zur Navigation springen

Gerichtsbericht : Skrupellose Einbrecher verurteilt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gestern endete der Prozess, in dem es auch um eine wilde Verfolgungsjagd auf der Autobahn 7 ging.

Neumünster | Es muss eine Flucht wie in einem Action-Krimi gewesen sein: Am 16. Oktober vergangenen Jahres sollen drei Männer in ein Einfamilienhaus in Schacht-Audorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eingebrochen sein, drei Armbanduhren erbeutet haben und sich anschließend eine wilde Verfolgungsfahrt mit der Polizei über die Autobahn 7 Richtung Hamburg geleistet haben (der Courier berichtete).

Nach drei Verhandlungstagen vor dem Schöffengericht in Neumünster wurde gestern das Urteil gefällt. Ein Chilene (27) wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt, unter anderem wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls. Weil er auch der Fahrer des Fluchtwagens gewesen sein soll, laut Anklage während der wilden Verfolgungsjagd auf der A7 mehrmals gegen die Verkehrsregeln verstieß, unter anderem einen Polizeiwagen rammte und eine Beamtin bei der Festnahme verletzte, fiel seine Strafe deutlich härter aus.

Der zweite Angeklagte (30) bekam eine Bewährungsstrafe von nur elf Monaten. Unter anderem wurde ihm sein Geständnis – nach anfänglichem Leugnen – vor Gericht zu Gute gehalten. Er erklärte über seinen Anwalt, dass die Drei gemeinsam den Plan gefasst hätten, in das Haus einzubrechen und Wertgegenstände zu stehlen. Er habe jedoch lediglich an der Haustür Schmiere gestanden. Strafmildernd wirkte sich auch sein gesundheitlicher Zustand aus: Nach eigenen Angaben leidet er seit mehreren Jahren unter schweren Depressionen. Er hatte auch versucht, sich während der Untersuchungshaft das Leben zu nehmen.

Der dritte Mann muss sich in einem gesonderten Verfahren für die Tat verantworten.

Um Licht ins Dunkel der unterschiedlichen Versionen zu bringen und die Tatbeteiligung jedes Einzelnen festzustellen, wurden gestern die Hausbewohnerin sowie vier Polizisten als Zeugen gehört. Die Beamten erzählten übereinstimmend, wie das Trio trotz eines künstlichen erzeugten Staus und eines gesperrten Seitenstreifens unbeirrt mit 130 Stundenkilometern auf das stehende Polizeiauto zuraste. „Da haben wir Angst bekommen und die Fahrbahn freigegeben“, sagte die Polizistin, die einst im Wagen gesessen hatte. Als zweiten Versuch umzingelten vier Polizeiwagen das Fluchtfahrzeug, konnten es aber auch nicht zum Stehen bringen.

Die drei Männer überholten schließlich, rammten einen Polizeiwagen (8000 Euro Schaden) und rasten letztendlich auf einen Acker bei Bönningstedt. Die drei Täter sprangen aus dem Auto und liefen in Richtung des angrenzenden Waldstücks. Dort konnte die Polizei zwei von ihnen festnehmen. Der dritte entkam vorerst.

Der Staatsanwalt hatte für den Fahrer ein Jahr und zehn Monate Haft gefordert. Sein Anwalt hielt hingegen vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung für ausreichend. Für den 30-Jährigen hielten alle Beteiligten nach einer internen Absprache eine Strafe zwischen acht und zwölf Monaten für angemessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die drei gestohlenen Uhren sind bisher nicht wieder aufgetaucht.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert