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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 01:24 Uhr

Schillsdorf : Schwestern dürfen nicht einreisen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Bokhorster verstehen das Vorgehen nicht. Die jungen Frauen aus Albanien hatten sich bereits in der Gemeinde eingelebt.

Schillsdorf | Die Flüchtlingshelfer in Schillsdorf sind enttäuscht. Zwei junge Albanerinnen, die viel Unterstützung aus der Gemeinde erhalten und sich vorbildlich eingelebt hatten, dürfen nicht wieder einreisen.

Visum abgelehnt, so hieß es im September für die aus Albanien stammenden Schwestern Sonilda und Elona Tuci, die bis April dieses Jahres in Schillsdorf gelebt und sich vorbildlich um die Weichenstellung für eine Zukunft in Deutschland gekümmert hatten. „Wir sind tief enttäuscht“, meinte nicht nur Hermann Marsian aus dem Kirchenvorstand in Bokhorst. Die Bundesrepublik Deutschland müsse keine Begründung für die Ablehnung abgeben, sagt die deutsche Botschaft in Tirana. Die Schillsdorfer Familien, die sich mit viel Zeit und Energie für die Integration der beiden jungen Frauen eingesetzt haben, wollen das abweisende Verhalten der deutschen Botschaft nicht verstehen.

Die beiden jungen Frauen aus Albanien haben bis April in der Gemeinde Schillsdorf gelebt. Wie Hermann Marsian berichtete, sind die Schwestern im April auf eigene Kosten vorzeitig und freiwillig nach Albanien zurückgekehrt. „Beide waren bestens integriert, waren lernwillig, hatten Praktika und Deutschkurse absolviert, sprachen nach wenigen Monaten bereits passabel Deutsch und waren in unseren Dörfern beliebt und anerkannt“, so Marsian. Beide haben ein albanisches Abitur, Sonilda bereits einen Hochschulabschluss in Geografie. Beide wollten sich in Deutschland aktiv um eine berufliche Zukunft bemühen. Beide hatten eine Zusage des Diakonischen Werkes in Rendsburg zur Finanzierung eines Jahres im Bundesfreiwilligendienst (BFD). Hinzu kam die Zusage der Lebenshilfe Neumünster, dieses Jahr dort ableisten zu können. Beide hatten eine schriftliche Zusicherung zweier Familien aus Bokhorst, dass für ihre Unterkunft und Verpflegung für die Zeit des BFD-Jahres gesorgt wird. Am 15. September stellten die Schwestern voller Hoffnung ihre Visa-Anträge. Der Ablehnungsbescheid kam einen Tag später ohne Begründung und beendete vorerst die Hoffnung der jungen Frauen.

Die Bokhorster Begleiter der beiden Frauen möchten wissen, ob es eine Chance für Sonilda und Elona gibt. Die Eltern leben zurzeit in Wankendorf (Amt Bokhorst-Wankendorf). Sie haben einen ablehnenden Bescheid und warten im Prinzip auf ihre Abschiebung. Dies wird unabhängig vom Fall der Töchter gesehen.

Den Bokhorstern ist es unverständlich, warum weiter Zeit, Energie und Hoffnung investiert werden sollen, wenn die rechtlichen Rahmen ein erfreuliches Ergebnis ohnehin nicht hergeben. Aus dem Kieler Referat für Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsrecht im Innenministerium hieß es jetzt zur Sachlage: Grundsätzlich sei – bei Vorliegen der Voraussetzungen – die Teilnahme am Bundesfreiwilligendienst für Ausländer möglich. Einen Ausschluss aufgrund der Staatsangehörigkeit eines sicheren Herkunftsstaats gebe es nicht. Die Gründe für die Ablehnung der Visa-Anträge können allerdings ausschließlich von der Auslandsvertretung mitgeteilt werden.

Die Bokhorster wollen das so nicht hinnehmen und weiter alle Hebel in Bewegung setzen, um den jungen Frauen eine Rückkehr zu ermöglichen.  


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