zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 17:47 Uhr

Moschee-Besuch : Schule schwänzen kostet immer Bußgeld

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fall Rendsburg: Auch in Neumünster wäre so gehandelt worden

Neumünster | Es war gestern wohl eines der am meisten diskutierten Themen in Schleswig-Holstein: Die Eltern eines Rendsburger Schülers sollen 300 Euro Bußgeld zahlen, weil sie ihren Sohn (13) den Besuch einer Moschee schwänzen ließen. Was würde in so einem Fall in Neumünster passieren?

Zum Thema Orient sollte eine siebte Klasse eines Rendsburger Gymnasiums im Sommer eine Moschee besuchen. Die Eltern des betreffenden Schülers gehören keiner Religion an und entschieden bewusst, dass ihr Sohn ohne Entschuldigung vom Unterricht fern bleiben sollte. Gegen das Bußgeld legten die Eltern Widerspruch ein; der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft (der Courier berichtete).

Neumünsters Schulrat Jan Stargardt findet den Bußgeldbescheid korrekt. „Rechtsgrundlage ist, dass es eine verpflichtende Veranstaltung war. Der Schüler ist schulpflichtig und hat Unterrichtsinhalt versäumt. Das ist eine Ordnungswidrigkeit, die auch in Neumünster mit einem Bußgeld bestraft wird“, sagte Stargardt zum Courier. Grundsätzlich könne kein Kind dazu gezwungen werden, eine Moschee zu besuchen. Aber die Eltern hätten sich mit der Schule um Alternativen kümmern können, ihr Sohn hätte den Unterricht der Parallelklasse mitmachen können.

In Stargardts Amtszeit hat es noch keinen Fall gegeben, der nicht in einem Gespräch geklärt werden konnte. „Wenn es mal Probleme gab, haben wir immer einen Kompromiss gefunden. Zum Beispiel wollen manche islamischen Eltern nicht, dass ihre Kinder Schwimmunterricht erhalten. Aber dann haben wir uns auf spezielle Schwimmbekleidung geeinigt“, sagte der Schulrat. Seiner Einschätzung nach ist in Neumünster die gegenseitige Toleranz sehr lobenswert, und die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern funktioniert reibungslos. Das scheint an der Rendsburger Schule zumindest in diesem Fall nicht so gut funktioniert zu haben.

Ibrahim Ortaçer ist Vorsitzender vom Forum der Vielfalt und Mitglied der Ditib-Moschee. „Ich glaube, dass die Meinung der Eltern respektiert werden muss. Man hätte an der Schule in Rendsburg vorab eine gemeinsame Alternative finden können“, sagte er auf Anfrage zu dem Vorfall.

In Neumünster besucht nach Angaben von Ortacer meistens erst ein Vertreter einer Moschee die Schulklassen und informiert. „Danach sind die ersten Vorurteile bereits verschwunden. Am liebsten würde ich jede Moschee mit gläsernen Wänden bauen. So kann jeder sehen, was dort passiert“, betonte er. So hätten alle Kinder die Möglichkeit, ihre Weltansicht zu erweitern, ergänzte er.

Pastorin Simone Bremer von der Vicelinkirche schätzt die Situation ähnlich ein. „Die Eltern haben gegen die gesetzliche Schulpflicht verstoßen, das ist unsere Rechtssprechung. Unabhängig davon finde ich es schade, wenn man seinen Kindern kulturellen und religiösen Austausch verwehrt. Die Einstellung der Eltern muss akzeptiert werden, jedoch soll Schule nicht zu einem Glauben führen, sondern ermöglicht interkulturellen Austausch“, betonte sie.

Weder der Schulrat noch die Religionsvertreter haben je von einem solchen Fall in Neumünster gehört, wie er sich jetzt in Rendsburg ereignet hat.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Okt.2016 | 08:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen