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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 15:24 Uhr

Ratsversammlung : SPD-Fraktionsvize Volker Andresen steht bereit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ilse Milkert rückt in die Ratsversammlung nach, wenn Uwe Döring am 15. Mai alle politischen Ämter niederlegt

Neumünster | Die Entscheidung von Uwe Döring (69) steht. Die heutige Ratssitzung ist für den Vollblut-Politiker „definitiv die letzte“, sagte Döring gestern zum Courier. Der Ex-Minister und Unternehmensberater hatte am Freitag angekündigt, sich Mitte Mai von allen politischen Ämtern zurückzuziehen, um seine ganze Kraft dem Campuspark-Projekt an der Memellandstraße zu widmen (der Courier berichtete). Das Zeitbudget sei zu umfangreich, um daneben politische Ämter auszuüben.

Döring wird dann nicht nur als Ratsherr und Vorsitzender der SPD-Fraktion zurücktreten. Auch im Hauptausschuss, der die Sitzungen der anderen Ratsausschüsse vorbereitet, werden sich die Sozialdemokraten einen neuen Front-Mann oder auch eine Front-Frau suchen müssen. Doch wer soll das sein? Sicher ist nur, dass für den Tungendorfer Döring laut Kommunalwahlliste Ilse Milkert aus Stadtmitte als erste Nachrückerin in die Ratsversammlung einziehen wird.

Über mögliche Kandidaten für den Fraktionsvorsitz mochte die SPD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Kirsten Eickhoff-Weber nicht spekulieren. Das sei allein Sache der Fraktion. „Wir haben erfahrene Leute, wir haben neue Leute, und wir haben einen klaren Kurs in Neumünster“, sagte sie. Einen genauen Termin für die Wahl des Fraktionsvorsitzenden gibt es noch nicht, sagte Karsten Schröder von der SPD-Kreisgeschäftsstelle. Ob das auf der Fraktionssitzung am 9. Mai oder am 16. Mai sein werde, sei noch offen. „Es kommen aber maximal 14 Kandidaten in Frage“, sagte der SPD-Ratsherr – so viele Ratsmitglieder hat die SPD-Fraktion. Schröder, der eigene Ambitionen verneint, glaubt nicht an eine Überraschung: „Der nötige Zeitaufwand und die nötige Geduld schränken den Kreis der Kandidaten ein.“ Der Fraktionsvorsitz sei „mittlerweile fast ein Halbtagsjob“, bestätigte Uwe Döring.

Damit deutet Vieles auf den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Volker Andresen (70) hin. Er trat dieses Amt vor etwa einem halben Jahr als Nachfolger von Axel Westphal an und ist bereit, in die Bresche zu springen. „Wenn man als stellvertretender Fraktionsvorsitzender kandidiert, kann es auch sein, dass man übernehmen muss“, sagte Andresen. „Ich bin schon gefragt worden, ob ich es machen würde. Das entscheidet aber letztlich die Fraktion“, so der frühere Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt. So schade es sei, dass Uwe Döring aufhöre, gehe die Arbeit doch weiter. Andresen: „Das machen wir unaufgeregt, es gibt noch viele Aufgaben. Ich habe mich in meinem politischen Leben nie vor Verantwortung gedrückt.“

Von der Entscheidung Dörings wisse die Fraktion erst seit vergangener Woche. Andresen: „Wir bedauern das, haben aber viel Verständnis und Respekt.“ Uwe Döring nannte als Grund für den Termin der Bekanntgabe seines Rückzugs aus der Politik den bevorstehenden Grundstücksverkauf. Das habe er nicht als SPD-Fraktionsvorsitzender machen wollen. Döring: „Meine Fraktion war natürlich nicht erfreut. Auch ich habe ein weinendes Auge, denn ich habe immer gern Kommunalpolitik gemacht.“ Die Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzender der Holstenhallen möchte Döring weiter bekleiden. Auch im Verwaltungsrat der Sparkasse Südholstein dürfte Dörings Sachverstand weiter gefragt sein. „Das andere muss man sehen“, sagte Döring mit Blick auf sein Mandat im Aufsichtsrat der Wirtschaftsagentur. Dass Uwe Döring zur Monatsmitte geht, hat auch mit Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth zu tun. Er wird am 10. Mai verabschiedet und bat darum, dass sein Freund und langjähriger politischer Weggefährte Uwe Döring für die Ratsversammlung spricht.

Standpunkt

Vollzeitjob Kommunalpolitik

Mit Uwe Döring wird ein politisches Urgestein die kommunalpolitische Bühne verlassen. Und die SPD wird Mühe haben, die  Lücke zu füllen, die der Vollblut-Politiker hinterlässt. Sein Schritt ist konsequent, denn als Berater eines millionenschweren Projekts wie des Campusparks  kann man das nicht in politischer Verantwortung tun, ohne dass da der Verdacht eines Geschmäckles aufkommt. Sollte der Campuspark kommen,  wäre das ein weiterer Leuchtturm für Neumünster.  Gut für die Stadt, dass Dörings Sachverstand und Netzwerk in Aufsichtsratsgremien  wie dem der Holstenhallen weiter erhalten bleiben. Sorgen muss machen, dass der Posten an der Spitze einer großen Ratsfraktion inzwischen so zeitaufwändig ist, dass jüngere, voll im Berufsleben stehende Frauen und Männer passen müssen. Dörings designierter Nachfolger Volker Andresen hat die Erfahrung und das Format – aber er ist auch schon 70.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 07:30 Uhr

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