zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 01:27 Uhr

US-Wahl aus NMS-Sicht : So schlimm war es noch nie

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Amerikanerin Gisela Künnemann aus Neumünster hofft, dass Hillary Clinton heute Nacht die neue Präsidentin wird

Neumünster | Zum Wahlkampf in den USA hat die Amerikanerin Gisela Künnemann (71) aus Neumünster eine klare Meinung: „So etwas hat es noch nicht gegeben. So verroht war der noch nie.“ Sie hat alles aufmerksam verfolgt und wird auch heute Nacht vor dem Fernseher sitzen.

Wenn Gisela Künnemann erzählt, mischen sich englische Wörter wie „votes, president, you know?“ in ihre Sätze. Früher, nachdem sie aus Amerika zurück gekommen war, musste sie erst einmal wieder Deutsch lernen, erzählt sie. Jahrzehntelang hatte sie die Boutique am Teich im Courier-Haus.

Geboren ist sie in Niedersachsen. Als sie 12 war, wanderten ihre Eltern mit ihr in die USA aus – nach Kansas City, Kansas. „Ich wollte nicht aus Deutschland weg. Ich hatte meine Freunde“, sagt sie. Aber der Beschluss ihrer Eltern stand fest, und so ging es mit dem Schiff auf die Reise. „Das Hupen der Schiffe im Hafen von New York höre ich immer noch, als wir an der Freiheitsstatue vorbeigefahren sind“, erinnert sie sich.

Zehn Jahre lang blieb Gisela Künnemann in Kansas City, dann zog es sie im Jahr 1967 zurück nach Deutschland. Sie blieb ein Jahr, danach lebte sie wieder für zwei Jahre in Kansas City. Ihr Mann, den sie in Deutschland kennen gelernt und geheiratet hatte, besuchte sie regelmäßig in Amerika. „1970 bin ich endgültig zurück nach Deutschland gegangen. Ich habe bis heute nur meinen amerikanischen Pass, die deutsche Staatsbürgerschaft musste ich bei der Einreise abgeben. Jetzt finde ich es gut so und möchte gar keinen deutschen Pass mehr“, sagt sie.

Den Wahlkampf 2016 hat sie mit Sorge verfolgt: „So schlimm war es noch nie. Die Wortwahl von Trump ist hanebüchen. Eigentlich muss man den Kindern die Ohren zuhalten, damit sie so etwas nicht hören. Es ist schade, dass Amerika nichts Besseres zu bieten hat.“ Eigentlich wählt sie immer per Briefwahl, doch dieses Jahr hat sie es nicht geschafft.

Die Begeisterung vieler Amerikaner für Trump versucht Gisela Künnemann so zu erklären: „Die Leute dort wollen einen klaren Strich nach jedem Präsidenten, sie wollen etwas völlig Neues, eine neue Person mit einer anderen Meinung.“ Sie selber hofft, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnt, befürchtet aber auch eine knappe Entscheidung. „Heute Nacht bleibe ich wach und verfolge alles. Der Großteil der USA hofft ja auch, dass der Kelch an ihnen vorbei geht“, sagt sie und erklärt, warum sie trotzdem von diesem Land fasziniert ist: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ich habe die Amerikaner als sehr freundliche Menschen kennengelernt und mich dort so wohl gefühlt. Trotzdem hat es mich immer nach Deutschland gezogen“, sagt sie. Sie würde gerne noch einmal nach New York oder Los Angeles reisen. „Nur nach Kansas City möchte ich nicht, das will ich so in Erinnerung behalten, wie es war“, sagt sie.

Für heute Nacht wünscht sie sich den Wahlsieg der Demokratin: „Vielleicht kommen einige ja noch zur Besinnung und können Schlimmeres verhindern.“

zur Startseite

von
erstellt am 08.Nov.2016 | 08:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen