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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 21:27 Uhr

Nigel Kennedy : Star-Geiger pfeift auf Konventionen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

2300 Besucher tobten am Montagabend beim Auftritt von Nigel Kennedy in der Holstenhalle.

Neumünster | „Er ist der Wahnsinn! Ich habe ja schon viel über ihn gehört, aber dass er so genial, witzig und locker wirkt, hätte ich nicht gedacht“, sagte Kerstin Weber (19) aus Satrup. Sie stand am Montagabend in der Holstenhalle mit ihrer Meinung über den Star-Geiger Nigel Kennedy (59) nicht alleine da: 2300 Besucher brachten bei seinem Konzert „The new seasons“ im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals die Halle zum Kochen.

Der extravagante Brite kam äußerlich wie ein fidelnder Clochard daher: Mit abgetragener Cargo-Hose, neongelben Turnschuhen, in denen eine blaue und eine rote Socke steckten, einem gelben XL-Pulli und der abgerissenen schwarzen Jacke aus Ballonseide veräppelte der Weltstar die tradierten Vorstellungen vom Klassikliebhaber im Maßanzug. Die gerissenen Bogenseiten betonten das Bild des Künstlers, der in seiner Musik aufgeht und auf Konventionen pfeift. Natürlich hatte die Show Methode, und die kam beim Publikum richtig gut an. Der Punk-Geiger wollte ein lockeres Publikum, und das bekam er.

Gestenreich bewegte er sich auf der Bühne, reckte die Faust in die Höhe, machte das Victory-Zeichen, schäkerte mit dem Publikum. In Hip-Hop-Manier begrüßte Nigel Kennedy sein grandioses Orchester mit Faustschlag, die Russische Kammerphilharmonie Sankt Petersburg ließ sich auf die Posen ein. „Ich finde es ganz großartig, dass er die Klassik aus der elitären Ecke heraus holt. Musik mag doch jeder, und er macht sie allen zugänglich“, beschrieb Ingrid Geske aus Kiel den besonders Reiz von Nigel Kennedys Bühnenshow.

„Phänomenal! Man fühlt, dass da richtig viel Herzblut geflossen ist. Ich finde die Stücke auch nicht zu poppig“, sagte Alfred Roden (58) aus Rendsburg begeistert. Wer die klassischen Anteile von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in dem reichlich mit Jazz und Weltmusik durchzogenem ersten Teil vermisste, wurde nach der Pause entschädigt. Leger mit einem Kaffeebecher in der Hand kam das Enfant terrible entspannt auf die Bühne, faltete aus seinem Programmblatt einen Flieger und rockte los. Spielend leicht wechselte der Virtuose zwischen den Musikstilen-wo eben noch wildes Improvisieren war, ging er schlagartig über in Vivaldis berühmten Frühling.

Das Publikum tobte vor Begeisterung, verlangte mit Applaus, Fußgetrappel und Gejohle Zugaben. Als die kamen, hielten es viele Gäste nicht mehr auf ihren Plätzen aus. Gesetzte Herrschaften und junge Leute strömten nach
vorne, machten Fotos, jubelten und manche setzten sich vorne auf den Boden. Ganz im Sinne des Künstlers, der den Zuschauern sagte: „You are a great audiance“– „Ihr seid ein Spitzenpublikum!“

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