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Veranstaltung zum Frauentag : Sieben Frauen stellten sich und ihr Leben vor

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen des SPD-Kreisverbandes hatte am Sonnabend außergewöhnliche Gäste. Trotz besserer Viten sind Frauen oft benachteiligt.

Neumünster | Frauen müssen sich einmischen, forderte die Landtagsabgeordnete Kirsten Eickhoff-Weber am Sonnabend. Ihr hörten 30 Besucher im Familienzentrum Faldera zu, die der Einladung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen gefolgt waren. „Frauen! Arbeit!“ hieß die Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Frauentags, der weltweit am 8. März begangen wurde und in Neumünster noch bis zum 19. März mit Veranstaltungen umrahmt wird.

Trotz besserer Viten haben Frauen nicht selten das Nachsehen im Wettbewerb mit einem Mann um gute Posten, meinte Eickhoff-Weber. „Da reicht schon ein kritischer Blick in die Stadtverwaltung. An der Verwaltungsspitze oder an der Spitze der Aufsichtsgremien sitzen ausschließlich Männer“, betonte sie. Sieben Frauen, die sich zum Teil trotz erheblicher Hürden nicht die sprichwörtliche Butter vom Brot nehmen ließen, erzählten am Sonnabend ihre Geschichte. So teilte beispielsweise Petra Gerwat ihre Geschichte mit den Zuhörern: Nach der Elternzeit wurde ihr der Wiedereinstieg in den Beruf sehr schwer gemacht. Die gelernte Bankkauffrau besuchte Fortbildungen und Praktika, und dennoch war es ihr nicht gelungen, in ihren alten Beruf zurückzukehren. „Dann hat mein Mann uns im Stich gelassen. Ich stand mit zwei Kindern und einem Haus plötzlich alleine da“, erzählte sie. 2004 dann die Wende. Das Deutsche Rote Kreuz suchte jemanden für seinen Laden „Jacke wie Hose“. Diesen leitet Gerwat heute, hat 40 ehrenamtliche Helfer unter sich. „Aber das ist auch nur eine Teilzeitstelle, sodass ich noch einen weiteren Nebenjob habe. Ich wünsche mir von der Politik, dass Müttern der Wiedereinstieg in eine Vollzeitbeschäftigung leichter gemacht wird“, forderte sie.

Eindrucksvoll schilderte am Sonnabendnachmittag Nilgün Kiroglu, wie sie nach ihrem Abitur in der Türkei nach Deutschland gekommen war. „Damals herrschte in meinem Land ein Militärputsch. Alle meine Freunde waren damals ins Gefängnis gekommen“, verriet sie. Ihre Eltern lebten bereits in Kiel und Kiroglu folgte ihnen. „Ich habe überall und jeden gefragt, wo ich Deutsch lernen kann“, erzählte sie. An der Uni in Kiel wurde sie schließlich fündig. Da der Kursus „Deutsch für Ausländer“ bereits in Gange war, durfte sie nur als Gastzuhörer teilnehmen. Innerhalb von nur drei Monaten eignete sie sich so gute Deutschkenntnisse an, dass sie Informatik studierte. Heute hilft sie jungen Migranten, sich zu verwirklichen. Insbesondere bei Eltern von jungen Mädchen mit ausländischen Wurzeln leistet sie Überzeugungsarbeit, damit ihnen keine Bildungsmöglichkeiten verwehrt bleiben. „Es ist Quatsch, wenn junge Ausländer sagen, sie hätten keine Perspektiven und ihnen werde nicht geholfen. Jeder, der wirklich etwas erreichen will, schafft es auch. Ich bin das beste Beispiel dafür“, fasste sie zusammen.

Und noch weitere imposante Geschichten waren zu hören. Von Suse Hammerich, die sich seit 13 Jahren in der Gruppe „Oma Hund und Co.“ in der Kinderklinik des Friedrich-Ebert-Krankenhauses ehrenamtlich engagiert. Von Maren Andresen, die es von der jungen Bäcker-auszubildenden zur ersten (und bundesweit einzigen) Landesinnungsmeisterin geschafft hat und als erste Frau ins Präsidium des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks gewählt wurde. Es stellte sich auch Christina Wilken vor, die für ihren autistischen Sohn um eine vernünftige Schul- und Berufsbildung gekämpft hat, in der Grundschule sogar in einen Sitzstreik getreten ist, um eine Schulbegleitung für ihren Sohn zu erkämpfen. Zu guter Letzt erzählten Sabrina Schlesener und Katarina Jenikova-Grothkopp von ihrem ehrenamtlichen Engagement bei den Vicelinkindern an der Vicelinschule.

„Ich bin immer wieder überrascht, was es für tolle Menschen in Neumünster gibt“, fasste Monika Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen am Ende der zweistündigen Veranstaltung zusammen. Das weitere Programm des Internationalen Frauentags ist auf der Internetseite der Stadt (www.neumuenster.de) zu finden.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 07:30 Uhr

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