empfindliches Ökosystem darstelle, verteidigt Feilke die späte Wiederaufforstung. Die Stadt sei den Anwohnern an der Dr.-Hans-Hoch-Straße schon weit entgegengekommen. So verzichte die Kommune beim Wiederaufbau des Knicks etwa auf den etwa 1,50 Meter hohen Knickwall und plane nach Protesten der Anlieger auch keinen geschlossenen Gehölzriegel mehr, sondern fasse die neu zu pflanzenden Gewächse zu mehreren Paketen zusammen. Damit sei der Spielraum der Stadt aber auch ausgeschöpft, sagt Feilke.

Yildiz will sich sich damit nicht abfinden. Er fühlt sich von der Stadt getäuscht und weiß dabei auch viele Nachbarn an seiner Seite. Nach mehreren vergeblichen Gesprächen hat er daher jetzt seinen Anwalt eingeschaltet: „Notfalls werden wir gegen den Bebauungsplan klagen!“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen