zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 19:33 Uhr

Geburtshilfe : Sorgen im FEK wegen der Pläne der Krankenkassen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Krankenkassen wollen die Geburtshilfe im FEK herabstufen. Das hätte fatale Konsequenzen

Neumünster | Im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) schrillen die Alarmglocken. Die neuen Pläne der Krankenkassen mit den Geburtshilfestationen in Schleswig-Holstein würden nicht nur den Status des FEK gefährden, sondern letztlich sogar den Rang der Stadt Neumünster als Oberzentrum. „Wenn die Pläne umgesetzt werden, gehen uns die Kinder- und die Frauenklinik kaputt. Dann wäre das FEK kein Schwerpunkt-Krankenhaus mehr, und Neumünster wäre kein Oberzentrum mehr“, sagt Dr. Ivo Heer, Ärztlicher Direktor des FEK.

Laut einem Positionspapier der Krankenkassen ist geplant, dass von derzeit 21 Geburtsstationen im Land höchstens 17 überleben sollen; Preetz, Ratzeburg und Niebüll sollen geschlossen werden, eventuell auch Eckernförde. Die intensivmedizinische Versorgung von besonders kleinen Frühgeborenen soll auf Kiel, Lübeck, Itzehoe und Flensburg konzentriert werden, also in Neumünster wegfallen. Das bedeutete eine Herabstufung vom Klinik-Niveau 2 auf 3 (der Courier berichtete). Die Kassen machen es schlicht an der Zahl der Geburten fest, und die Grenze soll bei 1000 Babys im Jahr liegen. Das FEK hat derzeit etwa 950.

Der Unterschied zwischen Level 2 und 3 klingt winzig: Im FEK dürften dann nur noch Frühchen auf die Welt kommen, mit dem die Mutter mindestens in der 32. Schwangerschaftswoche ist und das (voraussichtlich) 1500 Gramm wiegt. Derzeit, in Level 2, ist es die 29. Woche mit 1250 Gramm. „Andere Mütter müsste ich dann wegschicken, zum Beispiel nach Kiel“, sagt Dr. Ismail Yildiz, Chefarzt der Kinderklinik.

Das hätte aber weit größere Folgen als 15 bis 20 Frühchen im Jahr weniger. Die Kinderklinik wäre nicht mehr wirtschaftlich (denn ein Frühchen bringt Umsatz in fünfstelliger Höhe) und für Fachpersonal nicht mehr attraktiv. Ohne Kinderklinik würden viele Mütter sich aber gleich ein anderes Krankenhaus aussuchen; die Zahlen sänken weiter, und irgendwann wäre auch die Frauenklinik tot.

Ivo Heer kritisiert in erster Linie die Zahl der Geburten als alleiniges Kriterium: „Wenn die Kassen sparen wollen, sollten sie nur noch Geburten zulassen, wo es auch eine Kinderklinik gibt – unseren kleinen Patienten zuliebe.“

Kommentar von Thorsten Geil:

Zynischer Ansatz der Kassen

Es ist schon  bemerkenswert, wie die Manager der Krankenkassen sich über die Schleswig-Holstein-Karte beugen und mal eben kühl berechnen, welche Geburtsklinik als nächstes geschlossen wird. Vielleicht gibt es wirklich zu viele Kreißsäle im Land, aber es ist doch schräg, den Rotstift allein nach der Zahl der Geburten anzusetzen. Denkt denn dabei niemand an die Babys und die Mütter? Bei jeder zehnten Geburt wird ein Kinderarzt benötigt. Der steht im  FEK in 120 Sekunden im Kreißsaal, wenn es brennt. In manch anderen Häusern muss ein niedergelassener Arzt aus der Nachbarstadt gerufen werden. Der Ansatz der Kassen ist  zynisch.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Jul.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen