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Holsteinischer Courier

30. August 2016 | 03:17 Uhr

Notruf 112 : Sogar Anrufe aus der Gesäßtasche gibt es

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit genau 25 Jahren gibt es den Europäischen Tag des Notrufs 112. Was in Neumünster so alles gemeldet wird.

Neumünster | Die 112 feiert Geburtstag. Heute vor 25 Jahren ging die einheitliche Notrufnummer europaweit an den Start. In Deutschland war sie schon seit den 70er-Jahren bekannt. Mittlerweile erreichen mehr als 500 Millionen Menschen in 38 Ländern Europas unter der 112 die Leitstellen über Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse. Wer aus dem Bereich Neumünster den Notruf wählt, landet bei der Berufsfeuerwehr in der Feuer- und Rettungswache im Gefahrenabwehrzentrum.

Rund um die Uhr an 365 Tagen arbeiten mindestens zwei Feuerwehrleute an den vier Arbeitsplätzen in dem großen Raum in der zweiten Etage. Acht Notrufe gleichzeitig könnten Leitstellen-Chef Jan Steinert und seine Kollegen theoretisch hier annehmen. Zudem werden die Amtsleitung, die Rufnummer für den Krankentransport 19222 und der DRK-Hausnotruf bedient. „Man braucht Organisationstalent, Entscheidungsfreude und einen Blick fürs Ganze“, sagt Dieter Anderleit, Steinerts Stellvertreter. Vor sich hat er zwei Computer und sieben Bildschirme. Durchschnittlich 56 Mal am Tag wählen die Neumünsteraner die 112, an manchen Tagen aber auch weit mehr als 70 Mal. Hinzu kommen etwa 10 missbräuchliche Anrufe, angefangen vom Jungen, der das Feuer „in der Wasbeker Straße 1000“ meldet und auf Nachfrage Reue zeigt. Andere Leute probieren ihr neues Handy oder eine neue App aus oder wollen wissen, wo sie ihren Bauantrag abgeben können. Aber es gibt auch die so genannten Gesäßtaschen-Anrufe. „Da wird der Notruf unbemerkt abgesetzt, weil die Tastensperre nicht aktiviert ist“, sagt Anderleit. Jeder Anruf kann nachverfolgt werden, egal ob die Rufnummer unterdrückt wird oder nicht. Ob sich der Aufwand lohnt, wird im Einzelfall entschieden.

Geht ein Notruf ein, kann Anderleit auf einem Bildschirm antippen, was er braucht: Rettungswagen, technische Hilfe, Löschzug, Gefahrgut-Zug oder die Wasserrettung? Handelt es sich um einen Unfall, einen Sturmschaden oder einen Suizidversuch? Noch während er telefoniert, löst er damit einen Voralarm aus. Die Kollegen besetzen nach Bedarf die richtigen Feuerwehrautos. Der Rettungsdienst wird über Pieper informiert. Das spart wertvolle Minuten.

Für fast alle medizinischen Fälle hat Anderleit ein extra Bedienfeld mit Anweisungen und Fragen an den Anrufer. Schon zweimal musste er in diesem Jahr telefonisch eine Wiederbelebung anleiten (siehe auch „Hein Tüt“ auf Seite 7). Auch bei Gasaustritt, Feuer in großen Anlagen oder bei Menschenleben in Gefahr wird es heikel. Bei Großschadens-Lagen, etwa Unwetter, wird der zur Leitstelle gehörende Stabsraum besetzt, dann rücken zusätzliche Mitarbeiter an.

Aber es gibt auch die heiteren Momente, etwa wenn ein Anrufer ein Krokodil im Vorgarten an der Altonaer Straße meldet. Die Feuerwehr fuhr hin, entdeckte das Krokodil auch im hohen Gras. Ein zweiter Wagen wurde nachgefordert. Doch da erschien ein Nachbar. Er vermisste sein ausgestopftes Krokodil. Zur Tatklärung kam das Tier mit auf die Polizeiwache.

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erstellt am 11.Feb.2016 | 12:00 Uhr

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