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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 16:56 Uhr

Baden in Schleswig-Holstein : So sauber ist das Wasser bei uns in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Von der Probe bis zur Analyse – so wird die Qualität der Badestellen im Norden überprüft.

Der kleine Becher ist schnell mit Wasser aus dem Einfelder See gefüllt. Mit einer flinken Bewegung setzt Ralph Thomsen den Deckel auf das Gefäß. „Das wird jetzt gekühlt und geht dann zur Analyse ins Labor ans Universitätsklinikum Schleswig-Holstein“, sagt der Mann vom Gesundheitsamt Neumünster.

Alle drei bis vier Wochen ziehen er und seine Kollegen Proben aus dem Badesee, wie es laut EU an allen 330 offiziellen Badestellen Schleswig-Holstein in der Badesaison vom 1. Juni bis 15. September vorgeschrieben ist. Zur Zeit ist an allen Stellen das Baden unbedenklich, lediglich zwei Stellen sind geschlossen – allerdings wegen Bauarbeiten.

Jeder Badegast kann sich im Internet über die Belastung jeder Badestelle informieren. „Dazu haben wir überall Hinweisschilder mit QR-Codes aufgestellt, die jeder abfotografieren und sich so über das Smartphone auf den aktuellen Stand bringen kann“, sagt Georg Pauls, Hygieneingenieur beim Gesundheitsamt Neumünster. Vier offizielle Badestellen gibt es in der Stadt, davon seit diesem Jahr drei am Einfelder See. „Vor sieben Jahren hatten wir mal Probleme mit Gänsen, die sich am und im See erleichtert haben“, sagt Pauls. „Aber zum Glück hat sich das Problem erledigt. Denn wenn viele Badegäste da sind, vertreiben die die Gänse, und damit gibt es auch kein Problem mehr mit Verschmutzungen“, sagt Pauls.

Dennoch seien die Auswirkungen noch in der langfristigen Statistik zu merken. „An einer Badestelle haben wir deshalb in Anführungsstrichen nur eine gute Wasserqualität, an den anderen beiden aber eine ausgezeichnete“, sagt Pauls. Denn die langfristige Einstufung der Badestelle richtet sich nach der Auswertung der Proben der vergangenen vier Jahre.

Doch wie werden die Proben genau untersucht? Im Uniklinikum organisiert das Dr. Martin Hippelein vom Medizinaluntersuchungsamt. Die Proben werden im Labor in einem Plastikgefäß mit 96 Vertiefungen mit einem Enzym versehen und zwei Tage lang bei 44 Grad bebrütet – und so auf zwei verschiedene Fäkalbakterien hin untersucht. „Je mehr Verfärbungen es dann in den Vertiefungen gibt desto belasteter ist eine Probe“, sagt Hippelein. Nach zwei Tagen werden die Auswertungen veröffentlicht – und das lokale Gesundheitsamt kann eine Badestelle sperren wenn die Belastung zu hoch sein sollte. „Das kommt aber nur in den seltensten Fällen vor“, sagt Hippelein.

Der Einfelder See würde erst gesperrt werden, wenn sich 1800 Fäkalbakterien in einem Milliliter Wasser finden würden, sagt Georg Pauls. Doch dass dieser nur in Deutschland geltende Grenzwert überschritten werden, sei mehr als unwahrscheinlich. Zwar steige durch Starkregen die Belastung des Wassers, allerdings nie so stark, dass der See gesperrt werden müsse. „Dennoch nehmen wir nach extremen Wetterereignissen natürlich auch mal Extra-Proben.“ Allenfalls am Ende der Badesaison rechnet der Gesundheitsingenieur mit einer möglicherweise steigenden Belastung, weil der See dann wärmer sein könnte. „Aber dass sich so viele Algen bilden, dass das Baden für die Gesundheit der Badenden bedenklich sein könnte, daran glaube ich nicht. Das könnte erst zum Problem werden, wenn die Wassertemperatur dauerhaft anstiege – etwa durch den Klimawandel. Aber da reden wir dann über ein Problem, das es in den nächsten zehn oder 20 Jahren geben könnte.“

Bis dahin wird Ralph Thomsen weiter Proben aus dem See entnehmen. Und dabei auch ein Protokoll anfertigen, in der er die Farbe vermerkt. Doch die habe nicht unbedingt etwas mit der Wasserqualität zu tun, sagt Georg Pauls. „Die ist durch den Einfluss des Dosenmoores immer etwas rot-bräunlich. Aber Baden kann man hier trotzdem ohne Bedenken.“

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erstellt am 12.Jul.2016 | 16:14 Uhr

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