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Holsteinischer Courier

25. August 2016 | 02:55 Uhr

Faldera : Stadt will sich um Grabsteine kümmern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hinterlassenschaften stammen vom Vorläufer eines Granitwerks an der Ehndorfer Straße

Neumünster | „Erst sah ich einen Kühlschrank, dann Berge von alten Grabsteinen im Wald liegen – ein Gruselkabinett“, sagt Daniel Friederichs. Was der Einfelder jetzt bei einem Spaziergang mit seinem Hund am Bahndamm in Faldera bemerkte, hat nicht den Ruch von Grabschändung, wird jetzt aber die Umwelt- und Abfallbehörde der Stadt beschäftigen.

Falderaner kennen die Grabsteine dort schon seit vielen Jahren. Sie sind aus den 1930er- bis 1960er-Jahren liegen auf städtischem Grund und stammen von einer Vorgängerfirma der heutigen Granit- und Mamorwerke Gaedke an der Ehndorfer Straße 197. Günter Gaedke ist der Chef des Hamburger Unternehmens mit dem Werk in Neumünster und beruft sich auf eine Vereinbarung mit der Stadt.

Matthias Trauzold von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt bestätigt einen Kompromiss. Die Steine lägen dort schon „seit Urzeiten“, stammen noch von der Vorgängerfirma und seien aus ökologischer Sicht unbedenklich. Sie dürften „in einem bestimmten Bereich und einer bestimmten Menge dort auch liegen bleiben“, so Trauzold. Aber ob das vereinbarungsgemäß auch immer noch so ist, das will die Stadt jetzt bei einem Ortstermin auch überprüfen.

„Das Gelände gehört der Stadt, die Firma Gaedke ist nur Pächter“, sagt Trauzold und betont den „naturschutzfachlich und aus ökologischer Sicht“ wertvollen und spannenden Charakter des Gebiets. Einen offiziellen Wanderweg gibt es dort nicht, wohl aber etliche beliebte Trampelpfade, etwa von der Flensburger Straße aus.

Woher genau die Grabsteine kommen, ist unklar. Hinweise auf Neumünster gibt es in den Inschriften nicht, und eine Herkunft vom Friedhof an der Plöner Straße glaubt der Chef der Friedhofsverwaltung, Peter Lang, auch ausschließen zu können. „Wenn bei uns Gräber abgeräumt werden, kommen die Steine zunächst auf einen Sammelplatz auf dem Friedhof“, sagt Lang.

Die Steine würden dort sortiert, unbeschriftete Sockel weiter verarbeitet und zur Friedhofsgestaltung, etwa als Wegeabgrenzung, benutzt. Die anderen werden grob gebrochen oder klein geschreddert und finden als Wege- oder Kiesgranulat eine neue Verwendung. Mit den größeren Brocken sind auf dem Südfriedhof etwa die Gabionen genannten Metallgitterkörbe am Schmetterlingsgarten gefüllt. 25 Jahre ist die normale Laufzeit eines Grabes auf dem Friedhof. Einige Familien entscheiden sich aber für eine Verlängerung, sagt Lang.

Kommentar von Rolf Ziehm

Etwas mehr Pietät bitteWoher die Grabsteine in Faldera stammen, wie und warum sie zu dem Granit- und Marmorwerk gelangten, ist  wohl heute nicht mehr ganz sicher zu klären. Jetzt liegen sie – vermutlich – schon seit Jahrzehnten dort in einem ökologisch wertvollen Areal und sind als Unterschlupf für Insekten, Kröten oder Eidechsen selbst ein wichtiger Bestandteil des Biotops geworden. Es gibt wahrlich schlimmere „Altlasten“ als diese offenbar gänzlich ungefährlichen  Steine, die möglicherweise sogar neuen Lebensraum schaffen.  Doch eines stört doch an dieser  Hinterlassenschaft, und das ist der pietätlose Umgang. Die Grabsteine tragen Namen, Geburts- und Sterbedaten von Menschen. Auf dem Friedhof wird würdevoller damit umgegangen, wenn die Gräber aufgelassen sind.

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erstellt am 09.Mär.2016 | 08:30 Uhr

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