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Holsteinischer Courier

02. Juli 2016 | 04:11 Uhr

Integration : Seit 30 Jahren werden Vorurteile abgebaut

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Teestube David“ feiert Jubiläum mit einem Fest an der Kreuzkirche. Die Leiterin berichtet von den Anfängen

Neumünster | Mit einem Theaterstück fing alles an: Schüler des Einfelder Gymnasiums studierten im Rahmen eines Schulprojekts „Arbeiten und Freizeit erleben“ mit behinderten Jugendlichen vom Flintbeker Eiderheim die Geschichte von David und Goliath ein. Die jungen Menschen identifizierten sich mit David, der zum Schluss Sieger wurde. Die Theatergruppe wollte unbedingt weitermachen. Räume wurden per Courier-Anzeige für Treffen gesucht und in der im Mai eingeweihten Kreuzkirche der Baptisten gefunden. Am Sonnabend, 20. Juni, wird das 30-jährige Bestehen des integrativen Freizeitangebots „Teestube David“ gefeiert.

Leiterin seit damals ist Eberhardine Seelig. „Damals war dieses integrative Jugendprojekt noch etwas sehr Neues und damit ein Vorreiter“, sagt die 74-jährige, die als Berufsberaterin für Behinderte arbeitete und sich ehrenamtlich im Landesjugendring und als Vorsitzende des Kreisjugendrings Plön engagierte.

„Ich versuche, zwei Seiten zusammen zu bringen. Das Wort Inklusion kannte ich damals nicht, aber wir haben es schon damals praktiziert“, erinnert sie sich. Ein solches Projekt habe es in ganz Schleswig-Holstein nicht gegeben. Die Zeiten waren anders als heute: Menschen mit Behinderungen wurden teilweise massiv verbal diskriminiert und auch körperlich angegriffen. „Aus der Gruppe wurde mir berichtet, dass sie beschimpft oder bedroht wurden oder ihnen die Jacke weggenommen wurde. Wichtig war mir, Vorurteile abzubauen und ein fröhliches Miteinander zu schaffen. Jeder macht das, was er kann, niemand wird in Watte gepackt.“

So wird gebastelt, gesungen, gespielt, diskutiert, auch Ausflüge werden unternommen. Auch das hautnahe Zusammenleben über zehn Tage ist wichtig: „Den ganzen Tag zusammen zu sein, ist eine besondere Erfahrung. Und ich war erstaunt: Selbst Autisten haben gesprochen.“

Zur Teestube David gehören auch eine integrative Basketball-Gruppe und die Theatergruppe „Krimskrams“, die schon diverse Stücke aufgeführt hat. „Behinderte schlüpfen gerne in Rollen. Das macht Spaß, stärkt aber auch das Selbstbewusstsein und gibt ihnen ein Stück Selbstständigkeit“, sagt die Teestuben-Leiterin. Auch die Vernetzung mit anderen Institutionen wird gepflegt. Seit drei Jahren besuchen die „Davids“ das Tanz-Café des Seniorenbüros, es wird auch gemeinsam gesungen.

Heute geht es vor dem Fest nach Timmendorf ins Sea-Life-Center. Ab 16 Uhr wird im Garten der Kreuzkirche an der Rendsburger Straße gefeiert.

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erstellt am 20.Jun.2015 | 15:00 Uhr

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