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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 05:05 Uhr

Brügge : Steine zeugen von der Erdgeschichte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Exponate aus der Kiesgrube in Negenharrie wurden nach Brügge gebracht.

Brügge | Es ist zwar keine Reise zum Mittelpunkt der Erde, wie sie der visionäre Schriftsteller Jules Verne 1864 verfasst hat. Aber eine höchst interessante Reise durch die Geschichte der Erde wird man dennoch machen, wenn man bald durch den Steingarten gehen kann, der vor dem Museum „Tor zur Urzeit“ in Brügge entsteht. Dort werden etwa 40 uralte Zeugen als Vertreter der Erdzeitalter die Entwicklung der Welt dokumentieren.

„In Schleswig-Holstein gibt es bisher vier weitere Findlingsgärten. Wir erfüllen uns mit unserem Garten einen lang gehegten Wunsch“, sagte Dr. Gerald Kopp, Diplom-Geologe und wissenschaftlicher Leiter des Museums für Erdgeschichte in Brügge. Noch liegen die mächtigen Brocken und handlichen Steine ungeordnet auf dem Vorplatz an der Dorfstraße 4. „Sie werden ästhetisch ansprechend aufgebaut und mit Schildern gekennzeichnet. Eine Schautafel soll Auskünfte über Zusammensetzung und Alter der Steine geben, außerdem möchten wir Bänke aufstellen, so dass man dort auch Kaffee und Kuchen genießen kann“, schilderte Gerald Kopp den Plan.

„Wir wollten von den vielen hundert Gesteinsarten Exemplare haben. Feuersteine, Gneise und Granite sind in Norddeutschland zu je einem Viertel zu finden. Den Rest machen zum Beispiel Lavasteine aus wie Basalte oder Porphyre“, erklärte der Experte. Gefunden haben Gerald Kopp und Siegfried Brettschneider vom Museumsverein ihre Exponate in der benachbarten Kiesgrube Dohrn/Eggers in Negenharrie, die auch den Transport der schweren Last übernommen hat. „Das Teuerste ist der Transport. Er hat sicher Kosten im vierstelligen Bereich verursacht und wurde uns geschenkt“, sagte Gerald Kopp erfreut.

Der Hingucker unter den Steinen ist ein mächtiger Gneis, den der Experte auf etwa 20 Tonnen Gewicht einschätzt. Er musste mit einem Spezialkran auf den Laster gehievt werden. „Er ist über eine Milliarde Jahre alt“, so der Wissenschaftler. Etwa ebenso alt ist ein etwa zehn Tonnen schwerer Granit, der in 1000 Kilometern Tiefe entstanden ist. „Feldspat, Quarz und Glimmer – die drei vergess’ ich nimmer“, erinnerte der Geologe an die Eselsbrücke für die Zusammensetzung des magmatischen Granits. Auch Gneise besäßen diese Mineralien, haben aber zudem noch einen Anteil Granat. Die rötliche Färbung beim Gneis komme aber von den Feldspaten, so Kopp. Nach Schleswig-Holstein sind die Steine übrigens noch vor gar nicht so langer Zeit gekommen. „Findlinge sind die Hauptzeugen der letzten Eiszeit vor etwa 18  000 Jahren. Gletscher aus Schweden haben die Steine hierher geschoben“, erklärte Kopp. Die Endmoräne, also das, was liegen bleibt, wenn die gigantische Gletscherwand sich nicht mehr bewegt, verlief etwa bei Flintbek und Blumenthal.


> Das „Tor zur Urzeit“, Dorfstraße 4 in Brügge, hat geöffnet am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Infos gibt es unter www.torzururzeit.de

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