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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 13:18 Uhr

Holstenschule : Schüler fielen auf ein erfundenes Leben herein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Holstenschüler dokumentierten das Leben eines fiktiven Forschers. Alle Exponate waren erfunden und gefälscht.

Neumünster | Der letzte Schultag vor den Herbstferien stand an der Holstenschule ganz im Zeichen eines berühmten Ehemaligen: Wolf H. Leitzmaier war ein „Phänomenal-Zoologe“, ein Forscher, Südamerika-Reisender und der eigentliche Erfinder des Aspirins. 15 Schüler des zehnten Jahrgangs hatten Exponate zusammengetragen und luden gestern im Projekt „Kunst hoch Schule“ zu einer Reise durch das Leben des Ex-Holstenschülers ein.

„Das ist spannend, wie so ein Leben gezeigt wird. Guckt aufmerksam hin“, sagte Schulleiter Arno Engelmann zuvor – für Eingeweihte mit einem gewissen Unterton. Die Schüler schoben sich an den Stellwänden vorbei, an denen alte Fotos, vergilbte Briefe und Dokumente zu sehen waren, schauten sich ein Tagebuch unter Glas an, ebenso Leitzmaiers Studienurkunde einer norwegischen Universität. Hinter Glas standen zwei Gläser mit konservierten Schlangen, die Leitzmaier entdeckt hatte, daneben ein Teddy, „bester Freund in einsamer Kindheit“. „Beeindruckend, was die alles zusammengetragen haben“, lobte ein Schüler.

Doch einen Wolf H. Leitzmaier gab es nie. „Museale Inszenierung“ nennt die Kieler Künstlerin Anne Steinhagen ihr Konzept, das sie in Neumünster erstmals realisierte – im Rahmen von „Kunst hoch Schule“, das vom Bund Deutscher Kunstpädagogen, der Muthesius-Kunsthochschule und dem Bildungsministerium gefördert wird. Eine Woche lang hatten die Schüler ein Leben erfunden, es mit Hilfe der Künstlerin und ihrer Lehrerin Eva-Maria Sahle mit „Beweisen“ verdichtet. Die Schlangen kamen aus dem Fundus der Schule, die Fotos aus dem Flohmarkt-Fundus von Anne Steinhagen. Die Briefe haben die Schüler künstlich altern lassen.

Hochgespannt verfolgten die Eingeweihten, wie die Besucher auf den Schwindel hereinfielen. Und sie wurden nachdenklich: Darf man überhaupt noch etwas glauben, was man sieht oder liest? „Es hat mich beeindruckt, wie schnell das geglaubt wurde. Ich war vorher schon misstrauisch, aber jetzt bin ich noch aufmerksamer“, sagte Johanna Mandelkow (16) von der Projektgruppe. Anne Steinhagen: „Die Schüler haben gelernt, dass es eine Gratwanderung gibt zwischen Geschichten erfinden und Lügen.“ 
 

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erstellt am 15.Okt.2016 | 09:15 Uhr

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