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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 01:37 Uhr

Neue Sätze : Stadt spart durch höheres Wohngeld

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mietzuschuss für einkommensschwache Haushalte wird von Bund und Land gezahlt. Stadt hofft auf weniger Unterkunftskosten für Hartz IV

Neumünster | Die Stadt spart durch die seit Jahresbeginn höheren Wohngeldsätze – allerdings wohl weniger als erhofft. Was zunächst paradox klingt, hat eine einfache Erklärung: Das Wohngeld, das eine Art Mietzuschuss für einkommensschwache Haushalte ist, wird je zur Hälfte vom Bund und vom Land gezahlt. „Je weniger Familien durch einen Wohngeldzuschuss auf Hartz IV angewiesen sind, um so besser für die Stadt“, sagt Holger Pohlmann, der Fachdienstleiter Soziale Hilfen. Bei Hartz IV zahlt die Stadt nämlich das Gros der Mietkosten.

Der Anspruch auf Wohngeld hat Vorrang vor dem auf Hartz IV. Die Stadt hat darum ein Interesse, dass Haushalte mit Anspruch das Wohngeld auch beantragen und so eventuell nicht mehr Hartz IV beziehen müssen. Das ist auch die Sicht im Jobcenter. „Wir haben uns zum Jahreswechsel mit der Wohngeldstelle der Stadt zusammengesetzt und etwa 210 Haushalte als mögliche Nutznießer der Wohngeldnovelle identifiziert. Sie wurden gebeten, Wohngeld zu beantragen“, sagt Thorsten Hippe, der Leiter des Jobcenters.

Wie viele tatsächlich aus dem Hartz-IV-Bezug fielen, lässt sich nicht genau beziffern. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, also der Haushalte, die von Hartz IV leben, ist auf Jahressicht zwar leicht um 150 gesunken, zwischen November 2015 und März mit 5500 aber nahezu konstant geblieben. Das sind zurzeit etwa 10  500 Neumünsteraner. Die Zahl der Wohngeldanträge ist dagegen durch die Gesetzesnovelle gestiegen. „Zurzeit bekommen 1400 Haushalte Wohngeld, das sind etwa 3000 Menschen“, sagt Heike Allmann von der Wohngeldstelle der Stadt.

Das ist zwar mehr als zum Jahreswechsel, als es 1250 Wohngeldhaushalte gab. Allerdings waren noch deutlich höhere Zahlen prognostiziert worden. Die letzte Anpassung vor der aktuellen Novelle gab es 2009. Auch in Neumünster waren viele Haushalte durch gestiegene Einkommen aus dem Wohngeldanspruch herausgewachsen. Gab es Ende 2012 noch 1530 Haushalte, die Wohngeld bezogen, sank die Zahl in den Folgejahren auf 1335 (2013) und bis auf 1130 Ende 2014.

Das Land hatte für Schleswig-Holstein nun hochgerechnet, dass die Zahl der Berechtigten um 50 Prozent steigen werde, und den Ansatz für die Zahlungen an die Städte und Gemeinden von 31 auf 68 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

„Diese hochgesteckten Erwartungen des Gesetzgebers haben sich bislang nicht erfüllt. Im Land nicht und in Neumünster auch nicht“, sagt Holger Pohlmann. Auch Heike Allmann fragt sich, woran das liegt. Möglicherweise seien die höheren Wohngeldsätze und Einkommensgrenzen noch nicht so bekannt. Heike Allmann: „Jeder sollte prüfen, ob er Anspruch auf Wohngeld hat.“

Wohngeld ist kein Almosen. „Ein Großteil der Bezieher ist alleinerziehend und sehr bemüht, den Lebensunterhalt selbst zu organisieren“, sagt Holger Pohlmann.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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