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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Austernfischer : Seltener Gast aus dem Wattenmeer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Vögel fühlen sich auch in Neumünster pudelwohl

Neumünster | Schwarz-Rot – damit ist nicht die große Koalition gemeint, sondern ein neuer Gast in Neumünster – der Austernfischer. Der bis zu 45 Zentimeter große Vogel fühlt sich offensichtlich nicht nur im Wattenmeer, sondern auch im Herzen Schleswig-Holsteins pudelwohl.

„Die kommen schon seit dem vergangenen Jahr im Sommer und haben nur vor unserem Hund Respekt“, sagt Silke Möller, die Inhaberin von Möllers Reisedienst an der Kieler Straße/Ecke Stoverweg. Auf dem Rasen des Firmengeländes kann man den Austernfischer bei der Suche nach Regenwürmern beobachten. Selbst kleinste Grünflächen direkt an der viel befahrenen Straße bilden sein Jagdrevier. „Warum der Austernfischer uns ausgesucht hat, wissen wir nicht. Es gibt hier keinen Teich und keinen Tümpel“, sagt Silke Möller.

Die sind auch nicht nötig. Beutetiere sind statt Muscheln, Borstenwürmern und Krebsen im Binnenland eben Regenwürmer und Insekten. „Die Tiere brüten auf dem Flachdach des A+B-Centers“, weiß der 2. Vorsitzende des Naturschutzbundes Nabu, Jens Poweleit. Der Florist beobachtet seit vier Jahren ein weiteres Brutpaar auf dem Dach der früheren Nordfaser an der Tungendorfer Straße. Auch in Einfeld gibt es Austernfischer. Poweleit vermutet, dass sie auf dem Edeka-Markt Grümmer am Roschdohler Weg brüten. „Ein hübscher Vogel. Auch beim Hagebaumarkt an der Kieler Straße in Tungendorf sind die Tiere zu sehen“, sagt Wolfgang F. Jördes. Der Einfelder war früher ebenfalls im Nabu aktiv und betreute den Einfelder See und das Dosenmoor.

Die Austernfischer sind echte Neu-Neumünsteraner und nicht etwa aus dem Tierpark ausgebüxt. Da ist sich Tierpark-Chefin Verena Kaspari ganz sicher. „Unsere letzten Austernfischer hat im Mai der Marder geholt. Seitdem haben wir keine Austernfischer mehr in der Wattvogel-Voliere“, sagt sie. Dass die Vögel so weit ins Binnenland vorstoßen, ist ihr neu. Verena Kaspari: „Das ist ja nicht ihr eigentlicher Lebensraum. Aber offenbar kommt der Austernfischer in dieser Nische klar.“

Anders als bei Möwen ist ein Bruterfolg auf den Flachdächern der Stadt jedoch eher ungewiss. Nabu-Experte Poweleit nennt das Problem: „Die Küken des Austernfischers sind Nestflüchter, die Altvögel bringen kein Futter heran.“ Die Jungvögel hätten nur dann eine Chance, wenn sie vom Dach springen und diesen Sturz überleben. Möwen ziehen dagegen ihre Jungen groß.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 08:45 Uhr

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