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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 13:03 Uhr

Grossprojekt : Spannende Geschichte des Kanals

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

90 Gäste kamen zum Vortrag des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes in die Stadthalle.

Neumünster | Die interessante Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals lockte am Montagabend gut 90 Besucher zu einem Vortrag von Uwe Steinhoff (70) in die Galerie der Stadthalle. Der Ortsverband Neumünster des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) hatte mit dem pensionierten Kapitänleutnant der Marine einen kundigen Referenten eingeladen, der mit seinem locker vorgetragenem Wissen das Publikum zwei Stunden lang begeisterte.

Besonders reizvoll wurde die Veranstaltung durch die Projektion von über 260 Fotografien, die dokumentierten, wie mit unvorstellbarer Knochenarbeit die knapp 100 Kilometer lange künstliche Wasserstraße gebaut wurde. „Die Bilder stammen aus dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau. Viele dieser Originalfotos sind unveröffentlicht“, berichtete Uwe Steinhoff.

Die neugierigen Zuhörer erfuhren viel über noch heute sichtbare topografische Veränderungen, die der Kanalbau mit sich brachte, und bekamen einen Einblick, mit welch verblüffender Technik das im Europa des 19. Jahrhunderts einzigartige Projekt umgesetzt wurde.

Der Nord-Ostsee-Kanal ging auf den Wunsch von Kaiser Wilhelm II. zurück, der seinen Schiffen den Weg um die Kimbrische Halbinsel durch Nordsee, Skagerrak und Kattegat ersparen wollte. In nur acht Jahren, von 1887 bis 1895, schaufelten, baggerten und pflasterten zwischen 2500 und 8900 Arbeiter, um die Wasserstraße zwischen der Kieler Förde und der Elbmündung in Brunsbüttel zu bauen.

„Besonders die Situation der Arbeiter finde ich sehr interessant, darüber wusste ich noch nicht viel“, sagte der Besucher Peter Hasenbein aus Boostedt. So überraschte Uwe Steinhoff zum Beispiel mit Fotos von Menschen in großen „Hamsterrädern“, die als Antriebstechnik eine sogenannte „Muddermaschine“ bewegten, um Erde auszuheben. Für Erstaunen sorgten auch die Bilder über die nächste Bagger-Generation, die mit Dampf betrieben wurde und eine erhebliche Arbeitserleichterung bedeutete. Bis diese quadratischen und schwerfälligen Ungetüme aus Holz und Metall allerdings loslegen konnten, musste ein Rattenschwanz an Arbeit erledigt werden: Zunächst kam der Bagger am Einsatzort in Einzelteilen an und wurde zusammengebaut, was drei Monate dauerte. Außerdem konnte sich das Fahrzeug nur auf Schienen bewegen, die immer neu verlegt werden mussten. „Aber ein Bagger funktionierte nur, wenn genug Wasser und Kohle da waren. Also brauchte man Zulieferer, für die auch wieder Straßen gebaut werden mussten“, erklärte der Referent. Eine der Speditionen war ein Zweig der noch heute existenten Kieler Firma Mordhorst.

Für Verblüffung im Publikum sorgte das Foto der sogenannten „Regenbäder“, mit denen die eigens für die Arbeiter errichteten Baracken ausgestattet waren. „Den Duschen trauten die Männer nicht, insbesondere die vom Land stammenden Arbeiter waren skeptisch. Man hatte Angst vor Krankheiten“, berichtete Steinhoff. Unvorstellbar waren auch seine Schilderungen von der gefährlichen Mühsal, mit der Taucher unter Wasser Steine verlegt haben.

Uwe Steinhoffs erster Teil über den Kanalbau stieß auf so viel Begeisterung, dass Jens Kay, der Vorsitzende des Ortsvereins vom SHHB, den Anschlussvortrag ins Programm des kommenden Jahres aufnehmen will.

Die nächste Veranstaltung des Heimatbundes in der Galerie der Stadthalle findet am 26. September um 19.30 Uhr statt. Dann berichtet der Landeskonservator vom Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Michael Paarmann, über Denkmalschutz in Schleswig-Holstein.

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